„Politik ist eine der höchsten Formen der Nächstenliebe“ (sel. Paul VI.)

Die römische Glaubenskongregation hat das Schreiben „Die Kirche verjüngt sich“ (Ecclesia juvenescit) herausgebracht. Es will die „neuen geistlichen Gemeinschaften tiefer in der Kirche verankern“ und den Wind des Heiligen Geistes spürbar werden lassen. Das ist zweifellos insbesondere für Westeuropa, vor allem aber auch für Deutschland notwendig, wo sich mittlerweile 80% der 18- bis 34-jährigen (Generation What) ihr Glück komplett ohne Gott, aber nur zu 50% ohne Internet vorstellen können (Tagespost 16.6.16).
Ob die neuen geistlichen Gemeinschaften neuen Schwung in die Pfarrgemeinden bringen, wird auch davon abhängen, ob sie Raum bekommen, um sich entfalten zu können. Manchmal sind die Reserven in den Pfarreien so ausgedünnt, dass die eigene Kraft für einen Neuanfang nicht mehr ausreicht. Die Wirksamkeit dieser Gemeinschaften hängt auch davon ab, ob sie die Kriterien erfüllen, die der Präfekt der Glaubenskongregation für die neuen Gemeinschaften bei der Vorstellung des Schreibens genannt hat. Kardinal Müller nannte u.a. den „Einsatz für die missionarische Ausbreitung des Evangeliums, die Wertschätzung und Anerkennung der anderen Charismen in der Kirche und die Zusammenarbeit mit ihnen sowie die soziale Dimension der Evangelisierung“.
Die neuen geistlichen Gemeinschaften richten sich an alle, vor allem an die Jugendlichen. Die Jugend ist, wie immer wieder festgestellt wird, die Zukunft der Kirche und Gesellschaft. Insofern ist die „soziale Dimension der Evangelisierung“, auch der sogenannte „Weltauftrag“ nicht ein Anhängsel der missionarischen Aufgabe. Dieses Einmischen in Gesellschaft und Politik fordert die Kirche, „weil Politik eine der höchsten Formen der Nächstenliebe ist“ (Papst Paul VI.). Kann es gelingen, die Visionen, Sehnsüchte und Hoffnungen der Jugendlichen mit der Botschaft Jesu zusammenzubringen? Das ist nicht leicht, weil die Marketingstrategen der Wirtschaft und Unterhaltungsindustrie die Begriffe, die für Jugendliche faszinierend sind, längst gekidnappt und mit ihren Glücksversprechen angefüllt haben. Trotzdem kann es gelingen, wie Weltjugendtage und Treffen von Jugendlichen immer wieder zeigen.
In der Fülle der Ereignisse verdient die Volksabstimmung (Brexit) über den Verbleib der Briten in der EU, unabhängig von ihrem Ausgang, Aufmerksamkeit. In der Kommentierung standen die wirtschaftlichen und politischen Folgen im Vordergrund. Die Briten haben seit 1973 viele Ausnahmen von den gemeinsamen Regeln erkämpft. War „Brexit“ nur Ausdruck der britischen Krämerseele? Die Aufschrift auf dem Plakat der EU-Gegner „We want our Country back – Wir wollen unser Land zurück“ drückt das nicht aus. Es meint eher ein Gefühl: Wir wollen nicht bevormundet werden von den Eurokraten in Brüssel, die manchmal ohne ausreichende Legitimation in die Länder hineinregieren und der Debatte ausweichen, was sinnvollerweise Sache der nationalen Politik und was Sache der EU sein sollte. Es sind nicht nur die Briten, die „ihr Land zurück wollen“. Dieses Gefühl breitet sich auch in Polen, Ungarn und anderen Ländern der EU aus. Es gibt Politiker, die gut wissen, wie Menschen durch Furcht, Gewalt und wirtschaftliche Vorteile beeinflusst werden können. Manche Politiker erkennen aber offensichtlich nicht, dass Emotionen, Selbstachtung, Patriotismus und Ideale mächtiger sein können als wirtschaftliche Vorteile. Wir müssen wieder zum Geist der Gründergeneration zurückfinden!

Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im August/Septemberheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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