Gebet – Fundament unseres Lebens

Meistens ist der Grund unserer Gebete eine Bitte um ein zeitliches oder ewiges Gut. Im Gebet wenden wir uns an den allmächtigen und liebenden Gott und tragen Ihm unsere Bitten vor. Dafür eignen sich das Vater unser, das Gegrüßet seist du Maria, das Glaubensbekenntnis, der Rosenkranz, persönliche Gebete und kurze Stoßgebete wie etwa „Jesus, wärme uns in Deiner Heiligkeit“.
Oft haben wir das Gefühl, dass Gott schweigt, dass Gott uns nicht hört, dass er uns überhört, wenn er nicht so handelt, wie wir es wünschen. Deshalb ist es zunächst wichtig zu prüfen, ob unsere Bitten seinen Geboten und seinem Willen entsprechen. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass der allwissende und liebende Gott die Übersicht über unser ganzes Leben hat. Er will es so lenken, dass wir das ewige Leben, das ewige Glück bei Ihm erreichen. Vielleicht sind dabei unsere Wünsche hinderlich. Kinder, denen man alle Wünsche erfüllt und keine Grenzen setzt, geraten in die große Gefahr des Egoismus. Deshalb sollen wir aber nicht aufhören, den Vater im Namen Jesu zu bitten (Mt 7,7f; Joh 14,13f; 15,7f; 16,23f) – aber eben nach seinem Willen (Mt 6,10), da Er am besten weiß, was für uns gut ist.
Die Frage nach einer Reaktion Gottes auf unsere Bitten erfordert Geduld wie auch der Herr Geduld, mit uns sündigen und schwachen Menschen hat. Oft ist es ja so, dass uns alle möglichen erlaubten und unerlaubten Freuden mehr interessieren als Gott selbst. Gerade in diesen Prüfungen ist es unerlässlich, Gott unsere Treue und damit unsere Liebe zu zeigen, indem wir uns nicht von unseren Leidenschaften fortreißen lassen.
Wesentliche allgemeine Richtlinien erhalten wir von Gott in der Hl. Schrift und durch die Kirche:
Denken wir hier besonders an die 10 Gebote und den Katechismus. Gottes Größe können wir in der Schöpfung bewundern.
Aber die wichtigste Antwort Gottes auf das Flehen der verlorenen Menschheit war und ist die Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus. Er teilte unser Leben – angefangen als kleines Kind bis zu seinem bitteren Kreuzestod. Ihm ist kein menschliches Leid fremd außer der Sünde (Hebr 4,15). Jesus gab sein Leben als guter Hirte freiwillig für uns am Kreuz. Nach drei Tagen ist Er auferstanden in Herrlichkeit und den Frauen, den Aposteln und Jüngern erschienen. Damit hat Er sein Leben und seine Botschaft beglaubigt. Dies war nur Jesus Christus als wahrem Gott und wahrem Menschen möglich. Wahrer Mensch, weil Er Hunger hatte und um Lazarus weinte; weil Er gelitten hat und gestorben ist. Wahrer Gott, weil Er Tote erweckte, Kranke heilte, die Brotvermehrung bewirkte und auferstanden ist.
Uns wird die Versöhnung mit Gott in der Kirche durch die Taufe und in der Beichte geschenkt. Ja noch mehr: in jeder hl. Messe macht sich Christus, der ewige Sohn Gottes, ganz klein und wandelt Brot und Wein in Seinen Leib und Sein Blut.
Dies wollen wir zum Anlass nehmen, dem dreifaltigen Gott zu danken und Ihn zu loben, da dieser Teil des Gebetes gerne vergessen wird. Dazu eignet sich besonders das folgende Gebet:
„Ich bete Dich an, o mein Gott, denn Du bist die Allmacht der Liebe und ich preise Deine barmherzige Güte.“
In der Anbetung schenken wir Gott unser Herz, der sich uns in Jesus Christus ganz geschenkt hat: als Kind in Bethlehem, als Sterbender am Kreuz, auf dem Altar während der hl. Messe und bei der hl. Kommunion. Achten wir ganz besonders darauf, dass es keine Oblate mehr ist, die wir bekommen, sondern dass wir wahrhaft Jesus Christus unseren Herrn und Gott in der hl. Kommunion empfangen. Der hl. Cyrill von Jerusalem schreibt in seiner fünften Mystagogischen Katechese (Predigt über die hl. Eucharistie), dass der kleinste Teil der gewandelten Hostie unendlich viel mehr wert ist als Goldstaub (V. Mystagogische Katechese, Nummer 21). Deshalb müssen wir aufpassen, dass nichts davon verloren geht, wofür sich die Mundkommunion am besten eignet.
„Ich bete Dich an, o mein Gott, denn Du bist die Allmacht der Liebe und ich preise Deine barmherzige Güte.“
Gott, die Allmacht der Liebe macht sich so klein und ist so demütig, um bei uns zu sein, um in unser Herz zu kommen. Er ist voller barmherziger Güte, weil Er für uns Mensch wurde und am Kreuz gestorben ist. Es sind also keine leeren Worte, sondern in diesem Gebet drückt sich die volle Wahrheit der Lebenshingabe Jesu Christi aus:
Es gibt keine größere Liebe, als wenn man sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh 15,13), was Jesus für uns getan hat. Dieses Opfer findet seine Vollendung in der Auferstehung; seine Gegenwärtigsetzung und Erneuerung in jeder hl. Messe. Dafür können wir Ihm nicht genug danken durch unsere Anbetung und durch unser Kommen. Wichtig dabei ist zu wissen, dass der dreifaltige Gott uns nicht braucht, da Er unendlich glücklich ist, wir aber Seiner Liebe und Barmherzigkeit bedürfen, die Er uns gerne schenkt.
Gott der Vater hat uns durch den Sohn im Hl. Geist ohne unser Zutun erschaffen und erlöst. Er will uns aber nicht ohne uns retten, da Er unsere Freiheit achtet. Der unendlich glückliche Gott lässt uns an Seinem Glück und Seiner dreifaltigen Liebe teilhaben, deshalb schenkt Er sich uns verborgen in den Sakramenten:
In der Taufe nimmt Er in uns Wohnung, in der Beichte verzeiht Er uns die Sünden, in der Kommunion kommt er zu uns in Seiner Gottheit und Menschheit verborgen in der gewandelten Hostie. Er ist wahrhaftig gegenwärtig in Seiner Liebe und Güte.
Das ist Seine konkrete und unüberbietbare Antwort auf unsere Bitten und auf unser Flehen: der ewige Gott schenkt sich uns selbst in der hl. Kommunion.
Unsere Sorgen verschwinden dabei nicht immer, aber wir dürfen sicher sein, dass sie beim Herrn gut aufgehoben sind. Jesus kennt diese Sorgen als Gott und hat sie erlebt als Mensch. Er trägt sie mit uns, bis wir unser Ziel bei Ihm erreicht haben. Denken wir daran, das Gebet nicht nur als Notnagel zu missbrauchen, wenn wir nicht mehr weiterwissen oder weiterkönnen, sondern als Fundament für unser Leben. Das Gebet und die hl. Messe an Sonn- und Feiertagen sind die Grundlage unserer Gottesliebe, die wiederum durch die Nächstenliebe ihre Bestätigung finden muss.
Jesus sagt uns immer wieder, wir müssen beten (Mt 6,5-15: Vater unser), verzeihen (Mt 18,22: siebenundsiebzigmal; Lk 23,34: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun) und lieben (Joh 15,9-17: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe; Mt 5,44:Feindesliebe).
Danken wir und preisen wir den dreifaltigen Gott für alles, was er uns schenkt, immer wieder mit den Worten: „Ich bete Dich an o mein Gott, denn Du bist die Allmacht der Liebe und ich preise Deine barmherzige Güte. Amen“

P. Andreas Hirsch FSSP

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