Roman Scholz – „Man hasst mich, weil ich Priester bin.“

Papst Pius XI. hat am 25.03.1928 die nationalsozialistische Rassenlehre scharf verurteilt.  Die Bischöfe Deutschlands haben 1932 erklärt, dass Katholiken weder NSDAP wählen noch Mitglied der Nazi-Partei werden dürfen. In den zwölf Jahren der  Hitlerregierung wurden europaweit viertausend katholische Priester umgebracht. Und trotzdem behaupten heute manche Massenmedien, die katholische Kirche hätte die Nationalsozialisten unterstützt. Eine solche Verfälschung von Tatsachen bringen normalerweise  Menschen nicht fertig.
Roman Scholz ist einer dieser 4000 katholischen Priester, die unter Hitler ermordet wurden. Er war Sudetendeutscher und stammte aus Mährisch-Schönberg, wo er am 16. Januar 1912 geboren wurde. Nach dem Abitur 1930 trat er in das Augustiner-Chorherren-Stift in Klosterneuburg bei Wien ein. Als Gymnasiast gehörte er zum Jugendverband Staffelstein, der zur katholischen Erneuerungsbewegung gehörte. Damals glaubte er noch, dass auch die NSDAP eine Erneuerungsbewegung sei. Aber auf einer Deutschlandreise 1936 erfuhr er, dass der angeblich so deutschfreundliche Hitler gerade viele Deutsche in Konzentrationslager sperren ließ. Dieser Politiker war also  in Wirklichkeit gar nicht deutschfreundlich, sondern nur ideologieversessen und brutal. Roman Scholz wurde schlagartig ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus.  Er empfing in Klosterneuburg die Priesterweihe und gab seinen ersten Gedichtband „Feine ferne Dinge“ heraus, der in Fachkreisen Anerkennung fand. Als Religionslehrer am Stiftsgymnasium und Philosophieprofessor an der Stiftshochschule kritisierte er das Buch „Mythus des 20. Jahrhunderts“. Dieses Buch von Alfred Rosenberg bildete die ideologische Grundlage des Nationalsozialismus. Schon bald nach dem 1938 erzwungenen Anschluss Österreichs an Deutschland gründete Roman Scholz eine Widerstandsgruppe für ein freies Österreich und für eine freie Kirche.  Zu den  US-amerikanischen Konsulaten in Budapest und Bratislava nahm er Kontakt auf. Was so idealistisch begonnen hatte, flog 1940 durch einen eingeschleusten Spitzel auf. Roman Scholz wurde verhaftet. Im Gefängnis schrieb er das Gedicht „Gebet im Kerker“. Fast drei Jahre lang durchlebte er eine durch Entbehrungen, durch Folter, aber zwischendurch auch von Hoffnungen geprägte lange Haft. Das Todesurteil legte ihm zur Last, dass er „eine verbotene Freiheitsbewegung gegründet habe“. Am 10. Mai 1944 wurde er  durch das Fallbeil hingerichtet. Sein Leichnam wurde ein Jahr später im Anatomischen Institut in Wien gefunden und in Klosterneuburg beerdigt.
Wer das Leben dieses Priesters betrachtet, kann sehen, dass es auch in dieser düsteren Zeit klarsichtige und darüber hinaus mutige Menschen gab, die vor dem Anblick der Ewigkeit bestehen können. Wir  sollten die Erinnerung an sie pflegen.

Eduard  Werner

Foto: Rudolf Grulich: „Sudetendeutsche Katholiken als Opfer des Nationalsozialismus“

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2 Antworten auf Roman Scholz – „Man hasst mich, weil ich Priester bin.“

  1. Eduard Werner sagt:

    Meines Wissens läuft noch kein Seligsprechungsprozess. Die Zahl der nicht kanonisierten Seligen und Heiligen wird immer sehr viel größer sein als die Zahl der offiziell kanonisierten. Sie sind aber alle in der Allwissenheit Gottes aufgeshoben. Das ist ein bleibender Trost.

  2. thesaurus sagt:

    Bisher war mir Roman Scholz unbekannt. Läuft schon ein Seligsprechungsprozess?

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