Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Don Bosco

Das Werk des Giovanni Bosco, besser bekannt als Don Bosco, wird von einem Biographen als „Die großartigste kirchliche Schöpfung des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet. Es war ihm nicht in die Wiege gelegt. Als Kind armer Bauersleute, der mit zwei Jahren seinen Vater verlor, hatte Giovanni Bosco einen mühsamen Weg zu seinem Berufsziel, Priester zu werden. Giovanni hatte allerdings mit Mama Margerita eine großartige Mutter, nicht nur hinsichtlich seiner religiösen Erziehung, sondern auch, was den Umgang mit der Zeit betrifft. Ihr Wort „Wer schläft, fängt keine Fische“ und „Alle Stunden, die wir durch überflüssigen Schlaf vergeuden, sind verlorene Stunden für den Himmel“, wurde zu einem Lebensprinzip für Giovanni Bosco. Erst mit 16 Jahren konnte Giovanni eine höhere Schule besuchen. Er arbeitete nebenbei in einem Café, bei einem Schneider, einem Schlosser und einem Schreiner. Diese beruflichen Erfahrungen waren ihm später von großem Nutzen, als er für seine Jugendlichen Werkstätten einrichtete.
1841 wurde Giovanni zum Priester geweiht. In der aufstrebenden Industriestadt Turin, sah er die soziale Not der arbeitslosen, herumstreunenden und religiös verwahrlosten Jugendlichen. Der 8. Dezember 1841 markiert den Beginn seines großartigen Jugendwerkes: Ein neugieriger Jugendlicher wurde aus der Sakristei gejagt. Don Bosco holte ihn zurück und nahm sich seiner an. Er lehrte ihn: „Gott, den Schöpfer, kennen und das Ziel, für das wir erschaffen sind“. Der Jugendliche war von Don Bosco fasziniert. Am nächsten Sonntag kam er mit fünf Kameraden wieder. Dann waren es 20, im März 1846 schon 400. Don Bosco feierte mit ihnen die Messe, erschloss ihnen den Katechismus und übte mit ihnen Lieder ein. Außerhalb der Kirche zeigte Don Bosco den Jugendlichen Tricks, Zauberkunststücke, erzählte ihnen Geschichten und musizierte mit ihnen. Als Don Bosco eine Wiese mit einer Halle kaufen konnte, richtete er dort Werkstätten ein. Das Kapital von Don Bosco war bestimmt von Gottvertrauen und einer großen Liebe zur Gottesmutter. „Als er den Bau der Maria-Hilf Basilika, die eine Mio. Lire kostete, begann, hatte er 40 Centesimi in der Tasche.“ Kein Wunder, dass ihn selbst Mitbrüder für wahnsinnig hielten und in eine Irrenanstalt sperren wollten.
Die Erziehungsmethode Don Boscos „stützte sich auf Vernunft, Religion und Liebe“. Sie war so erfolgreich, dass ihm einmal ein Ausflug mit 300 straffälligen Jugendlichen erlaubt wurde. Keiner der Häftlinge setzte sich ab.
Die Tätigkeit Don Boscos blieb der liberal-antikirchlich eingestellten Regierung, die Klöster aufhob und die katholische Kirche schikanierte, nicht verborgen. Don Bosco hatte den Mut, die Behörden aufzusuchen. Er gewann sogar Minister als Gönner – nicht durch Anpassung, sondern durch sein gewinnendes Wesen. Später betrauten ihn sogar die Päpste Pius IX. und Leo XIII. mit schwierigen Aufträgen bei der Regierung.
Das Werk Don Boscos und seiner Mitarbeiter war zunächst das einer „kreativen Minderheit“. Es wurde mit den Tagesheimen, Hospizen, Werkstätten, Lehr- und Erziehungsanstalten ein weltweites, von seinem Geist getragenes Unternehmen. Als Don Bosco entkräftet und verbraucht 1888 starb, umfasste sein Werk in der alten und neuen Welt 250 Einrichtungen, in denen rund 130.000 Jugendliche beherbergt wurden. Aus ihnen gingen, schon zu seinen Lebzeiten, 18.000 ausgebildete junge Leute und ca. 6.000 Priester hervor.

Quelle: Reformer der Kirche, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz, 1970, S. 974 bis 978

Hubert Gindert

Foto:santiebeati.it/dettaglio/22600, Autor: Carlo Felice Deasti

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