Warum die westdeutsche Kirche von der ostdeutschen Kirche etwas lernen kann

Unter der Überschrift „Doppelte Diaspora“ wird Leipzig, die Stadt des 100. Katholikentags vom 25. bis 29. Mai 2016 vorgestellt (Konradsblatt 8, 2016). Von den 560 000 Einwohnern Leipzigs sind 4,3 % katholisch. Der Katholikentag will mit dem Thema „Leben mit und ohne Gott“ mit den rund 80% der Leipziger ins Gespräch kommen, die keiner Kirche angehören. „Kirchisch wird nicht mehr verstanden“, sagt Sr. Susanne Schneider. „Dass es eine Region praktisch ohne Bezug zur Religion gibt, ist in der Welt einmalig“ meint Pfarrer Gregor Giele von der Leipziger Probsteikirche St. Trinitatis. Interessant ist die Äußerung des Leipziger Studentenpfarrers, des Jesuiten Christian Braunigger, der aus Löffingen in der Erzdiözese Freiburg stammt. Nach ihm können nicht die ostdeutschen von der westdeutschen Kirche lernen, sondern umgekehrt. Wieso? Braunigger „lebt in den Gemeinderäumen, die in einem Altbau unweit der Universitätsbibliothek untergebracht sind … sind gerade keine Studenten da, ist der Pfarrer alleine. Es gibt keine Sekretärin, keinen Hausmeister, keine Reinigungskraft. All diese Aufgaben übernehmen Ehrenamtliche. Der scheinbare Mangel ist für Pater Christian Reichtum: ‚Ich glaube, dass der Katholikentag eine Chance ist, zu realisieren, dass Kirche auch anders ist und anders sein kann. Aufgrund der Minderheitensituation ist viel weniger Geld vorhanden. Dem entsprechend gibt es kaum Hauptamtliche, fast alles läuft über ehrenamtliches Engagement. Die Gemeinde läuft nur so gut, weil es keine Angestellten gibt‘“. Da kann die reiche westdeutsche Kirche mit ihrem Riesenpersonalapparat sehr wohl von der ostdeutschen lernen!

Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Aprilheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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Eine Antwort auf Warum die westdeutsche Kirche von der ostdeutschen Kirche etwas lernen kann

  1. Imrahil sagt:

    Und wenn ein Feuer ausbricht oder eine Überschwemmung, dann halten alle Nachbarn zusammen. Das ist fast immer so, und Gott-sei-Dank ist es so.

    Deswegen wünschen wir uns, auch zur Pflege der guten nachbarschaftlichen Beziehung, aber keine Feuersbrünste oder sonstige Notlagen…

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