Von der Trauer zur Freude – Familie Solitude Myriam (FSM)

„Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe – Spruch des Herrn –, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“ (Jer 29,11)
In diesen Worten des Propheten Jeremia sieht die von der Kanadierin Danielle Bourgeois im Jahr 1981 gegründete Gemeinschaft Familie Solitude Myriam (FSM) ihren Dienst zum Ausdruck gebracht, Antwort auf jene Nöte in unserer Gesellschaft zu geben, die durch die zunehmende Zahl von Trennungen und Scheidungen entsteht.
Als eine katholische Gemeinschaft sehen wir unseren Ruf darin, die Treue zu unseren getrennten, geschiedenen und ggf. auch zivilrechtlich wiederverheirateten Ehepartnern zu halten und zu einer solchen Treue zu ermutigen. Nicht eine Treue aus einer legalistischen Hartherzigkeit oder Verbitterung heraus, sondern einer, die sich des inneren Friedens einer Geborgenheit in der Liebe Christi verdankt.
Entstehung:
1981 verspürte Danielle Bourgeois in sich den Ruf, Personen, die von einer Trennung oder Scheidung betroffen waren, in ihrem Haus zu versammeln. Sie war 24 Jahre, als ihre Ehe geschieden wurde, und hatte einen Sohn. Sie ging später eine neue Beziehung ein, da sie sich kein Leben ohne Partner vorstellen konnte, heiratete aber nicht.
Nach einer tiefen Bekehrung ordnete sie ihr Leben und stellte sich Jesus ganz zur Verfügung.
Viele Menschen kamen zu ihr und suchten Trost und Hilfe. Die Leiden dieser Menschen berührten sie so sehr, dass sie in ihrer Ohnmacht Gott um Hilfe bat. Im Traum hörte sie dann die Stimme von Jesus mit folgenden Worten:
„Danielle, schau wie verletzt sie sind, es sind meine Schafe, und ich liebe sie. Beeile dich, sie bei dir zu versammeln; denn die Wölfe sind im Begriff, sie zu verschlingen. Ich werde ihre Herzen von der Traurigkeit befreien und ihnen die Freude wiedergeben. Durch deinen Dienst werden sie nicht länger Geschiedene sein, sondern Geweihte, weil ich sie für mein Reich brauche. Dein Haus wird Solitude Myriam heißen. Es werden zu dir auch Priester kommen, die bei dir die Freude für ihr Zölibat und die Kraft für ihre Einsamkeit schöpfen werden.“
Gott hat sich also – wie immer in schwierigen Zeiten – der Not seines Volkes angenommen und eine Gemeinschaft ins Leben gerufen, um den Familien in Trennung und Scheidung nahe zu sein und um ihre verletzten Herzen zu heilen. Danielle bekam so von Christus einen Auftrag, den sie dann dem Bischof der Diözese, Msgr. Charles Valois, unterbreitete. Dieser stellte sofort fest, dass der Hl. Geist hier für die schwierige Problematik von Trennung und Scheidung in der Kirche eine Lösung anbot und beauftragte Danielle Bourgeois, die Familie Solitude Myriam (FSM) zu gründen.
Danielle antwortete einmal, als sie gefragt wurde: „Ich habe nie daran gedacht, eine Gemeinschaft zu gründen. Es ist wirklich kein menschliches, sondern ein Werk Gottes.“
Bereits am 17. Dez. 1982 haben dann 19 geschiedene und getrennt lebende Personen versprochen, nach der Regel von der FSM zu leben.
Am 21. Januar 1997 hat der Bischof die Statuten der Gemeinschaft anerkannt und diese zu einer privaten Vereinigung von Gläubigen erklärt.
Die Gemeinschaft breitete sich rasch aus. Es gibt sie in den Ländern: Kanada, Frankreich, Schweiz, USA, Argentinien, Mexiko, Brasilien, Deutschland, Österreich, Slowakei u.a.
Solitude Myriam bietet den Menschen einen Weg der inneren Heilung an, der über vier Etappen geht und durch Gebet, die Sakramente, das Wort Gottes und den Austausch untereinander begleitet ist.

Der Heilungsweg von der Trauer zur Freude
Annahme
Zuerst versuchen wir uns der neuen Situation zu stellen, sie zu klären und sie in der Hingabe an den Willen Gottes anzunehmen. Das ist nicht leicht und Bedarf der Hilfe und Begleitung.
„Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Lk 22,42
Vergebung
Mit der Gnade Gottes versuchen wir zu erkennen, wo wir am anderen gesündigt, Schuld auf uns geladen und zur Trennung beigetragen haben. Mit seiner Hilfe lernen wir, uns selbst und täglich aufs Neue auch unserem Ehepartner zu vergeben.
„Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal sollst du vergeben.“ Mt 18,22
Versöhnung
In diesem Schritt wollen wir der Person die uns verletzt hat, wieder einen Platz im Herzen geben und offen bleiben für Versöhnungsschritte.
„Und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Mk 10,8-9
Weihe
Wir wollen unserem Leben einen neuen Sinn geben, weihen uns Christus zum Heil für unsere Familien, überlassen uns Gott und „ER“ schenkt uns eine neue Identität und Würde.
„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt.“ Joh 15,13
Die Familie Solitude Myriam hat ihre Türen auch Ehepaaren mit Konflikten geöffnet, um so der Scheidung vorzubeugen. Durch eine tiefe Bekehrung zu Christus können sich Paare in Schwierigkeiten wieder dem Dialog öffnen, einander verzeihen, was zur Aussöhnung und einer dauerhaften stabilen Beziehung führt.
Auch Paaren, die in einer nicht sakra­mentalen Ehe leben, ist FSM offen. Sie werden mit großem Respekt aufgenommen und angehört. Danach wird versucht, ihnen die Lehre der Kirche zu vermitteln. Durch Gebet und Austausch können sie sich dann langsam dem Worte Gottes und der Lehre der Kirche öffnen und fühlen sich nicht mehr von der Kirche ausgegrenzt, sondern angenommen. Was sie früher ablehnten,  wird durch die Liebe Christi und seiner Kirche für sie realisierbar und lebbar (Familiaris Consortio). Denn: Für Christus ist nichts unmöglich.
Zur Gemeinschaft gehören interne oder externe Mitglieder. Interne Mitglieder leben in einer Hausgemeinschaft, wohingegen externe Mitglieder weiterhin „in der Welt leben“. Alle aber bemühen sich im Geist der Hingabe an die göttliche Vorsehung, in Freude und täglicher Nächstenliebe zu leben. Geschwisterliche Beziehungen sind ein hohes und zu pflegendes Gut. Denn durch eine Familie sind wir verletzt worden und durch unsere neue spirituelle Familie heilt Christus unsere tiefen Wunden wieder. Die externen Mitglieder treffen sich einmal pro Monat während einem Wochenende, um gemeinsam zu beten, sich weiterzubilden und mitein­ander auszutauschen und Freude zu erleben.
Indem die Familie Solitude Myriam das Ehesakrament als eine Quelle von Gnaden zum Heil der Familie sieht und so den Bund mit Christus in radikaler Weise lebt, bezeugt sie der Welt, dass die Ehe ein Weg zur  Heiligkeit ist. Sie ist ein Leuchtturm mit prophetischer Bedeutung in der katholischen Kirche. Wer ihn sieht, kann sich ihm nähern und findet Heilung, Freude und einen neuen Lebenssinn.

Waltraut Sennewald/Emma Schumacher

Kontaktmöglichkeiten:
In Deutschland: Waltraut Sennewald
waltraut.sennewald@t-online.de; Tel.: 0049 (0) 7529 / 913883
In der Schweiz: Emma Schumacher
emma.schumacher.ch@gmail.com; Tel. 0041(0)26 4021435

Foto (c) . W.Sennewald

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Eine Antwort auf Von der Trauer zur Freude – Familie Solitude Myriam (FSM)

  1. Markus sagt:

    Naja unsere Kinder müssen den Spagat zwischen Religion und Realität schon leisten, wie wäre es denn, wenn wir mehr an die Vernunft unserer Jugend appellieren und die Religion nicht als vollkommene Instanz in unseren Köpfen regieren lassen.

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