Laienverantwortung

Das „Konradsblatt“ (11/2016), die Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg bringt zwei Beiträge zur „Frauenpredigt“. Der Anstoß dazu kam durch einen Artikel im „L’Osservatore Romano“, der als „halbamtliches Blatt des Papstes“ bezeichnet wird. Der Beitrag „Laienverantwortung“ greift die Aussage eines L’Osservatore Romano-Artikels auf, wonach „das Bewusstsein dafür gewachsen sei, dass die Verkündigung des Evangeliums eine Verantwortung ist, die alle einbeziehe“. Das ist nicht neu. Auf diese Verantwortung weist auch das Zweite Vatikanische Konzil an mehreren Stellen hin. Diese Aufgabe gab es schon immer für Eltern, Religionslehrer und übrige Laienchristen. Der gleiche Beitrag weist auf das Kirchenrecht von 1983 hin, das eine Predigt von Laien zulässt, jedoch nicht in der heiligen Messe (Homilie). In der „Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester“ vom 15. August 1997 wird das näher begründet:
„Daher muss die Homilie während der Eucharistiefeier dem geistlichen Amtsträger, Priester oder Diakon vorbehalten sein. Ausgeschlossen sind Laien, auch wenn sie in irgendwelchen Gemeinschaften oder Vereinigungen Aufgaben als ‚Pastoralassistenten‘ oder Katecheten erfüllen. Es geht nämlich nicht um eine evtl. bessere Gabe der Darstellung oder ein größeres theologisches Wissen, sondern vielmehr um eine demjenigen vorbehaltene Aufgabe, der mit dem Weihesakrament ausgestattet wurde“ (Artikel 3, § 1, S. 21). Der Papst hat diese Instruktion am 13. August 1997 approbiert und deren Promulgation (Verkündigung) angeordnet. Die Instruktion ist von den Präfekten und Sekretären von sechs Kongregationen und zwei päpstlichen Räten unterzeichnet und hat damit große Bedeutung und Gewicht.
Der zweite Artikel im Konradsblatt (Frauen „die gleiche Stimme geben“) nimmt ebenfalls Bezug auf die Sonderbeilage des L’Osservatore Romano, in der die Predigt von Frauen im katholischen Gottesdienst thematisiert wird. In dieser Sonderbeilage wird die Meinung vertreten „Laien auf der Kanzel wären ein ‚entscheidender Schritt‘ zu mehr Teilhabe von Frauen“. Begründet wird die Predigt von Frauen damit, dass sie „andere Akzente“ zu Gehör bringen. Natürlich müsse alles geordnet zugehen. „Wer predigt, müsse entsprechend begabt, geschult und vom Bischof beauftragt sein.“ In der o.a. Instruktion wird dargelegt, was entscheidend für die Predigt in der heiligen Messe ist, nämlich das „Weihesakrament“.
Vom Patron der Priester, dem Pfarrer von Ars, wissen wir, dass er sich gründlich auf die Predigt in der Messe vorbereitet hat, aber kein guter Prediger war. Trotzdem hat er eine verkommene Gemeinde bekehrt und wurde zum gefragten Berater, selbst für Bischöfe.
Die Vorkämpfer für die Frauenpredigt in der Messe im L’Osservatore Romano-Artikel sind der Theologe und Ordensgründer Enzo Bianci, die schwedische Dominikanerin Madeleine Fredell und die französische Ordensfrau Catherine Anhing. Letztere beruft sich auf „Jesu Eintreten für Frauen in einer Zeit des rigorosen Patriarchats“. Sie vergisst aber, dass Jesus am Gründonnerstag die Eucharistiefeier mit den Worten „Tut dies zu meinem Andenken“ nur mit seinen zwölf Jüngern, nicht aber mit den Frauen, gefeiert hat. Und auch die erwähnten predigenden Frauen in der Messe in der Schweiz und sonst wo, stehen im Ungehorsam und liefern keine Begründung für die Frauenpredigt in der heiligen Messe. Im Hintergrund solcher Bemühungen steht auch das Bestreben evtl. über den Umweg der Predigt zum Frauenpriestertum zu kommen.
Papst Johannes Paul II. hat am 22. Mai 1994 die Lehre der Kirche zu dieser Angelegenheit mit dem Satz bekräftigt: „Dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden und dass sich alle Gläubigen der Kirche an diese Entscheidungen zu halten haben“. (Apostolisches Schreiben über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe)

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Laienverantwortung

  1. K.G. Gaßmann sagt:

    Herzlichen Dank für diese Zusammenfassung der kirchlichen Lehre zu diesem Thema. Sie ist eindeutig und unmissverständlich. Die Forderung des Weihesakramentes für Frauen hat andere, nicht lehramtsmäßige Gründe: Implementierung von Ideologien in die Kirche (Feminismus), Anbiederung an den Zeitgeist und Erheischung von Aufmerksamkeit und Publicity, aber nicht zuletzt geht es um Eitelkeit (Superbia), Wichtigkeit, Macht und Profilierungssucht. Dies ist aus vielen Gottesdiensten ja leidlich bekannt.

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