Der Staat ist dem Schutz der Kinder und der Familien verpflichtet! Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

gemäß unserer Verantwortung als Eltern, Großeltern, Verantwortliche in Kirche und Gesellschaft dürfen wir auf folgende größte Besorgnis weckende Gefahren hinweisen.
In Kitas werden Kuschelecken eingerichtet, in denen Kinder ihre Sexualität erfahren können.
Im Internet fand sich folgender Text:
„Rollenspiele mit sexuellem Inhalt sind ein wichtiges Übungsfeld für Kinder im Kontakt mit Gleichaltrigen. Doktorspiele, Vater-Mutter-Kind-Spiele oder andere sexuelle Rollenspiele ermöglichen zum einen, gemeinsam auf Körperentdeckungsreisen zu gehen, und zum anderen, aktiv mediale Einflüsse zu verarbeiten und spielerisch umzusetzen. Zudem fördert das Sich-Ausprobieren-Dürfen in unterschiedlichen Rollen das Selbstständigwerden“ (http://www.kindergarten-heute.de/zeitschrift/hefte/inhalt_lesen.html?k_beitrag=2325871).
Wir meinen: Zur Entwicklung der Persönlichkeit gehört ganz besonders auch die Respektierung ganzheitlicher (körperlich-seelischer) Intimbereiche.
In einer Elterninformation der 4. Jahrgangsstufe wurde deutlich, dass Kinder mit Büchern konfrontiert wurden, die mit verführenden Comics gestaltet sind, die viele Formen der Verhütung präsentieren, Intimität und Tabus verletzende Methoden empfehlen und beliebige Sexualpraktiken präsentieren. Dabei wird der Wortschatz der Kinder mit obszönen Ausdrücken „bereichert“. (vgl. TOTAL NORMAL, Beltz-Verlag, Weinheim). Es ist nicht auszuschließen, dass die Schüler ideologisch aufbereitetes Unterrichtsmaterial erhalten.
Es kann nicht sein, dass Schulen durch die Macht des Staates zum verlängerten Arm pornographischer Produktionsstätten oder ideologisch orientierter Pressure-Groups werden. Es wird nicht ausbleiben, dass durch Bearbeitung von Lückentexten, geforderten Zeichnungen und durch aufgezwungene Teamarbeit viele Kinder „enthemmt“ werden und empfindsame und religiöse Kinder seelisch verletzt und Familien diskriminiert werden. Hier ist der Staat dem Schutz der Kinder und Familien verpflichtet. Das natürliche Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, ihr Recht auf die Vermittlung auch religiös fundierter Werte setzt der Bildungsplanung des Staates deutliche Grenzen. Damit verbunden ist selbstverständlich die Identifikation der Kinder mit der ihnen von der Natur vorgegebenen Geschlechtlichkeit und die Bedeutung der Geschlechtlichkeit für die verantwortliche Zeugung von Kindern in der Ehe, der die ausschließliche Liebe zwischen Mann und Frau zugrunde liegt. Und wenn es um Toleranz geht, muss klar sein, dass die Toleranz den Menschen gilt. Was aber falsch ist, darf nicht als richtig bezeichnet werden; was unsinnig ist, nicht als sinnvoll, und was unsittlich, nicht als sittlich.
Wenn es um die Sexualkunde geht, müssen jedenfalls die Eltern genau von den Lehrerinnen oder Lehrern über Inhalt und Methoden der Vermittlung informiert werden, und, wenn Eltern nicht damit einverstanden sind, muss dies respektiert werden. Hier ist der demokratische Staat zur Toleranz verpflichtet.
Wir wissen die Demokratie als die den Menschen immer noch angemessenste Staatsform zu schätzen. Wir wissen, dass das Fundament unserer Gesellschaftsordnung in der Verfassung verankert ist. Der Verfassung sind alle Staatsorgane verpflichtet. Wenn sich Parlamentarische Mehrheiten über die Verfassung erheben und Teile der Verfassung aushebeln, erleidet die Demokratie Schäden, deren Folgen für den Augenblick nicht übersehbar sind. Inzwischen wissen wir, dass das Zusammenspiel von Parlament, Exekutive und Verfassungsgericht mit dem Konstrukt einer grundsätzlich rechtwidrigen aber straffreien Abtreibung der Gesellschaft erheblichen Schaden zugefügt hat und weiterhin zufügt.
Wir wissen auch, dass die Beseitigung nahezu aller Tabus im sexuellen Bereich unglaublich viele Menschen ins Unglück getrieben hat, Menschen erniedrigt und versklavt hat. Ist es ein Ruhmesblatt für Deutschland, wenn man es als größtes Bordell der Welt bezeichnet?
Drei Gedanken aus der Rede von Papst Benedikt XVI. vor den Abgeordneten in Berlin möchten wir erwähnen und an die Vernunft erinnern.
„In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen.“
„Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganzes ist ein großartiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit.“
„Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis.“
Ein sehr spezielles Thema, das aber die Zukunft in den Familien und der Gesellschaft betrifft, veranlasst uns, Ihre Aufmerksamkeit auf die Sexualerziehung der Kinder in den Schulen zu lenken.

Im BayEUG heißt es:
Art. 1 Bildungs- und Erziehungsauftrag
(1) Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen.
Sie sollen Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden.
Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung, vor der Würde des Menschen und vor der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt.
Die Schülerinnen und Schüler sind im Geist der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinn der Völkerversöhnung zu erziehen.
(2) Bei der Erfüllung ihres Auftrags haben die Schulen das verfassungsmäßige Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder zu achten.

In Art 48 wird die Sexualerziehung aufgegriffen:
Art. 48 Familien- und Sexualerziehung
(1) Unbeschadet des natürlichen Erziehungsrechts der Eltern gehört Familien- und Sexualerziehung zu den Aufgaben der Schulen gemäß Art. 1 und 2.
Sie ist als altersgemäße Erziehung zu verantwortlichem geschlechtlichen Verhalten Teil der Gesamterziehung mit dem vorrangigen Ziel der Förderung von Ehe und Familie.
Familien- und Sexualerziehung wird im Rahmen mehrerer Fächer durchgeführt.
(2) Familien- und Sexualerziehung richtet sich nach den in der Verfassung, insbesondere in Art. 118 Abs. 2, Art. 124, Art. 131 sowie Art. 135 Satz 2 festgelegten Wertentscheidungen und Bildungszielen unter Wahrung der Toleranz für unterschiedliche Wertvorstellungen.
(3) Ziel, Inhalt und Form der Familien- und Sexualerziehung sind den Erziehungsberechtigten rechtzeitig mitzuteilen und mit ihnen zu besprechen.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Wir bitten Sie, dafür zu sorgen, dass die Kinder in den bayerischen Schulen weder im geistigen Bereich sexuell belästigt werden noch ideologisch sexuell geprägt werden. Als katholische Staatbürger dürfen wir unsere politischen Vertreter auf die Aussagen der katholischen Kirche zu Ehe und Familie und damit zusammenhängend zum Verständnis der Sexualität hinweisen. Die Enzyklika „Humanae vitae“ hat an Bedeutung nichts verloren. Ebenso verweisen wir auf die Konzilskonstitution „Gaudium et spes“ (Vatic. II) zu Ehe und Familie, die Erklärung des Konzils „über die christliche Erziehung“, die Enzyklika von Joh. Paul II. „Familiaris consortio“ und die Exhortatio von Papst Franziskus „Amoris laetitia“. Katholische Kinder haben das verfassungsgemäße Recht, dass ihre auf dem Glauben beruhende Ethik in der Schule respektiert wird.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Letztlich wird die Zustimmung katholischer Wähler zur Regierungspolitik auch davon abhängen, ob und wie der Verfassungsauftrag wahrgenommen wird.
Diesen Brief werden wir zusammen mit Ihrer Antwort in unseren Publikationsorganen veröffentlichen.

Landsberg, 19.06.2016

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Stumpf für das Forum Deutscher Katholiken

PS. Einen Abdruck dieses Schreibens erhalten die bayerischen Bischöfe.

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