Wir brauchen Friedensstifter

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer kritisierte gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF: „Überspitzt gesagt: Wenn die nicht Livesendungen hätten, dann hätten sie wenige der Lebenswirklichkeit entsprechende Programminhalte“ und „für mich ist viel zu häufig die persönliche Überzeugung der Autoren der Maßstab für die Berichterstattung“.
Auf die Kritik Seehofers hin jaulte der Deutsche Journalisten Verband (DJV) in der Person des Vorsitzenden Frank Überall auf: „Horst Seehofer diffamiert seriöse Journalistinnen und Journalisten“; besonders vor dem Hintergrund der »Lügenpresse«-Schmährufe und Übergriffe auf Journalisten bei »Pegida«-Demonstrationen seien [sic] die Äußerungen des Ministerpräsidenten »unverantwortlich«. (Augsburger Allgemeine Zeitung 27.02.16)
Um die Berichterstattung von ARD und ZDF gegen Kritik zu immunisieren, werden „Lügenpresse“-Schmährufe und Übergriffe bei „Pegida“-Demonstrationen vorgeschützt. Es geht darum, einer Bewegung, die insgesamt dämonisiert und ausgegrenzt ist, alle Verantwortung zuzuschieben. Medienkritik wird dann einfach in „Pegida“-Nähe gerückt, und wird auf diese Weise selbstmörderisch.
Da ist es gut, die neue vierte „Pegida“-Studie des Politologen Werner Patzelt zur Kenntnis zu nehmen. Lt. Tagespost vom 27.2.16 „steht der überwiegende Teil der Mitglieder dieser Bewegung bislang weder der Demokratie als Staatsform feindlich gegenüber noch erwärmt er sich für nationalsozialistischen Gedankenmüll. Selbst wenn sich, wie die Studie nahelegt, bis zu 20% der Pegidianer dem rechtsradikalen und rechtsextremistischem Spektrum zuordnen ließen, bedeutet dies: 80% müssen anders verortet werden. Etikettierungen wie ‚Alles Nazis‘ sind nicht nur unzutreffend und diffamierend. Sie sind auch dumm und gefährlich. Denn statt Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und zu versuchen, ihre beschränkte Wahrnehmung der Realität zu weiten, werden sie von den etablierten Parteien und den Medien dämonisiert und aus dem Spektrum des als erträglich Geltenden ausgegrenzt.“
Diese Feststellung gilt auch für die AFD. Denn so Patzelt: „Die AFD ist in jene Repräsentationslücke eingedrungen, welche die etablierten Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums haben entstehen lassen“.
Wenn schon Politiker, die gerne in Sonntagsreden tönen, sie fühlten sich als Vertreter des ganzen Volkes, so ist zu fragen: sind Pegida- und AFD-Anhänger nicht auch Teil dieses Volkes? – dann müssten wenigstens die Vertreter der Kirche im Jahr der Barmherzigkeit zu einem Dialog miteinander aufrufen und nicht danach schielen, was die Medien dazu sagen.

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *