Es stinkt doch!

„So rüstet Deutschland die Welt auf“, heißt eine Artikelüberschrift (Augsburger Allgemeine Zeitung 16.6.16). Die Analyse: „Nur Amerikaner und Russen verkaufen noch mehr Waffen ins Ausland“.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde im vergangenen Jahr zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt. Deutsche Firmen exportierten 2015 Militärgüter im Wert von 4,2 Mrd. Euro. Werden Kleinwaffen und Munition dazugerechnet, steigt der Gesamtwert sogar auf 7,5 Mrd.. „Maschinenpistolen, Handgranaten und Raketenwerfer gelten als neue Art von Massenvernichtungswaffen, durch die in Bürgerkriegen die meisten Menschen sterben… Mit fast 30% landete der Großteil der deutschen Rüstungsgüter in Krisenregionen des Nahen Ostens und Nordafrika. Der beste Kunde bleibt Saudi Arabien. Ein Land, dessen Führung mit unerbittlicher Härte gegen Kritiker vorgeht, das in den Kriegen in Syrien und im Jemen mitmischt. …ein Land, in dem Folter an der Tagesordnung ist, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden und im Januar 47 an einem einzigen Tag hingerichtet wurden“ (AZ, 16.6.16). Es gibt keine Entschuldigung für diese Waffenexporte, nicht nur nach Saudi Arabien, einem der reaktionärsten Länder der Welt.
In seinem polemischen Rundumschlag gegen Papst Franziskus meinte Alexander Kissler: „Mindestens naiv, wenn nicht töricht war sodann die päpstliche These, Kriege gäbe es, ‚weil es Waffenproduzenten gibt‘. Als ob nicht mit bloßen Händen und Steinen schon Kriege geführt worden wären, als ob nicht Ben-zinkanister, Knüppel, Speer beinahe ausgereicht hätten, um den Völkermord der Hutu an den Tutsi ins Werk zu setzen. Etc. pp. Ein unreflektierter Antikapitalismus führt den Papst in die Irre“.
Natürlich weiß der Papst, dass eine kriegerische Gesinnung die eigentliche Ursache von Kriegen und Zwist ist, und dass, man auch mit der Steinschleuder jemand umbringen kann. Das ist aber kein Gegenbeweis dafür, dass Waffenproduzenten die Mittel zur Verfügung stellen, um Kriegslüsternheit zu verstärken, weil der Besitz moderner Waffen die Aussichten verbessert, Gegner ohne allzu großes Risiko zu unterjochen. Um es deutlicher zu sagen, Maschinenpistolen richten einen größeren Schaden an, als Steinschleudern. Würde die IS, und andere Terrororganisationen nur mit Knüppel und Speer am Werk sein, wären sie schon längst besiegt. Die Schelte von Herrn Kissler gegen Papst Franziskus mutet reichlich „unreflektiert“ an.
Das oft gehörte Argument Waffenproduktion schaffe auch Gewinn für Unternehmen und sozialversicherungsfähige Arbeitsplätze, stimmt natürlich. Waffenexport ist ein Milliardengeschäft! Aber mit diesem Argument ließe sich auch die Einrichtung von Bordellen und die Beschäftigung von „Sexualarbeiterinnen“ rechtfertigen. Tatsächlich geht es um Geld und Profit.
Als Kaiser Vespasian in Rom öffentliche Schalen zum Urinieren gegen einen Obolus aufstellen ließ und deswegen getadelt wurde, entgegnete er trocken: „Non olet – Geld stinkt nicht“! Geld aus Waffenexporten stinkt auch nicht, vielleicht aber der Schaden, der damit angerichtet wird.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Es stinkt doch!

  1. Mathias Wagener sagt:

    Diesen klaren Worten von Herrn Professor Gindert ist nichts hinzuzufügen. Ich danke ihm für diese eindeutige Aussage.

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