Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler: „Pro deo et patria!“

Kernkatholische Milieus wie beispielsweise die „Festung Vorarlberg“ oder der westfälische Adel bildeten im „Dritten Reich“ einen außergewöhnlichen Widerstand. Die Zahl der Bekenner aus diesen Kreisen ist groß. Einer von ihnen ist Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler. Schon in seiner Abiturrede 1926 „Pro deo et patria – Für Gott und das Vaterland“ bekannte er sich zu einem kompromisslosen Einsatz für Gott und das Vaterland. Nach dem juristischen Staatsexamen kam er 1932 in einen konservativen Arbeitskreis im Umfeld des Reichskanzlers von Papen. Im Gegensatz zu seinem wankelmütigen Dienstherrn von Papen erkannte Ketteler sofort, dass der Nationalsozialismus nicht reformierbar sei und daher entmachtet werden müsse. Deshalb schloss sich von Ketteler bald nach der Machtergreifung Hitlers 1933 einer Widerstandsgruppe an. Seine erste Aufgabe sah er darin, staatspolizeiliche Maßnahmen gegen Geistliche und kirchliche Einrichtungen abzuwehren. Heutige Kritiker der damaligen Gesellschaft können sich dieses Dilemma nicht mehr vorstellen: Wegschauen oder in Lebensgefahr sein? Von Ketteler entschied sich für das Risiko. Er sorgte beispielsweise dafür, dass der Originaltext einer Rede Papens am 17.06.1934 in der Universität Marburg vorab an die internationale Presse gelangte. Nun konnte von Papen den vorgegebenen Text nicht mehr unterdrücken. Dieser Text erregte international Aufsehen, weil darin Vizekanzler von Papen den totalitären Hitlerstaat verurteilte. Das war eine ungeheure Provokation! Wenige Tage später erlebte er die Mordwelle anlässlich des angeblichen Röhm-Putsches. Hitler ließ über 100 Personen ermorden, darunter auch einen Kollegen Kettelers. Im Juli 1934 veranlasste Hitler einen Putsch in Österreich sowie die Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuss. Der Staatsstreich misslang. Darauf suchte Hitler die Situation zu beruhigen, indem er den vergleichsweise noch seriös erscheinenden Herrn von Papen als Botschafter nach Wien entsandte. Dieser nahm Ketteler als persönlichen Attaché mit nach Wien. Dort konspirierten nun der deutsche Botschafter und sein engster Mitarbeiter teils gemeinsam, teils getrennt gegen die eigene Regierung in Berlin. Das ging einige Jahre gut. Als beim letzten Besuch im westfälischen Elternhaus an Weihnachten 1937 die Mutter ihren Sohn Wilhelm fragte, ob er auf den Tod vorbereitet sei, antwortete er: „Das Sterben ist gar nicht schlimm. Das ist nur eine Verbesserung, wenn wir dieses armselige Leben mit dem Himmel vertauschen können.“ Wenige Monate später merkten der Botschafter und sein Attaché, dass der Einmarsch Hitlers nach Österreich bevorstand. Nun wollten sie gemeinsam die kompromittierenden Geheimakten sofort verschwinden lassen. Ketteler bot sich an, zum Schein einen Ski-Urlaub anzutreten und dabei die Akten in einem Schweizer Bank-Safe zu deponieren. Das tat er auch. Unterwegs erfuhr er aber schon, dass der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg zurückgetreten sei. Dessen Abschiedsworte im Rundfunk waren: „Wir weichen der Gewalt. Gott schütze Österreich!“. Ketteler kehrte trotz Bedenken nach Wien zurück. In der deutschen Botschaft herrschte aber inzwischen die deutsche Geheimpolizei. Von Ketteler wurde sofort verhaftet und ermordet. Sein Kopf wurde in einer Badewanne so lange unter Wasser gedrückt, bis er starb, so dass keine Verletzung nachzuweisen war. Die Menschen damals standen tatsächlich vor der Alternative: „Wegschauen oder mit dem Tod rechnen.“

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler: „Pro deo et patria!“

  1. Christine Pochert sagt:

    Schade das der Herr von Ketteler nicht seinen Bedenken nachgegeben hat. Heute ist bekannt , das Vorahnungen und Instikte manchmal durchaus ihre Berechtigungn haben. Auch wenn es des die Wissenschaft noch nicht geschafft hat, dieses Rätsel zu entschlüsseln. Ein anderer Herr von Ketteler wurde ja auch in einer gut gemeinten Mission von der Chinesischen Kaiserin ermordet. Man sollte immer an das Gute im Menschen glauben, aber auch berücksichtigen, das es bei der Kommunikation zwischen diesen auch Fehlinterpretationen geben kann, die zu Ängsten und Agressionen führen können. Kommunikation wird daher zu etwas sehr wichtigem und sollte mehr beachtet werden. ( Internet, üble Nachreden, falsche Informationen über andere um diesen zu schaden ) Jeder Mensch auf der Erde hat das Recht auf freie Ausübung seiner Religion und Weltanschauung, wäre es nicht eine Bereicherung für alle Menschen wenn wir miteinander kommunizieren, und voneinander lernen können?

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