Schöne neue Welt

Die „schöne neue Welt“ ist eine dämonische Welt! Wir sind dabei, die Welt zu verwirklichen, die Aldous Huxley in seinem 1932 erschienenen Zukunftsroman „Schöne neue Welt“ (Brave new World) beschrieben hat. Wikipedia schreibt zu diesem Zukunftsroman:
„Mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten sowie der anschließenden mentalen Indok¬trinierung der Kleinkinder werden die Menschen gemäß den jeweiligen gesellschaftlichen Kasten geprägt, denen sie angehören sollen und die von Alpha-Plus (Führungspositionen) bis zu Epsilon-Minus (für einfachste Tätigkeiten) reichen.
Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt. Die Regierung jener Welt bilden Kontrolleure, Alpha-plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden.“
Der Unterschied zwischen der von Huxley beschriebenen Gesellschaft und jener, die wir gerade dabei sind einzurichten, besteht darin, dass es sich bei Huxley um eine totalitäre, heute aber um eine mit demokratischen Mehrheiten eingeführte handelt. Es ist eine Gesellschaft, die vom Ehrgeiz nach dem perfekten Menschen getrieben ist und die andererseits – vom Rausch nach Konsum, Sex und Drogen verführt –, ihre Freiheit aufgibt.
Im Jahr 2001 entschlüsselte der Forscher Graig Venter das menschliche Genom. Als Ergebnis davon liegt die Genetik des Menschen wie ein Baukasten für Genmanipulationen bereit. Das Kind mit den erwünschten Eigenschaften ist zur Realität geworden.
Warum ist „der perfekte Mensch eine Gefahr“, wie die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 7. April 2016 im Interview mit dem Mitglied des deutschen Ethikrats, Weihbischof Dr. Anton Losinger, ausführt? Wenn jeder sein Erbgut nun entschlüsseln (dechiffrieren) lassen kann, dann wird er durch die möglich gewordene Analyse seiner erblich bedingten Eigenschaften kommerziell interessant für Arbeitgeber, Versicherungen und für die Freizeitindustrie (Sport). Um gesundheitlich bedingte Risiken zu minimieren, können evtl. Gentests vor einer Einstellung oder dem Abschluss von Versicherungen verlangt werden. Wie sollen dann Menschen mit einer ungünstigen Prognose aufgrund des Gentests eine Arbeit finden, eine Kranken- oder Lebensversicherung abschließen können? Solche Menschen werden die Schwierigkeiten haben, denen Behinderte schon heute begegnen. Der Druck auf Eltern, bei ihren ungeborenen Kindern eine Pränatal-Diagnose durchführen zu lassen, um eine evtl. Behinderung herauszufinden, wird zunehmen. Bereits schon heute werden 96% der Embryonen mit Down-Syndrom abgetrieben.
Wenn die Wertschätzung eines Menschen vom Grad seiner Perfektion abhängt, ist die Folge davon ein Impuls, Babys mit erwünschten Eigenschaften zu schaffen, weil der designte Mensch möglich geworden ist. Hier treten eine Reihe fundamentaler Fragen auf, wie z.B.: Was bedeutet es, Eigenschaften zu designen? Wer bestimmt das Design und wer bewertet die Ziele und das Risiko solcher Genmanipulationen?
Die Wirtschaft wünscht Mitarbeiter, die optimal an den Betriebsablauf angepasst sind, z.B. Frauen, die nicht wegen Schwangerschaft oder Kindererziehung ihre außerhäusliche Berufstätigkeit aufgeben. Konzerne wie Apple, Facebook oder Google raten heutzutage jungen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, sie sollten „Social-Freezing“ betreiben, also Eizellen entnehmen und einfrieren lassen, damit sie zu einem günstigen Zeitpunkt per künstlicher Befruchtung und mit Leihmüttern ihre Kinder bekommen und ihre genetische Nachkommenschaft generieren können (AZ, 2.4.16). Wir sind bereits in der „Schönen neuen Welt“ angekommen.
Papst Benedikt XVI. stellt in seiner Enzyklika „Über die christliche Hoffnung“ (SPE SALVI) die Frage: „Was heißt Fortschritt wirklich? Die Zweigesichtigkeit des Fortschritts wird sichtbar. Der Fortschritt bietet unzweifelhaft neue Möglichkeiten zum Guten, aber er öffnet auch abgründige Möglichkeiten des Bösen, die es ehedem nicht gab (Ziff 22) … Ist die Vernunft des Könnens und des Machens schon die ganze Vernunft? Wenn der Fortschritt, um Fortschritt zu sein, des moralischen Wachsens der Menschheit bedarf, dann muss die Vernunft des Könnens und des Machens ebenso dringend durch die Öffnung der Vernunft für die rettenden Kräfte des Glaubens, für die Unterscheidung von Gut und Böse ergänzt werden“ (Ziff 23).
In der möglich gewordenen Genmanipulation geht es nicht nur um die Frage einer christlichen Ethik, die man Nichtchristen nicht aufzwingen darf. Tatsächlich geht es um den Begriff von Würde und Unantastbarkeit, d.h. um die Integrität des Menschen, also um Menschenrechte. Und hier ist der Rechtsstaat gefordert. Er muss, nach Weihbischof Losinger, Auskunft geben, aus „welchen Werten er sich sein Rechtssystem generiert“. Menschenrechte sind aber von ihrer Definition her nicht abstimmungsfähig. Auch demokratische Mehrheiten können darüber nicht befinden.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Juniheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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Eine Antwort auf Schöne neue Welt

  1. Herbert Klupp sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Er greift ein äußerst wichtiges Thema auf. Der Bezug zum prophetischen Roman „Schöne Neue Welt“ ist richtig. Schade daß Prof. Gindert die Genese dieser gefährderten Gesellschaft als „mit demokratischen Mehrheiten eingeführt“ beschreibt, ohne jedes Anführungszeichen oder Hinterfragung. Die Wahrheit ist, daß in Deutschland die Demokratie von Seiten der Öffentlich-Rechtlichen Medien seit mehr als einer Generation beschädigt und teilweise außer Kraft gesetzt ist. Einerseits finanziell unangreifbar durch unsere Beiträge, andererseits personell hoffnungslos abgerutscht in eine linksgrüne kirchen- und letztlich gottverachtende Clique von „engagierten“ Journalisten – engagiert für die Zerstörung und Überwindung der überkommenen christlichen Kultur – und drittens und hauptsächlich haben sie per „gleichgeschaltetem“ Meinungsdruck und Kampagnen der Reihe nach allen wichtigen Gruppen im Lande ihre Meinung „aufgezwungen“: zuerst den kleinen Zeitungen, dann den großen, dann der Verwaltung, den Juristen, der „Kultur“ sowieso, sodann allen Politikern, alle Regierungen folgen dem vorgegebenen Weg, und am Ende haben sie uns alle, das ganze Volk geistig manipuliert. Was dann mit „demokratischen Mehrheiten eingeführt“ wird, ist nicht wirklich der Ausdruck des Willens des deutschen Volkes, sondern ein deformierter und manipulativ veränderter Wille. Die Öffentlich-Rechtlichen Medien gehören grundlegend reformiert, an Haupt und Gliedern ! Weltweit mögen noch andere Kräfte die Hauptursache für dieses widergöttliche Tun sein. Bei uns sind es die ÖR-Medien, die zentral und massiv und „erfolgreich“ diese Politik betreiben und durchsetzen.

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