Katholiken sind keine nützlichen Idioten

Wer die Medien kritisch begleitet, weiß, die meisten haben mit der Katholischen Kirche nicht viel am Hut. Vielmehr geht es ihnen darum, sie auf das Maß jener kirchlichen Gemeinschaften einzunivellieren, die vor dem Mainstream kapituliert oder sich bereits zum Medienecho gemacht haben. Zur Medienstrategie zählt auch eine verwirrende Berichterstattung, um selbst jene Katholiken zu spalten, die zur Lehre der Kirche stehen wollen. Um dieses Ziel zu erreichen, versuchen Medien Papst Franziskus zu instrumentalisieren. Die Kommentierung der Römischen Bischofssynode, des postsynodalen Schreibens des Papstes und seiner Aussagen zum Frauendiakonat sind ein Lehrstück dafür.
Den Katholiken müsste auffallen, dass die Medien dem Papst Aussagen nachse-hen, die sie im Übrigen strikt ablehnen, z.B. über den Teufel, über die „dämoni-sche“ Genderideologie, über die Auswüchse einer kapitalistischen Wirtschaft mit Kinderarbeit, Menschenhandel, die brutale Entsorgung unerwünschter Menschen durch Abtreibung oder Euthanasie. Warum wird Papst Franziskus dort „geschont“ wo seine Vorgänger heftig attackiert wurden? Der Grund ist einsich-tig. Würden sie ihn heruntermachen, könnten sie ihn schwerlich für ihre Zwecke einspannen, um so die Katholiken zu verwirren und gegeneinander aufzubrin-gen. Wir konnten jüngst hören, natürlich würde Franziskus Frauen zum Diako-nat und sogar zur Priesterweihe zulassen, wenn da nicht der konservative Präfekt der Glaubenskongregation und andere reaktionäre Kurienkardinäle im Weg stünden. In diesem Verwirrspiel der Medien mischen auch katholische Verbän-de, wie das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, der Bund der Katholi-schen Jungend und katholische Frauenverbände mit.
Daniel Wirsching, von der Allgemeinen Augsburger Zeitung, der bisher nie durch Sympathien für die katholische Kirche aufgefallen ist, sondern sie oft als „überholt“ und „weltfremd“ apostrophiert hat, bringt die Medienstrategie auf den Punkt, wenn er schreibt: …“Außerhalb der katholischen Kirche verfügt er (Franziskus) über eine bemerkenswerte Strahlkraft, innerkirchlich hat er an Glanz verloren. …Franziskus ist ein bedeutender Papst, etwa weil er die Wich-tigkeit von Barmherzigkeit und Seelsorge betont und dadurch die Kirche den Menschen näher bringt. Ein Revolutionär ist er nicht. Wer das noch glaubt, ist naiv. …Wirklich sensationell ist etwas anderes, und zwar, dass sich dieser Papst auch Diskussionen nicht verschließt, die in der Kirche seit Jahrzehnten geführt werden (aus Vatikansicht als beendet galten). In dem Sinn ist er Reformer. Unter Reform versteht er allerding nicht einen abrupten Kurswechsel, sondern das Lostreten eines Prozesses. In dessen Verlauf oder an dessen Ende kommt es ja vielleicht zu einem Umdenken.“ (AZ, 23.5.16)
Katholiken, die zur Kirche stehen und die glauben, einen Grund zu haben päpst-liche Aussagen zu kritisieren, sind, um mit Lenin zu sprechen keine „nützlichen Idioten“. Sie werden sich nicht in eine öffentliche Antihaltung gegen den Papst hineinziehen lassen und immer beachten, in welchem Kontext ein Wort gefallen ist, und ob ihnen der präzise Wortlaut vorliegt, den sie ansprechen.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Katholiken sind keine nützlichen Idioten

  1. Mathias Wagener sagt:

    Wenn ich schon höre, der Papst würde Frauen zu diesem oder jenem Dienst zulassen, dann graust es mich über so viel Unkenntnis über die Kirche. Man will den Leuten erzählen, dass der Papst nach Gusto Entscheidungen treffen könne. Wir wissen natürlich, dass dem nicht so ist. In der Tat versucht man, Franziskus für Ziele zu instrumentalisieren, die außerhalb der Kirche verankert sind, um es freundlich auszudrücken. Beim Vorgänger versuchte man es mit harter Konfrontation und bei Franziskus auf diese Masche. Das gilt auch für „Reformer“ in der eigenen Kirche, die sich mitunter ungehörig über den Vorpapst geäußert haben. Ich habe ihn wegen seiner klaren Diktion sehr geschätzt.

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