Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Bischof Brinkmann

Ein „Taumel“ der Freude sei ausgebrochen, als sich der Bekennerbischof nach einem Pontifikalamt im überfüllten Dom Tausenden von Gläubigen auf dem Domplatz zeigte und den Segen spendete. Der Priester und Dichter Augustin Wibbelt schreibt: „Die Glocken stürmten los in brandendem Chore. Ich glaube, da sind nicht viele Augen trocken geblieben. Großartig war der schier endlose Fackelzug, und die Illumination der Kirchen, Adelshöfe und Bürgerhäuser an diesem Abend in Münster. Die Menschenmassen schoben sich stundenlang lachend und scherzend durch die Straßen, denn alle waren glücklich und hochgestimmt …“
Was war geschehen? Der in seiner Diözese Münster von der preußischen Obrigkeit abgesetzte Bischof, dessen Hab und Gut gepfändet wurde, der zu 40 Tagen Gefängnis verurteilt wurde und schließlich ins Exil nach Holland gehen musste, Johann Bernhard Brinkmann war zurückgekehrt. Inzwischen hatte nämlich Bismarck erkannt, dass die Katholiken in enger Verbindung zu ihren romtreuen Bischöfen sich auch nicht durch Unrechtsgesetze an den Rand der Gesellschaft drängen lassen.
Es wird berichtetet: „Am 12. Februar 1884 drängten sich über 20.000 Menschen auf dem Domplatz, um den Oberhirten nach neunjährigem niederländischem Exil vor dem Westportal des St.-Paulus-Doms enthusiastisch zu feiern. Bischof Brinkmann konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als die Menge das katholischste aller Kirchenlieder anstimmte: ‚Fest soll mein Taufbund immer stehn‘.“
Johann Bernhard Brinkmann (1813-1889) sollte als der einzige Sohn auf Wunsch des Vaters nach dem Besuch der Volksschule das Drechslerhandwerk erlernen. Doch Johann Bernhard  wollte Priester werden. Nach Theologiestudium und Priesterweihe im Jahr 1839 war er zunächst 13 Jahre Kaplan in Beckum und verstand sich sehr gut mit dem Kaplan und späteren Erzbischof von Köln, Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Nach einer kurzen Zwischenstation als Pfarrer an der Strafanstalt zu Münster berief ihn 1854 sein Bischof zum Präses der neu gegründeten Weltpriester-Kongregation in Kevelaer, aus der die Canisianer hervorgingen. Gleichzeitig war Johann Bernhard Brinkmann Rektor der Wallfahrtskirche und war mit der Gestaltung des Wallfahrtsortes stark in Anspruch genommen. Doch trotz aller organisatorischen Aufgaben konnte vermerkt werden: „So sehr aber auch diese baulichen Unternehmungen den hochwürdigsten Herrn als Rector in Anspruch nahmen, so litt dadurch dennoch der Eifer, womit er sich stets der Pilger und ihrer geistigen Bedürfnisse annahm, nicht den geringsten Einbruch. Er war unermüdlich im Beichtstuhl und sorgte auf jede Weise für die Hebung des Gottesdienstes. In der hiesigen Pfarrgemeinde steht sein seeleneifriges seelsorgliches Wirken noch bei vielen in dankbarem Andenken.“ Brinkmann blieb nur drei Jahre in Kevelaer und wurde 1857 Direktor der Anstalt zur Erziehung verwahrloster Knaben im Haus Hall bei Gescher in Westfalen. Wenige Monate später erfolgte seine Berufung als Generalvikar des Münsteraner Bischofs und nach dessen Tod seine Wahl und Weihe (1870) zum Bischof.
Die „Romhörigkeit“ der deutschen Katholiken war Reichskanzler Bismarck ein Dorn im Auge. Die Zentrumspartei, die an Einfluss zunahm, betrachtete man als verlängerten politischen Arm von Papst Pius IX. Die Ergebnisse des Ersten Vatikanischen Konzils und das Unfehlbarkeitsdogma betrachtete man als unzulässigen Versuch der katholischen Kirche, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Berlin wollte nun mit Gesetzen und Erlassen die „Ultramontanen“, d. h. die romtreuen Katholiken, disziplinieren: Mit einem „Kanzelparagraphen“ die Glaubensverkündigung kontrollieren, dann die Kontrolle des Staates bei Ernennung und Versetzung von Klerikern  durchsetzen, kirchennahe Zeitungen zensieren, rigorose Schulaufsicht übernehmen und Ordensgemeinschaften ausweisen. Münsters Bischof Johann Bernhard Brinkmann (1813-1889) handelte sich eine regelrechte Verfolgung ein, weil er die ungerechten staatlichen Gesetze nicht akzeptierte.

Gerhard Stumpf

 

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Eine Antwort auf Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Bischof Brinkmann

  1. Mathias Wagener sagt:

    Das waren Zeiten, als wir Katholiken der Obrigkeit noch trotzten und ein derartiges Zusammengehörigkeitsgefühl im Glauben hatten. Heute würde man per Dialog einen regierungsnahen Bischof präsentieren.

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