Die Anbetung Gottes im Allerheiligsten Altarsakrament

Mose zieht auf Gottes Befehl seine Schuhe aus und verhüllt sein Angesicht während der Gotteserscheinung im brennenden Dornbusch, der doch nicht verbrennt (Ex 3,2-6.). Auch der Prophet Elija verhüllt bei seiner Gottesbegegnung am Berg Horeb in der Ehrfurcht vor Gott sein Angesicht und gibt so dem Allmächtigen die Ehre und geschuldete Anbetung (1 Kön 19,13). Das Verhüllen des Angesichtes hat seine Grundlage in der himmlischen Liturgie: „Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Seraphim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße, und mit zwei flogen sie. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt“ (Jes 6,1-3). Neben diesen beiden Ehrfurchtsgesten verlangt Gott das Niederwerfen vor Ihm, da Er dies vor den falschen Göttern verbietet (Ex 20,5).
Jesus bezieht sich bei seinen folgenden Worten auf Deuteronomium 6,13: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“( Lk 4,8). Damit die Christen zu dieser von Jesus geforderten Anbetung im Geist und in der Wahrheit (Joh 4,23) befähigt werden, bedarf es der Bitte um den Heiligen Geist, den die Apostel geschart um Maria im Abendmahlssaal vor der Herabkunft desselben an Pfingsten im gemeinsamen Gebet erflehten (Apg 1,14). Denn der Heilige Geist tritt für die Gläubigen ein (Röm 8,26f), damit sie Gott verherrlichen (Thess 3,1) und ihre Erschwernisse (Jak 5,13) vor Ihn tragen durch Gebet ohne Unterlass (Lk 18,1; 1 Thess 5,17). Bei der Anbetung Gottes überliefert uns das Neue Testament die demütige Haltung des Kniens: „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm“ (Mt 2,11). Die Frauen fielen vor dem auferstandenen Jesus auf ihre Knie (Mt 28,9).
Mithilfe dieser biblischen Informationen lässt sich in Kombination mit dem 1. Hochgebet der heiligen Messe, das die Gegenwart des Auferstandenen in der Eucharistie in dem Textabschnitt nach der Wandlung erwähnt, die Wichtigkeit der knienden Anbetung des Allerheiligsten verdeutlichen.
Mit der Enzyklika Mysterium Fidei (= Geheimnis des Glaubens) bekräftigte Papst Paul VI. am 3.9.1965 die Lehre von der Wesensverwandlung und der wirklichen Gegenwart Jesu Christi mit seiner Gottheit und Menschheit unter den Gestalten von Brot und Wein. Die Anbetungswürdigkeit der heiligen Eucharistie in und außerhalb der heiligen Messe ist damit selbstverständlich. Darauf weist auch der Papst hin, wenn er die sorgfältige Aufbewahrung der konsekrierten Hostien und deren Anbetung verlangt.
Papst Johannes Paul II. schreibt im Jahr 2003 in seiner Enzyklika Ecclesia de Eucharistia (= die Kirche lebt von der Eucharistie), dass Jesus durch das Messopfer seine Verheißung wahr macht, bei den Gläubigen bis zum Ende der Welt zu bleiben. Aus dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Christi geht die Kirche hervor, die immer wieder durch die Eucharistie auferbaut wird, die eben dieses Glaubensgeheimnis gegenwärtig setzt. Deshalb ist die Teilnahme am Messopfer und an der Eucharistischen Anbetung zu pflegen und zu fördern, da sie zur Heiligkeit führt und zu Christus sowie die Liebe zu Ihm stärkt, der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist, solange diese bestehen.
Die wirkliche Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein ist biblisch begründete Lehre der Kirche: „Das ist mein Leib [….]. Das ist mein Blut“ (Mk 14,22-24; vgl. Mt 26,26-28; 1 Kor 11,24f): „Dass der wahre Leib und das wahre Blut in diesem Sakrament seien, lässt sich nicht mit den Sinnen erfassen […], sondern nur durch den Glauben, der sich auf die göttliche Autorität stützt. Deshalb sagt Cyrill zur Schriftstelle ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird’ (Lk 22,19): ‚Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lügt er nicht’“ (KKK 1381). Jesus ist immer unangreifbar, das müssen wir uns an dieser Stelle und an anderen Dingen des Zweifelns immer eingestehen.
Schon in der frühen Kirche wurde die heilige Eucharistie für die Hauskommunion aufbewahrt, was ab dem zweiten Jahrhundert belegt werden kann . Damals wurden dafür würdige Kelche verwendet, da für das Allerheiligste nichts zu kostbar sein darf. Diesem wunderbaren Brauch folgen wir auch noch heute. Schon im Alten Testament gab Gott Mose Anweisungen über eine würdige und kostbare Kleidung der Hohenpriester (Ex 39) sowie über die Wohnstätte der Bundeslade, die unter anderem die Tafeln mit den 10 Geboten barg (Ex 36-38). Der im Auftrag Gottes von König Salomon gebaute Tempel (1 Kön 6) wurde ebenso als Wohnstätte Gottes sehr kostbar gestaltet.
„Die katholische Kirche erweist der heiligen Eucharistie nicht nur während der heiligen Messe, sondern auch außerhalb der Messfeier den Kult der Anbetung, indem sie die konsekrierten Hostien mit größter Sorgfalt aufbewahrt, sie den Gläubigen zur feierlichen Verehrung aussetzt und sie in Prozessionen trägt“ (KKK 1378). Dazu verwenden wir eine kostbare vergoldete Monstranz, in die auch Edelsteine eingearbeitet werden können. Monstranz kommt von dem lateinischen Wort monstrare, das heißt zeigen. Die Monstranz zeigt uns unseren Herrn und Gott Jesus Christus, verborgen unter der Gestalt des Brotes. Das kostbare liturgische Gerät birgt den unendlich erhabenen und vollkommenen Gott: Kommt lasset uns anbeten!
Die Anbetung der Allerheiligsten Eucharistie außerhalb der Heiligen Messe ist immer auf diese hingeordnet. Ohne Anbetung ist nach alter Vätertradition eine würdige heilige Kommunion nicht möglich. Augustinus hält den Empfang der Eucharistie ohne Anbetung sogar für sündhaft .
Papst Johannes Paul II. schreibt: „Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in der Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören“ (Johannes Paul II., Brief „Dominicae cenae“ 3; KKK 1380). Auf Erden können wir diesem Wunsch des Papstes entsprechen, indem wir täglich beten, mindestens jeden Sonntag an der heiligen Messe mit innerlicher Aufmerksamkeit dabei sind, immer wieder den Herrn im Tabernakel besuchen und anbeten sowie an eucharistischen Andachten teilnehmen.

Ich möchte Ihnen noch folgendes schöne Gebet ans Herz legen, was ich schon öfter getan habe:
„Ich bete Dich an, o mein Gott; denn Du bist die Allmacht der Liebe und ich preise Deine barmherzige Güte. Amen.“

P. Andreas Hirsch FSSP:

Foto: (c) Renate Gindert

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