Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Kardinal Graf Konrad von Preysing

In Zeiten der Verfolgung beruft Gott besonders herausragende Führungsgestalten für seine Kirche. Kardinal Graf Konrad von Preysing hat diesen Ruf angenommen und in der Zeit des Nationalsozialismus entschlossen für Recht und Gerechtigkeit gekämpft.
Kardinal von Preysing, Jahrgang 1880, entstammt einem alten bayerischen Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Jurisprudenz arbeitete er zunächst als Attache`an der bayerischen Gesandtschaft in Rom. Erst ab 1908 studierte er Theologie und 1912 wurde er zum Priester geweiht. Da Graf von Preysing über Verwaltungspraxis, über Auslandserfahrung und über Fremdsprachenkenntnisse verfügte, wurde er rasch Sekretär von Kardinal Bettinger in München. Dort befand er sich in einer Schaltzentrale mit Kontakten in Deutschland und im Ausland. Dazu gehörte ab 1917 auch der Nuntius Eugenio Pacelli. Diese Verbindung trug wohl dazu bei, dass Graf von Preysing 1932 Bischof von Eichstätt und schon 1935 Bischof von Berlin wurde. Papst Pius XI. hatte schon am 25. März 1928 die nationalsozialistische Rassenideologie scharf verurteilt und am 07.Februar 1934 das ideologische Hauptbuch der Nationalsozialisten „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher gesetzt. Die Kenntnis über den Nationalsozialismus konnte der Papst nur von seinem Nuntius Pacelli haben. Schon in Eichstätt und später in Berlin trat auch Bischof von Preysing klar für eine Abgrenzung gegenüber dem NS-System ein. 1936 hat das NS-Regime die Kirchenpresse eingeschränkt. Die ersten Priester waren bereits im KZ Borger Moor inhaftiert. Wie sollten sich nun die Bischöfe verhalten? Die deutsche Bischofskonferenz war gespalten.
Während der Breslauer Kardinal Bertram mit hilflosen Bittbriefen Hitler vergeblich zu einem Entgegenkommen zu gewinnen suchte, entschied sich Bischof Preysing für eine klare Protesthaltung. Er sagte intern: „Was sollen wir mit Hitler Friedensverhandlungen führen, wenn der uns nicht einmal einen Waffenstillstand gewährt?“ Nach Kriegsbeginn 1939 erwarteten viele, dass der Bischof von Berlin die Teilnahme am Krieg den Katholiken als patriotische Pflicht verkünden würde. Aber Bischof von Preysing tat das nicht. Er erwähnte in seinem Hirtenbrief den Krieg nicht einmal, sondern erläuterte das christlichen Menschenbild und die Rechte des Einzelnen. Der Bischof ließ sich auch unter Kriegsbedingungen nicht vom Staat vereinnahmen. Bei jeder Gelegenheit erklärte er: „Wer immer Menschenantlitz trägt, besitzt unveräußerliche Rechte.“ Dagegen fürchtete der ängstliche Kardinal Bertram, dass die Gesprächsfähigkeit zwischen den Bischöfen und der Reichsregierung verloren gehen könnte. Als die Judenverfolgung immer offensichtlicher wurde, errichtete von Preysing eine Hilfsstelle für Verfolgte und beauftragte Domprobst Lichtenberg und Frau Dr. Margarete Sommer mit der Leitung. Sie vermittelten zunächst Auswanderungsmöglichkeiten für Juden und später organisierten sie Verstecke für untergetauchte Juden. Für einen einzelnen Juden brauchte es mindestens 15 bis 20 heimliche Helfer, um wechselnde Verstecke und Lebensmittelkarten zu sammeln. Als Domprobst Lichtenberg verhaftet wurde, leitete der Bischof die Hilfsstelle selbst, um andere nicht zu gefährden. Den Papst informierte er ständig durch Geheimboten über die Entwicklung in Deutschland. Nach dem Krieg galt auch im ostzonalen kommunistischen System seine Sorge dem Schutz der Priester. Deshalb übernahm er persönlich die Verantwortung für alle gefährlichen Tätigkeiten seiner Priester. Eine Anpassung an den Ungeist der Zeit kam für Bischof von Preysing niemals in Frage.

Eduard Werner

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