Resolution 3 des Forums Deutscher Katholiken vom Kongress „Freude am Glauben“ 2016 in Aschaffenburg

Glaubwürdig den Glauben verkünden.

Europa, über viele Jahrhunderte ein Vorreiter des christlichen Glaubens, hat sich verändert. Während auf anderen Kontinenten viele Menschen zum Christentum übertreten, ist bei uns das Gegenteil der Fall. Immer mehr Menschen leben ohne Gott und so, als ob es Gott nicht gäbe. Dieser Verlust an Gläubigen und an Glauben bezieht sich nicht nur auf säkulare Gesellschaften und Menschen, die nie dem Christentum angehörten, sondern auch innerhalb unserer Kirchen. Hier machen sich zwei Phänomene besonders bemerkbar: Zum einen die Tendenz, sich aus dem Glauben und den Dogmen herauszusuchen, was zum eigenen Lebensstil und zur eigenen Meinung passt, eine Art Privatglaube, zum anderen der Mangel an Glaubenswissen, vom Aufbau der Eucharistiefeier bis zur Kenntnis der Bibel.
Viele gläubige Menschen haben resigniert, ziehen sich in ihre Gemeinschaften oder auf sich selbst zurück. Sie erfahren, dass man lächerlich gemacht oder bekämpft wird, wenn man über den Glauben und das Christentum spricht. Sie erleben das, was Papst Franziskus „höfliche Christenverfolgung“ nennt. Auch im eigenen Umfeld wird es zunehmend schwerer, für den christlichen Glauben einzutreten. Kreuze werden abgehängt, Kirchen entwidmet, Christen beschimpft oder in extremistischen Kreisen verortet, in denen sich ein Christ per definitionem gar nicht aufhalten kann.
Doch wer soll unseren Glauben verkünden und glaubwürdig vorleben, wenn nicht wir getaufte Christen? Wer hat noch die Wissensgrundlagen, mit denen er auf Menschen zugehen und ihnen von der Schönheit und Kraft des Glaubens erzählen kann? Wenn wir uns alle zurückziehen, unseren Glauben verbergen, vermitteln wir den Eindruck, das Christentum sei nicht stark, nicht überzeugend oder nicht in uns lebendig. Das ist das falsche Signal.
Ganz im Gegenteil sind es die Christen, die gerade jetzt, in einer Zeit, in der christliche Tugenden besonders gefordert sind, selbstbewusst und überzeugend Zeugnis geben müssen. Ein wichtiger Weg dorthin ist die eigene Weiterbildung und Glaubensvertiefung. Mit dieser Grundlage ist es dann unsere Aufgabe, auf die Menschen zuzugehen, die Hilfe benötigen, die nach dem Glauben fragen, denen wir täglich begegnen.
Neben der Evangelisierung, die durch Hilfe, Fortbildung, kirchliche Aktivitäten, durch lebendige Eucharistie und Gemeinden wirksam wird, ist es unser Vorbild, das überzeugend wirkt. Unser Menschenbild, das in jeder Person Gottes Ebenbild sieht, ist die Grundlage unseres Lebens und unserer Arbeit.
Das bedeutet im Alltag, diese Grundlage mit Leben zu füllen: mit Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit. Glaubwürdig sind wir, wenn wir auch gegenüber unseren Glaubensgeschwistern so leben, auch und besonders, wenn sich menschliche Fehler und Schwächen zeigen. Gerade dann steht es einem Christen zu, zu zeigen, wie ernst es ihm mit dem gelebten Christsein ist.

Wir rufen alle Christen dazu auf, ihren Glauben zu vertiefen, ihn zu leben und durch ihr Vorbild und ihre tätige Mitwirkung auch in Europa wieder aufblühen zu lassen.

Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forum Deutscher Katholiken
Aschaffenburg, den 23. April 2016

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Eine Antwort auf Resolution 3 des Forums Deutscher Katholiken vom Kongress „Freude am Glauben“ 2016 in Aschaffenburg

  1. Michael Rieger sagt:

    Die Resolution 3 formuliert einen sehr wichtigen Punkt: die Zukunft des (katholischen) Christentums in Europa hängt wesentlich vom eigenen Engagement der Gläubigen ab. Wäre es dann nicht aber folgerichtig, wenn das Forum Deutscher Katholiken auch eine Struktur entwickelt bzw. anbietet, um das zentrale Anliegen – „Ein wichtiger Weg dorthin ist die eigene Weiterbildung und Glaubensvertiefung“ – auch ganz praktisch umzusetzen oder doch zumindest zu erleichtern? Die „eigene Weiterbildung“ muss man sich ja nicht automatisch nur als private Lektüre hinter verschlossenen Türen vorstellen. Gerade hier wäre es doch entscheidend, die Weiterbildung in der Gemeinschaft, im gemeinsamen Dialog zu vollziehen und so bereits eine ausstrahlende Wirkung zu entfalten. Eine solche praktische Realisierung könnte (idealerweise) in Absprache mit den Gemeinden oder (wenn es nicht anders geht) auch unabhängig von den bestehenden Strukturen erfolgen. Vielleicht lassen sich so, ausgehend von der Resolution, entsprechende lokale Zusammenhänge bilden und damit neue Impulse geben?

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