„Barmherzigkeit ist die einzig wirkliche und letzte Gegenkraft gegen die Macht des Bösen“ (hl. Johannes Paul II.)

Am Abend des 14. Juli, das ist der Tag, an dem die Franzosen ihren Nationalfeiertag begehen, raste ein LKW auf einer Straße von Nizza in die feiernde Menschenmenge. Auf der Strecke blieben 84 Tote, darunter auch Kinder und mehr als 50 Schwerverletzte, bevor der Täter von der Polizei erschossen wurde. Die Beweggründe des Terroristen, ein Mann mit tunesischen Wurzeln, sind noch nicht restlos aufgeklärt.
Was ist in den Menschen in Nizza, in Frankreich und im übrigen Europa vor sich gegangen? Die Medien berichteten von Fassungslosigkeit über das abgründig Böse im Täter und über Wut gegen sorglose Staatsorgane. Sehen wir einmal von dem üblichen Solidaritätsritual und den Beileidsbekundigungen der Politiker ab, die nur schlecht ihre Hilflosigkeit gegenüber dem Terror verbergen. Sie können die lähmende Angst unter den Menschen nicht mehr eindämmen.
Die Angst vor dem Terrorismus, der jeden, jederzeit und überall treffen kann, breitet sich in ganz Europa, vor allem in Deutschland, wo das Sicherheitsbedürfnis besonders ausgeprägt ist, aus. Einen Tag (13.7.) vor dem Terrorakt in Nizza wurde in Deutschland die Langzeitstudie „Die Angst der Deutschen“ veröffentlicht. Sie ist seit 25 Jahren ein wichtiger Stimmungsbarometer über die Sorgen der Deutschen. Erstmals seit einem Vierteljahrhundert benannten die befragten 2500 Bürger die Angst vor dem Terror (73%), vor politischen Extremisten (68%), vor Spannungen durch Zuzug von Ausländern (67%) und die Überforderung der Politiker (65%) als wichtiger als ihre persönlichen Sorgen mit Geld, Gesundheit oder Umweltschutz. „Die Menschen haben ein gutes Gespür für Veränderungen und Probleme der Gesellschaft“ meint der Heidelberger Politikwissenschaftler Prof. Manfred Schmidt. Weiter: „die Menschen denken, dass die Politik die Kontrolle verloren hat“. Fast die Hälfte der Befragten geben der „Politik die Schulnote Fünf oder Sechs“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 13.7.).
Ob zu den Äußerungen der Menschen in Nizza auch ein innerer Aufschrei zu Gott hinzugekommen ist, erfuhren wir nicht. Die Menschen in Frankreich leben, wie im übrigen Westeuropa, so, als ob es Gott nicht gäbe. Sie brauchen ihn scheinbar nicht. Er hat mit ihrem Alltag nichts zu tun. Jetzt erleben wir, dass „ohne Gott alles möglich ist“.
„Dem Menschen von heute ist die Sorge um das ewige Heil fremd geworden“, heißt die Überschrift zu einem Interview mit Papst Benedikt XVI. (Tagespost 22.3.16). Wenn trotzdem in Nizza und anderswo die Frage nach Gott auftaucht, ist es eher die „warum lässt ein barmherziger Gott das alles zu?“. Der Papst formuliert im genannten Interview so „nicht mehr der Mensch glaubt, der Rechtfertigung vor Gott zu bedürfen. Er ist der Meinung, dass Gott sich rechtfertigen müsse, angesichts alles Schrecklichen in der Welt und angesichts aller Mühsal des Menschseins, das letztlich doch alles auf sein Konto geht.“ Der Papst sagt im gleichen Interview „es ist für mich ein Zeichen der Zeit, dass die Idee der Barmherzigkeit Gottes immer beherrschender in den Mittelpunkt rückt“ und Benedikt beruft sich in seiner Meinung auf Johannes Paul II., der „aus seiner Lebenserfahrung heraus“, sagt, „dass die Barmherzigkeit die einzig wirkliche und letzte Gegenkraft gegen die Macht des Bösen“ ist. Und diese Barmherzigkeit, die von Gott kommt, übertrifft jede Macht die vom Bösen stammt.

Hubert Gindert

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