Gefordert ist Respekt vor der Person, aber kein Bückling vor dem Zeitgeist.

In seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ (Die Freude der Liebe) bekennt sich Papst Franziskus eindeutig zur schöpfungsgemäßen Geschlechterpolarität und erteilt allen Bestrebungen, die Verbindungen von gleichgeschlechtlichen Paaren mit der Ehe gleichzustellen, eine eindeutige Absage. Zugleich weist er auf die Lehre der Kirche hin, Menschen wegen ihrer homosexuellen Orientierung nicht zu diskriminieren. Gleichstellung oder Verwischung der Unterschiede sind deswegen zu vermeiden – auch in der Sprache. Das gilt vor allem für Personen, die aufgrund ihrer Position die öffentliche Meinung beeinflussen.
Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin und Verbindungsmann der Kirche zur Politik, Prälat Karl Jüsten, sprach im ökumenischen Trauergottesdienst für den früheren Außenminister Guido Westerwelle in der St.- Aposteln Kirche „viel von dem Privatmenschen Westerwelle“. Jüsten kannte Westerwelle seit der gemeinsamen Kinderzeit in Bad Honnef. Prälat Jüsten sagte bei der Trauerfeier in der Kirche u.a.: „Er (Westerwelle) suchte Anerkennung, Liebe und Geborgenheit. Diese hat er bei seinem Ehemann Michael Mronz gefunden.“ (Augsburger Allgemeine Zeitung 4.4.16).
Das war nicht nur eine sprachliche Fehlleistung des Prälaten Jüsten, sondern auch ein devoter Bückling vor den Anwesenden und vor dem Zeitgeist. Eine Aufwertung von Fehlleistungen erwarten wir nicht von führenden Leuten der Kirche. Sie hätten eigentlich eine andere Aufgabe. Wenn Leute der Kirche nicht das nötige Rückgrat für die Wahrheit haben, sollten sie Aufgaben, die Mut erfordern, besser nicht übernehmen.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Juniheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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6 Antworten auf Gefordert ist Respekt vor der Person, aber kein Bückling vor dem Zeitgeist.

  1. Gerhard Ley sagt:

    Trauriger Weise passt sich die „Deutsche“ Kirche immer mehr und schneller dem Zeitgeist an! Siehe Kardinal Wölki, Kardinal Marx, etc. sowie DBK und ZdK, siehe auch
    „Katholikentag“.
    Vom Wort Gottes hört man kaum noch etwas, dafür mehr Politik und Zustimmung zur Regierungsbank!
    Es ist nicht mehr schön !

  2. Klaus Ebner sagt:

    Man kann sicher darüber streiten ob Prälat Jüsten die Bezeichnung „Ehemann“ verwenden musste. Tatsache ist aber, dass Jüsten in seiner Laudatio über Menschen sprach, die Westerwelle nahe gestanden sind und ihm in seinen schwersten Stunden beigestanden sind. Hätte er da Herrn Mronz einfach „übersehen“ sollen. Oder Kritik an der Art der Beziehung üben, die sie führten. Das wäre doch die schlimmste Art der Respektlosigkeit gegenüber einem Toten und seiner Familie überhaupt gewesen. Die Frage, die sich mir stellt ist ob es hier wirklich um Moral geht oder einfach nur um das feige und heuchlerische Nachtreten gegenüber einem Verstorbenen.

    • Ulrich S. sagt:

      Es geht doch wohl nur um die Bezeichnung „Ehemann“, die sich ein hoher Vertreter der Kirche in diesem Zusammenhang nicht leisten kann Es geht nicht um das böswillig unterstellte „feige und heuchlerische Nachtreten“, sondern darum, dass ein Prälat der Kirche eine respektvolle Ausdrucksweise findet, die mit der Lehre der Kirche übereinstimmt. Das kann man durchaus zum Ausdruck bringen, ohne jemandem weh zu tun. So schwer ist das nicht. Ich verstehe nicht, wie Sie das missverstehen können.

      • Mathias Wagener sagt:

        Was heißt denn hier, dass es nur um die „Bezeichnung“ Ehemann geht. Wenn er Ehemann sagt, dann meint er das auch so und das ist eben nicht richtig. Muss man vor allen Dingen, die uns aufgedrängt werden, Respekt haben, Respekt vor dem Zeitgeist ?
        Ehemann ist auch nach geltendem Recht nicht richtig. Diese Leute sind verpartnerschaftet, um es korrekt juristisch auszudrücken.
        Respektlosigkeit vor der Kirche nimmt Kommentator Ebner aber dafür in Kauf. Es ist ja auch nur die Kirche mit ihren altmodischen Ansichten, die nicht mehr in die Zeit paßt, so ist doch der Tenor.

      • Klaus Ebner sagt:

        Genau das sage ich ja. „Ehemann“ hätte der Prälat nicht sagen müssen, „Herr Mronz“ hätte es auch getan. Daran gibt es auch nichts einzuwenden. Etwas ganz anderes wäre es, die Lebensweise des Verstorbenen zu kritisieren. Dafür ist jetzt ein anderer zuständig.

  3. Mathias Wagener sagt:

    Das war, wie richtig ausgeführt wird, keine sprachliche Fehlleistung, sondern die Anerkennung dieser Verbindung als Ehe oder Eheähnlichem, was im Widerspruch zur Kirche steht. Was wird nächstens noch von Kirchenleuten gut befunden ? Vielleicht der Inzest ?

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