Was ist der Schrecken des Vatikans?

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ), die sich nicht als eine Boulevardzeitung à la Bild versteht, bringt einen Artikel mit dem Titel „Der Schrecken des Vatikans“. Eine solche Überschrift verschafft Aufmerksamkeit: „Der Schrecken des Vatikans“. Da fragt sich der Leser: Was ist passiert? Neue Vatileaks, ein Kurienkardinal, der vom Glauben abgefallen ist, ein neu entdeckter Schriftfund, der dazu führen könnte, dass das Evangelium umgeschrieben werden muss? Aber Nein! Es handelt sich um die 28jährige Theologiestudentin Jacqueline Straub und sie wird so in der AZ vorgestellt: „Sie will katholische Priesterin werden. Ohne Wenn und Aber … Mit 15 Jahren hatte sie ein Erlebnis, das ihr altes Leben über den Haufen geworfen hat: ‚Ich wurde von Gott berufen‘ … Vor ihrer persönlichen Wende war sie nicht besonders religiös … Das kirchliche Leben beeindruckte sie kaum … Jacqueline sprach viel mit Pfarrern und Pastoralreferenten. Alle hörten ihr zu, die meisten machten ihr Mut und unterstützten das Vorhaben … Nach dem Abitur begann sie, Theologie zu studieren… Demnächst wird sie in Luzern ihr Masterstudium abschließen: ‚Die Schweizer sind liberaler‘ … Ihr größtes Pfund ist freilich nicht das Fachwissen … es ist ihr Gespräch für die Medien. Sie ist selbstbewusst, kann sich verkaufen. ‚Die meiste Arbeit verbringe ich mit Medienarbeit‘. Fernsehen, Tageszeitungen, Magazine. Jacqueline Straub hat keine Berührungsängste. Routiniert präsentiert sie ihre Argumente. Etwa dieses: ‚Ist es gerecht, wenn man mehr als die Hälfte der Christenheit von Weiheämtern ausschließt‘… Ihren Feldzug für Frauen im Priesteramt hat sie auf professionelle Beine gestellt. Ihre Schwester Meli leitet ein Fotostudio und hat für Jacqueline einen Online-Auftritt eingerichtet … Seit drei Jahren tourt sie mit ihrer Mission durch die Lande … Doch die Amtskirche und deren Bischöfe erreicht sie nicht, noch nicht …“ Im Untertitel erfahren wir noch, dass Jacqueline „begeisterte Boxerin ist, einen Freund hat, den sie „irgendwann heiraten will“.
Soweit die Story vom „Schrecken des Vatikans“, der die gesamte Seite drei der AZ einnimmt. Da fällt einem ein, was der Medienprofi Prof. Norbert Bolz einmal geäußert hat: „Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man aber, dass sie mit Moral gar nichts am Hut haben. Es geht auch nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Sensation … Es geht um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen. Dieses Potential wird ausgebeutet. Das ist die Logik der Massenmedien“ (Tagespost 14.3.13).
Viel Lärm um nichts? Vielleicht verfolgen aber der Artikelschreiber und die AZ doch eine Mission. Ein Kasten zu diesem Artikel lautet: „Was Katholiken über Frauen im Priesteramt denken“. Dort heißt es: „Mehr als zwei Drittel der Katholiken wünschen sich laut einer Umfrage aus dem November 2015 auch Frauen als Priester. Auf die Frage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, ob Frauen ebenfalls das katholische Kirchenamt bekleiden können sollten, antworten 67% der befragten Katholiken mit Ja und 20% mit Nein.“
Diese Aussagen dürfen nicht verwundern. Aufgrund des völligen Zusammenbruchs der Katechese, kennen die Katholiken ihren Glauben nicht mehr und sind deswegen leicht manipulierbar. Hier trifft auch das zu, was Erzbischof Georg Gänswein in einem Interview am 20. März 2016 im Hinblick auf den Religionsunterricht gesagt hat: „Nach der Schule wissen die jungen Leute von ihrer Religion fast gar nichts, und wenn sie nichts wissen, dann können sie auch mit der Religion nichts anfangen.“ „Der Schrecken des Vatikans“ könnte die Unwissenheit der Katholiken über ihre Religion sein!

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Was ist der Schrecken des Vatikans?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Kirchenferne mühen sich ab, uns diese oder jene „Reform“ einzureden. Jetzt geht es wieder einmal um die Frauen, die Priesterinnen werden wollen. Die Kirche hat andere Aufgaben als weltliche Institutionen, sie ist nicht beliebig im Sinn dieser oder jener Pressure-Group veränderbar. Es geht in der Kirche nicht um Quoten und Selbstverwirklichung noch um medienwirksame „Träume“, deren Echtheit nicht einfach unterstellt werden kann.

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