Erstaunliches in der Kölner Kirchenzeitung

Bislang war und ist die Kölner Kirchenzeitung unter den Kirchenzeitungen der einzelnen Bistümer eine rühmliche Ausnahme. Prälat Läufer war der Garant dafür, dass die Zeitung den Namen „Kirchenzeitung“ wirklich verdiente und nicht den Namen „Kirchenkritische Zeitung“.
Nun hat die Kirchenzeitung seit gut einem Jahr einen neuen Chefredakteur, Robert Boecker, der aus ihrem Redaktionsteam hervorging. Sollte sich jetzt der Stil und der Inhalt ändern? Für Irritierung sorgt ein Kommentar ihres Chefredakteurs Boecker „Das falsche Zeichen?“ ausgerechnet heute am Gründonnerstag, an dem die Kirche in die feierlichen Tage vom Leiden, Sterben und Auferstehen ihres göttlichen Heilands eintritt und an dem sie die Einsetzung des Sakramentes der Liebe und Hingabe ihres Erlösers feiert.
Schon der erste Satz irritiert: „Stürme der Entrüstung fegten regelmäßig durch die rechts-katholischen Internetportale, wenn irgendwo und irgendwer auch nur eine leise Kritik an Papst Benedikt XVI. äusserte.“
Wer, bitte schön, sind die rechts-katholischen Internetportale? Boecker erweckt den Eindruck, dass es sich um viele handelt. Er ist freundlich aber sehr entschieden aufgefordert, hier Ross und Reiter zu nennen und nicht alle Portale, die nicht dem linksliberalen, kirchenkritischen und papstkritischen Trend der säkularen Presse japsend nachlaufen, ohne sie jemals einzuholen, zu diskreditieren. Er fährt fort: „Umso mehr erschreckt es, wie auf einmal die unzerbrechliche Allianz mit dem Nachfolger Petri Risse zu bekommen scheint. Papst Franziskus ist noch keine zwei Wochen im Amt, da eröffnen rechts-katholische Heckenschützen unter der jubelnden Zustimmung ebenfalls Verblendeter bereits das publizistische Feuer auf den Papst aus Argentinien.“
Auch hier ist Herr Boecker aufgefordert, Ross und Reiter zu nennen und keine diffusen Beschuldigungen vorzutragen und damit den gläubigen Kirchenzeitungsleser über Köln hinaus zu verwirren und ihn (sie) glauben zu machen, alle katholische Publzistik, die nicht dem linken Meinungstrend nachläuft, sei suspekt. Der Philosoph Voltaire, der wahrhaftig nicht zu den heiligen Autoren zählt, hatte eine kluge Angewohnheit. Er begann ein Gespräch mit der Aufforderung: „Nennen sie mir Ihre Definitionen, sonst können wir uns nicht verständigen.“
Herr Boecker ist dringend aufgefordert zu erklären, was seine Definition von „rechts-katholisch“ ist; denn sonst muß er missverstanden werden und trägt gerade am Gründonnerstag zur weiteren Vergiftung der innerkirchlichen Atmosphäre bei. Er nennt die Beschimpften „Rückwärtsgewandte“. Das reicht aber nicht als Definition ausgerechnet des Kölner Kirchenzeitungschefs aus, weil so von den dissidenten Theologen und linken Publizisten in der Kirche alle beschimpft werden, die nicht ihren gebetsmühlenartig wiederholten Forderungskatalog und ihr Memorandum unterschreiben.
„So manch katholischer Journalist weiß ein Lied davon zu singen, was es heißt, ins Visier der ach so frommen Katholiken zu geraten, die auf diesen so genannten katholischen Internetseiten unter dem Deckmantel von Aliasnamen regelrechte Hassstiraden losließen“, sagt Robert Boecker. Wenn er den Kommentarbereich von Zeitungen und Portalen im Internet meint, dann ist dazu zu sagen, dass die immer problematisch sind und die Frage der Zensur schwierig ist. Das gilt für alle kirchlichen und säkularen Medien, gleichgültig, wo sie stehen.
Oder sollte er hiermit die wohlbegründete jüngere Kritik an den Kollegen Ring-Eifel und Deckers (FAZ) meinen?
Auch hier sollte Herr Boecker sich vom Nebulösen schnell ins Klare begeben. Wir stehen vor den heiligsten Tagen unseres Glaubens und es ist höchste Zeit, dass unter den katholischen Publizisten eine Brücke gebaut wird, wie Ludwig Ring-Eifel gefordert hat. Nur dann muß man sich auch daran halten! Nicht wahr? Und diese Brücke muß so sein, wie sie Papst Benedikt und Papst Franziskus wollten und wollen. Sie muß begehbar für alle sein, weil sie ein Teil des Weges der Kirche ist. Dieser Weg wird vom Papst und den mit ihm verbundenen Bischöfen und damit von den Konzilen vorgeschrieben. Diesem Weg ist die Kölner Kirchenzeitung stets treu gefolgt und wird es hoffentlich auch in Zukunft tun.

Michael Schneider-Flagmeyer

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2 Antworten auf Erstaunliches in der Kölner Kirchenzeitung

  1. quer sagt:

    “Rückwärtsgewandte“
    ….sind im Neusprech des Zeitgeistes jene Katholiken, welche in Übereinstimmung mit der Lehre die unauflösliche Ehe als eines der Sakramente ansehen. Jene, welche dieses Sakrament nicht durch lauwarme „Barmherzigkeit“ aufgeweicht sehen wollen.
    Jene auch, die Abtreibung als Mord und Todsünde begreifen und dem unbedingten Schutz des Lebens Vorrang einräumen. Nicht zuletzt jene, welche die tridentinische Messe anderen Liturgieformen mit mißlichen Begleiterscheinungen vorziehen.

    Mit „Rückwärtsgewandten“ meint er also auch mich. Kein Zweifel.

    • Eduard Werner sagt:

      Der neue Ton in der Kölner Kirchenzeitung ist ein Misston. Ich stimme dem Artikel hier voll zu. Wenn man anschuldigt, muß man Ross und Reiter nennen, weil bei einer solchen Pauschalierung Unschuldige in ein schlechtes Licht kommen. Es gibt eine Minderheit an Portalen, auf denen die Kommentare mehrheitlich so sind, wie in der Kölner Kirchenzeitung beschrieben. Aber diese Portale sind auch in ihrer Leitung und in ihrem Inhalt dem Lehramt und dem Heiligen Vater gegenüber alles andere als gut katholisch, sondern gehören zu denen, die selbst enscheiden wollen, was katholisch ist, wie das auch viele linke und liberale (Kirchen)-Medien tun. Katholisch aber ist, dem Lehramt und dem Nachfolger Petri zu folgen. Also bitte, liebe Kölner Kirchenzeitung, drückt Euch nicht „nebulös“ sondern klar und präzise aus und benennt solche Portale.

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