Nachhaltigkeit fördern statt Events bedienen – Nachdenkliches über Verkündigung und Seelsorge

Mitte Februar des Jahres sorgte nicht nur Pfarrer Thomas Frings in seiner Pfarrei Heilig Kreuz in Münster für Aufsehen. Er kündigte an, seinen Dienst als Pfarrer– nicht seine Berufung als Priester, zu der er weiterhin mit ganzem Herzen steht – aufzugeben und sich in ein Kloster zurückzuziehen. Der Grund: die ständig wachsende Kluft zwischen dem Wunsch nach einem religiösen Event und der Glaubenspraxis.
Frings ist allerdings keiner, der einfach und vorschnell das Handtuch geworfen hat. In seiner Pfarrei hat er immer wieder Wege gesucht, die Menschen zu einem ehrlichen Glauben hinzuführen, was etwa sein Konzept für die Erstkommunion zeigt. Hier werden nur die Kinder zugelassen, deren Eltern signalisieren, dass sie auch künftig am kirchlichen Leben teilnehmen wollen. Alle anderen Familien, und das sind 90 Prozent, die allein ihren Event haben wollen (Zitat Frings im Interview mit den „Westfälischen Nachrichten“ vom 20. 2. 2016: „Wenn mir ein Kind erklärt, es könne kein Gebet, weil seine Mama sagt, so einen Quatsch machen wir nicht, aber zur Kommunion gehst du trotzdem, wo ist denn da noch eine ethisch solide Grundorientierung?“), sind eingeladen zu einer Tauferinnerungsfeier der Kinder, der auch eine längere Vorbereitung voraus geht . Die Erstkommunion selbst ist dann keine große Feier am Weißen Sonntag, vielmehr ist sie eingebunden in eine normale Heilige Messe, zwischen Gründonnerstag und dem Sonntag vor „Christi Himmelfahrt“. Dabei dürfen die Familien sich einen dieser Termine aussuchen, sodass an mehreren Sonn- und Feiertagen die Kinder zum Tisch des Herrn geführt werden. Das Ziel: auf diese Weise die Familien wieder neu dem kirchlichen Leben zuzuführen, das schließlich von Nachhaltigkeit und Wiederholung lebt.
Thomas Frings ist der Großneffe des legendären Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings, dessen Konzilsberater der damalige Professor Joseph Ratzinger und jetzige Papst em. Benedikt XVI. war.
Und es war gerade Joseph Ratzinger, der schon sehr früh gesehen hat, dass es der Kirche nicht guttut, wenn sie sich in der Gesellschaft einrichtet, zum Service für Events wird und nichts anderes als Folklore bedient. Gefragt ist die immer neue und immer deutliche Entscheidung für Jesus Christus. Gerade hier wollte auch das Zweite Vatikanische Konzil zu einer Neubesinnung helfen – leider kam es aber zumindest hierzulande bis heute nicht zu dieser flächendeckenden Erneuerung, wenngleich es auch Lichtblicke gibt: Immer wieder finden Menschen auch heute zu einem Glauben, der sich in einer tiefen und erfüllten Bindung an Christus und die Kirche zeigt, und diese Christen leben ihn und geben ihn auch weiter. Aber bei vielen sind nicht einmal mehr Grundkenntnisse über den Glauben vorhanden. Hans Urs von Balthasar, der mit Papst Benedikt XVI. in vielen Fragen des Glaubens und der Verkündigung seelenverwandt war, hatte nach dem Konzil ein Büchlein mit dem Titel „Cordula oder der Ernstfall“ verfasst, in dem er die bewusste Entscheidung des Christen für seinen Herrn und Meister anmahnt. Balthasar macht deutlich, dass es nicht darum gehen kann, dass christliche Verkündigung sich der Welt anpasst, sie ist aber immer gerufen, dieser Welt Antwort zu geben. Und tatsächlich sollten wir Christen uns nicht die Überzeugung nehmen lassen, dass wir mit unserem Glauben das Beste für die Welt zu bieten haben, aber wir müssen leider auch damit zu leben lernen, dass viele es nicht kapieren werden.
In der Begegnung mit der Welt ist entscheidender als alle Worte das Zeugnis, das aber nur aus der gelebten Christusbeziehung wachsen kann – und dazu gehört wesentlich das Gebet und die Feier der Eucharistie. Allerdings mache man sich keine Illusionen: Auch ein noch so überzeugter Glaubender wird keine Massenbekehrungen auf die Schnelle hervorbringen – aber trotzdem: Wenn ich aus Christus lebe, wenn ich deutlich mache, dass das Leben mit ihm um ein Vielfaches besser ist als das ohne ihn, werde ich vielleicht langsam, ganz langsam, den einen oder anderen zum Nachdenken bringen, und es kann durchaus sein, dass in späteren Generationen gerade dadurch das Christentum wieder blühen wird – wenn wir nur hartnäckig bleiben und die Demut besitzen, in dem Wissen weiterzumachen, dass diese Blüte wahrscheinlich nicht mehr wir, gleichwohl aber künftige Generationen erleben können. Sinnvoll ist daher – statt flächendeckender Sakramentenspendung an solche, die gar nicht interessiert sind – mit Menschen das Gespräch zu suchen, die offen für einen tieferen und entschiedenen Glauben sind (und solche Erfahrungen kann man als Seelsorger auch schon einmal machen bei einem Tauf-, Ehevorbereitungs- oder Trauergespräch, ebenso in der Begleitung von Eltern, deren Kinder zur Kommunion oder Firmung gehen), und jene auf ihrem Glaubensweg mit der Kirche weiterzubringen. Gewiss, der Weg ist schwer, aber wenn Jesus doch von uns will, dass wir andere für ihn begeistern, so wird er uns dabei auch begleiten und immer wieder ermutigen.

Diakon Raymund Fobes

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Aprilheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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