Fangen wir wieder von Neuem an!

Liebe Leser, der diesjährige Kongress „Freude am Glauben“ hat das Motto „Was gibt dem Menschen Hoffnung für die Zukunft?“. Denn Verunsicherung, Zukunftsangst und Freudlosigkeit treffen wir häufiger an als ruhige Gelassenheit und feste Überzeugung, die anstehenden Probleme zu lösen.
Was gibt dem Menschen neue Hoffnung? Diejenigen, die sich wie der barmherzige Vater im Gleichnis, das uns Jesus erzählt, verhalten. Der Sohn, dem bewusst war, dass er ein zügelloses Leben geführt und sein ganzes Erbteil verschleudert hatte, machte sich, als er am Ende war, auf den Weg zum Vater. Er war sich sicher, der Vater würde ihn wieder aufnehmen, vielleicht als Knecht auf dem letzten Platz. Aber es kam ganz anders. Der Vater erwartete ihn, sah ihn schon von weitem kommen. Während die Schritte des Sohnes beim Anblick der Heimat langsamer wurden, wurden die des Vaters schneller. Er lief ihm entgegen und umarmte ihn. Vor allem gab der Vater dem Sohn die Würde zurück und damit die Hoffnung, seine Aufgaben in Zukunft besser zu lösen.
Menschen sind im tiefsten verunsichert. Sie befürchten, dass sie in Unglück, Krankheit oder Alter keinen Menschen finden, der sich so verhält, wie der barmherzige Vater. Der Vater, von dem Jesus spricht, ist Gott, den viele nicht mehr kennen. Wer Gott verloren hat, ist ärmer dran als der Sohn, der in die Ferne ging, aber die Erinnerung an den Vater bewahrt hatte.
Papst Benedikt sagte in einem Interview: „Für mich ist es ein Zeichen der Zeit, dass die Idee der Barmherzigkeit Gottes immer zentraler und dominierender wird“ (Tagespost, 17.03.16). Papst Franziskus hat mit dem „Jahr der Barmherzigkeit“ diese Aufgabe der Kirche aufgegriffen. Damit sie wirksam werden kann, muss sich der Mensch Gott wieder öffnen. Es ist keine Frage, dass wir diese Barmherzigkeit in unserer Gesellschaft, in der Politik, in den Familien und auch in der Kirche nötig haben. Überall finden wir Ausgrenzung, Abqualifizierung und Dialogverweigerung. Papst Franziskus formuliert manchmal erfrischend klar. Als er einmal zu jungen Ehepaaren sprach, forderte er sie auf, an jedem Abend zum Frieden zurückzufinden, selbst wenn während des Tages einmal die Fetzen flogen, wortwörtlich: die Teller flogen. Franziskus sagte nicht, man müsse warten bis evtl. die Zeit dafür reif wäre oder man sollte noch einige Tage warten. Nein! Noch am gleichen Tag sollte das geschehen. Das ausgesprochene Wort: „Fangen wir wieder von Neuem an!“, das noch am Abend ausgesprochen wurde, hat vermutlich manche Ehe gerettet, während vielleicht ein Abwarten zum endgültigen Bruch geführt hat.
Das Jahr der Barmherzigkeit ist gewiss auch innerhalb der Kirche aktuell, sonst hätte es Papst Franziskus nicht ausrufen müssen. Dabei können wir durchaus auch von der säkularen Welt etwas lernen. Spontan kommt mir da in den Sinn: Der FC-Bayern München zeigt sich seinem früheren Präsidenten gegenüber viel barmherziger als manche Katholiken gegenüber einem Bischof. Nun geht es hier nicht darum auf- oder abzurechnen, vielmehr sollten wir uns an die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit erinnern und sie praktizieren, wie der Vater im Evangelium. Das wird uns dann wirklich weiterhelfen!

Mit den besten Wünschen
aus Kaufering
Ihr Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Maiheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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