Zur Kritik an Benedikt XVI. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

In seinem Leitartikel „Die Revolution des Kardinals“ (FAZ vom 6.2.13) stellt Daniel Deckers gegen naturrechtliche Argumente die Frage: „Doch wer bestimmt, was die ‚Natur‘ des Menschen ist?“ Die Antwort kann nur lauten: niemand und jeder. Das Naturrecht entsteht aus der Geschichte der humanitären Niederlagen und Siege. Die Fähigkeit, aus beiden die richtigen Schlüsse zu ziehen, gehört zur ethischen Mitgift der Menschheit. Im Naturrecht halten Gesellschaften – oder seit der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ die Völkergemeinschaft – ethische Errungenschaften fest, hinter die man „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“ (Präambel Grundgesetz) nicht mehr zurückfallen sollte. Herausragende neuzeitliche Beispiele solcher Vorgänge waren das in der spanischen Spätscholastik gegen die Conquista naturrechtlich (ius gentium) begründete Existenzrecht der Völker Lateinamerikas; die Begründung der Menschenrechte in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 damit, dass mit ihnen alle Menschen „von ihrem Schöpfer“ ausgestattet worden seien; schließlich das Grundgesetz, das die Würde des Menschen nicht beschließt, sondern sich zu ihr „bekennt“ und die damit verbundenen Menschenrechte für universal gültig hält.

Heute wird die Würde des Menschen in der westlichen Welt kaum noch von Diktatoren bedroht. Vielmehr ist es der Mensch selber, der infolge seiner biotechnischen Möglichkeiten „in die Hand des Menschen gelegt“ (Benedikt XVI.) ist, insbesondere am Anfang und Ende seines Lebens. Der Kirche, so kritisiert Deckers, gelinge es „weniger denn je“, das hinter ihrer Moral „stehende Ganze“ zu verdeutlichen. Johannes Paul II. mit seiner „Theologie des Leibes“ und Benedikt XVI. mit seiner auch im Deutschen Bundestag vorgestellten Konzeption einer „Humanökologie“ tun dies aber in eindrucksvoller Weise. Dabei berufen sie sich „auf die Vernunft und das Naturrecht, das heißt auf das, was allen Menschen wesensgemäß ist“ (Benedikt XVI.). Wer ihnen darin nicht folgen will, dem bleibt, wie Josef Isensee einmal formulierte, nur „das rostige Vehikel des Gesellschaftsvertrags“.

Prof. Dr. Dr. h.c. Lothar Roos, Adenauerallee 19, 53111 Bonn

Leserbrief v. Prof. Dr. Werner Münch, ehemals Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt,  der nicht in der FAZ abgedruckt wurde
Herrn
Holger Steltzner
Herausgeber der „FAZ“
Persönlich

Hellerhofstr. 2-4
60327 Frankfurt/Main

Sehr geehrter Herr Steltzner,

hiermit kündige ich mein jahrelanges Abonnement der „FAZ“ zum 31. März 2013 u. widerrufe gleichzeitig meine erteilte Einzugsgenehmigung. Ich bitte um Weitergabe dieser Mitteilung an Ihre zuständige Abteilung.

Am 6. Februar habe ich einen Leserbrief zu einer Meldung und einem Kommentar von Daniel Deckers am 5. und 6. Februar geschrieben. Dieser ist, was mir in der letzten Zeit mehrfach so ergangen ist, nicht veröffentlicht worden. Von anderen Lesern Ihrer Zeitung weiß ich, dass es ihnen mit ihren ebenfalls kritischen Leserbriefen nicht besser erging. Im konkreten Fall ist von den Kritikern lediglich der Leserbrief von Herrn Prof. Hillgruber abgedruckt worden.
Meinen Unmut darüber, vor allem über die Art der Berichterstattung und Kommentierung Ihres Redakteurs Daniel Deckers schon seit langer Zeit, habe ich Herrn Dr. Nonnenmacher in einem Brief am 12. Februar mitgeteilt, weil ich ihn persönlich kenne.
Am 14. Februar hat dieser in einer nach meiner Beurteilung sehr arroganten und überheblichen Art geantwortet, so dass ich mich verpflichtet sah, darauf noch einmal in einem persönlichen Brief an ihn zu reagieren. Wie nicht anders zu erwarten, hat er darauf nicht mehr geantwortet. (Alle erwähnten Dokumente sind in der Anlage beigefügt.)

Dieser Vorgang und der heutige Kommentar (28.02.2013) von Daniel Deckers, der in der Auffassung gipfelte, dass der Kult um die Person dieses Papstes „fast blasphemische Formen“ angenommen hat und er und sein Vorgänger „die Krise der Autorität in der Kirche und der Autorität der Kirche in der Welt verschärft“ haben, haben zu meiner obigen Entscheidung geführt. Ich halte Inhalt und Stil des Umgangs mit Papst Benedikt XVI. und seinem Pontifikat für eine Beleidigung zumindest für einen Teil der katholischen Christen, die ich nicht mehr länger hinzunehmen bereit bin, denn neben der Meinung von Herrn Deckers gibt es auch andere. Weitere Abbestellungen Ihrer Zeitung werden folgen oder sind bereits vollzogen.

Ich verhehle nicht, dass ich zum Teil meine Entscheidung bedauere, da ich viele Jahre durch Ihre Zeitung gut informiert worden bin, vor allem auch von Ihnen und Herrn Berthold Kohler aus dem Bereich, für den Sie zuständig sind.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Münch

Aufgrund der neuesten Attacke von Daniel Deckers in der FAZ (siehe „Ort des Ausgleichs“ vom 28.2.2013) haben die beiden Leserbriefschreiber Prof. Dr. Münch und Prof. Dr. Roos am 28.2.2013 die FAZ abbestellt.

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4 Antworten auf Zur Kritik an Benedikt XVI. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

  1. Anjy Römelt sagt:

    Glücklicherwesie hat Prof. Roos seine Gewohnheit, Leserbriefe an die FAZ zu schreiben, nicht eigestellt. Und die FAZ druckt sie auch weiterhin gelegentlich :).

  2. Eduard Werner sagt:

    Seit der Integration der Rundschau in die FAZ ist die linksliberale Richtung unverkennbar. Daniel Deckers repräsentiert eine Linie, die unter Reform eine Anpassung der Kirche an den Ungeist der Zeit versteht. Schlimm ist, dass diese kirchenfeindliche Tendenz gewissermaßen in kirchlicher Verkleidung daherkommt.

  3. Gisela Schmider sagt:

    Herr Deckers ist für die FAZ eine Katastrophe. Wir haben diese Zeitung seit 50 Jahren und sind sehr enttäuscht darüber wie man mit uns Katoliken umgeht. Man muss sich wirklich überlegen, ob man diese Zeitung nicht abbestellt. Grüße G.Schmider

  4. quer sagt:

    Den Weg der FAZ zum sozialdemokratisch inspirierten Käseblatt mache ich bereits seit 2009 nicht mehr mit. Mit dem damit beachtlich gesparten Geld fülle ich lieber meine Bibliothek auf.

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