Die Hartnäckigkeit der Tabus verhindert ein Umdenken

Die Augsburger Allgemeine Zeitung behandelt in drei Beiträgen „Studie facht Streut um Rentenalter an“, „Baustelle Rente“, „Ohne Sorgen alt werden“ der Ausgabe des 14. Juni 2016 das Thema Rentenalter. In keinem wird die Ursache , nämlich die zu geringe Zahl der geborenen Kinder als Grund der Misere angesprochen. Die verdrängte Wahrheit schreckt auf. Die Hartnäckigkeit der Tabus verhindert ein Umdenken. Der Verschiebebahnhof führt zu einer Inflation an Vorschlägen: „Rente mit 70“, „Rente mit 67+“ etc.. Der AZ-Beitrag „Studie facht Streit um Rentenalter an“ sagt: Die Rente mit 67 ist möglicherweise nur eine Etappe auf dem Weg zu deutlich längeren Arbeitszeiten: Ohne weitere Reformen droht nach einer Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der Deutschen Versicherungswirtschaft bis zum Jahr 2040 ein Anstieg der Beitragssätze von gegenwärtig 18,7 auf 23,7% und ein weiteres Absinken des Rentenniveaus von 48,1 auf nur noch 41,7% eines Durchschnittslohns.
In der „vergreisten“ Republik ist ein Rentenniveau von wenigstens 43% nur bis zum Jahr 2030 sicher. Ehrentraut vom Prognos-Institut nennt indirekt die Ursache des Problems wenn er sagt: „Je länger wir die geburtenstarken Jahrgänge im Erwerbsleben halten, umso besser ist das für das System“, d.h. uns fehlen Geburten. Es fehlen die nicht geborenen Kinder! Warum wird diese Tatsache ausgeklammert? Weil dahinter die Tabus stehen, die, würden sie ausgesprochen werden, die Republik erschüttern müssten. Die Ursache der Misere sind
die Politiker, die eine Abtreibungsregelung beschlossen haben, die nach den offiziellen Zahlen – und das seit mehr als 20 Jahren 100 000 Abtreibungen pro Jahr ermöglicht – gesetzwidrig aber straffrei. Fachleute schätzen die Zahl sogar auf 200 000 abgetriebene Kinder pro Jahr
die Politiker, die zu feige sind, das Abtreibungsgesetz auf den Prüfstand zu stellen, obwohl das Bundesverfassungsgericht das bei der Einführung des Gesetzes gefordert hatte
die Politiker, die eine Familienpolitik betreiben, die die kinderreiche Familie nicht fördert, sondern auseinanderreißt, damit die Frau möglichst bald das Kind in der Krippe abgibt und für den Arbeitsprozess zur Verfügung steht
die Medien, die diese Familienpolitik nicht auf den Prüfstand stellen und vor den Folgen nicht gewarnt , sondern die Situation forciert haben
jene Ehepaare, die sich von den Sirenengesängen der Konsumwelt nach mehr Freiheit, Wohlstand, „unbeschwertem“ Urlaub abbringen ließen, auch die schönen Seiten zu entdecken, die nur eine Familie mit Kindern bietet.
Alle werden die Zeche bezahlen. Die Grünen und die Linke fordern das Niveau der gesetzlichen Rente generell bei 46 bzw. 48% zu stabilisieren. Das erinnert an zornige Kinder, die bei einer Fehltat ertappt werden und mit dem Fuß auf den Boden stampfen. Die Forderung der Grünen und Linken ist unredlich, weil sie wissen, dass diese Stabilisierung nur mit höheren Beiträgen, einem höheren Rentenalter oder einem höheren Steuerzuschuss zu finanzieren ist. Der einzige Ausweg auf lange Sicht ist, sich endlich der Wahrheit zu stellen und eine wirkliche Förderung kinderreicher Familien in die Wege zu leiten. Dazu ist es schon sehr spät. Aber alles andere gleicht der Weiterfahrt der Titanic in Richtung Eisberg.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Die Hartnäckigkeit der Tabus verhindert ein Umdenken

  1. Mathias Wagener sagt:

    Vergessen wir doch nicht, dass sich qualifizierte Arbeitsplätze nicht aus dem Boden stampfen lassen. Die Rentenversicherung bedarf der Subventionierung, Dass dadurch weitere Probleme enstehen, mag dahingestellt bleiben. Dann wäre es wichtig, dass nicht Hundertausende zu lange auf Hochschulen lernen, um dann in nicht existierende Berufe entlassen zu werden. Die Migration löst keine Probleme, da diese Menschen oft gar nicht in Arbeit kommen (allenfalls in Hilfsjobs). Auf die Frauenarbeit kann auch nicht verzichtet werden. Vereinbarkeitsmodelle sind Gebot der Stunde. Da kann ich mich nur anschließen.

  2. Klaus Ebner sagt:

    Im Zusammenhang mit der hier geäußerten Kritik an Politik und Wirtschaft seien zwei Bemerkungen erlaubt: In sehr vielen Studienrichtungen sind heute mehr als 60 % der Abgänger weiblich, bei den Top-Studenten oft 70 %. Während die Jungs immer mehr an Anschluss verlieren – bei der Jugend-Arbeitslosigkeit und bei den Unqualifizierten haben die Jungen großen Überhang. Die Wirtschaft kann es sich ganz einfach nicht leisten auf die volle Arbeitskraft dieser hochqualifizierten Frauen – vor allem zwischen 20 und 40 zu verzichten. Und ohne funktionierende Wirtschaft gibt es weder ein funktionierendes Bildungs, noch Gesundheits- noch Sozialsystem und Renten ohnehin nicht. Deshalb sind Vereinbarkeitsmodelle – wie immer sie auch aussehen mögen – das Gebot der Stunde.

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