Wie ist Gott – Gedanken zu den Eigenschaften Gottes.

Die Allmacht Gottes ist seine Fähigkeit, alles zu machen, was er will, insofern es seinem Wesen nicht widerspricht. Damit ist ausgeschlossen, dass Gott Widersprüchliches tut, Geschehenes ungeschehen macht, sündigt, etwas gegen sein Wesen oder seine Eigenschaften vollbringt oder seine Ratschlüsse und Werke rückgängig macht. Das Wort allmächtig wird über siebzig Mal in der Hl. Schrift erwähnt und weist auch auf den Gottesnamen ‚der Gewaltige‘ hin. „Ich habe erkannt, dass Du alles vermagst; kein Vorhaben ist dir verwehrt“ (Ijob 42,2). „Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich“ (Mt 19,26). Die Macht Gottes ist nach den Worten Jesu unbeschränkt: „Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen“ (Mt 3,9).

Für die göttliche Allwissenheit finden wir viele Stellen in der Hl. Schrift: „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27). „Vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt offen und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden“ (Hebr 4,13). Die göttliche Kenntnis der menschlichen Herzen bezeugt Psalm 7,10: „Gerechter Gott, der du uns auf Herz und Nieren prüfst“; 1 Könige 8,39: „Du allein kennst die Herzen aller Menschen“ sowie Apg 15,8: „Gott, der die Herzen kennt“.

Alles göttliche Wollen findet sein Ziel in seiner Liebe. Gott ist das liebenswerteste Gut und die Liebe ist mit seinem Wesen real identisch. Gott liebt alles, was er gemacht hat (Weish 11,25). Die Freiheit des göttlichen Willens bezüglich seiner Geschöpfe auch in der Gnadenordnung bezeugen folgende Schriftstellen „Alles, was dem Herrn gefällt, vollbringt er, im Himmel, auf der Erde, in den Meeren, in allen Tiefen“ (Ps 134,6). „Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will“ (1 Kor 12,11). Damit ist aber keine Willkür verbunden, da Gott die Liebe ist und er seine Schöpfung liebt.

Die Hl. Schrift bekennt auch den wahren Gott (Jer 10,10; Joh 17,3). Die Lüge geht nicht auf Gott zurück, dessen Wege alle wahr sind. Gott ist die höchste Wahrheit. Gott kann nicht lügen wie die Menschen, da es Sünde und unvollkommen ist (Num 23,19; Röm 3,4). Die Treue Gottes drückt Psalm 145,3 aus: „Der Herr ist treu in all seinen Worten, voll Huld in all seinen Taten“. Der heilige Apostel Paulus schreibt im zweiten Timo¬theusbrief: „Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich nicht selbst verleugnen“ (2 Tim 2,13). Gottes Treue und Wahrhaftigkeit veranlassen Ihn, den Menschen die nötigen Gnaden in Fülle zu schenken, damit diese ihr Ziel – die Teilhabe am ewigen göttlichen Leben – erreichen können.

Auch die Gerechtigkeit Gottes ist uns in der Hl. Schrift geoffenbart: „Herr, du bist gerecht und deine Entscheide sind richtig“ (Ps 118,137). „Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten“ (2 Tim 4,8). „Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt, sammelst du Zorn gegen dich für den ‚Tag des Zornes’, den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht“ (Röm 2,5). Hier können wir sehen, dass die Gerechtigkeit Gottes in der Hl. Schrift angesprochen wird, wenn von seinem „Zorn“ die Rede ist. Gott kennt keinen Zorn, sondern nur die Gerechtigkeit, da er die Vollkommenheit selbst ist. Gott kommt nicht in der Hitze des Zornes (Hos 11,8f), er ist gütig, gnädig und verzeiht seinem Volk (Ps 86,5; Jes 5,7; Mi 7,18). Vergessen wir dabei auch nicht das göttliche Begnadigungsrecht zu erwähnen, das einen wunderbarer Übergang zur göttlichen Barmherzigkeit darstellt. Die göttliche Barmherzigkeit lässt sich als der Wille zur Linderung fremder Not beschreiben. In der Barmherzigkeit Gottes kulminieren Großmut, Gnade, Menschenfreundlichkeit (Tit 3,4), Nachsicht den Sündern gegenüber, Milde, Geduld und Langmut: „Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte“ (Ps 103,8). „Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zu Grunde geht, sondern dass alle sich bekehren“ (2 Petr 3,9). Die scheinbare Gegensätzlichkeit zwischen der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit Gottes vereinigen sich in seiner heiligen Liebe sowie der milden Bestrafung der Sünder und der reichen Ausgießung seiner Barmherzigkeit über die Gerechten: „Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich“ (Ps 84,11). „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zu Grunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16).

Die Liebe des dreifaltigen Gottes ist seine Zentraleigenschaft. Gott hat nicht nur Liebe, er ist die Liebe selbst und lässt uns schon auf Erden in den Sakramenten an dieser Liebe teilhaben, da wir in der Taufe seine geliebten Kinder geworden sind. In der Ewigkeit bei Ihm werden wir immer tiefer in die dreifaltige göttliche Liebe hineingenommen, wofür wir Ihn nicht genug loben und preisen dürfen: „Ich bete Dich an, o mein Gott, denn Du bist die Allmacht der Liebe und ich preise Deine barmherzige Güte. Amen.“

P. Andreas Hirsch FSSP

Bild (c) : Die Bibel in den Werken alter Meister. Artus-Verlag. Chramcraft Yorkshire S.192

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