Reformer und Wegbereiter in der Kirche Oswald von Nell-Breuning 1890 – 1991

„Der Wein und die Wahrheit sind sich sehr ähnlich, weil man mit beiden anstösst …“ (Moritz Gottlieb Saphir)
Oswald von Nell wurde am 8. März 1890 in Trier geboren und verstarb am 31. August 1991 in Frankfurt am Main im Alter von 101 Jahren. Den Namenszusatz von „Breuning“ erhielt er von seinem kinderlos verbliebenen Onkel, sah sich der Tradition der Familie verpflichtet und überließ diese Namens-Erweiterung seinem Neffen und dessen Familie. Die 1803 säkularisierte Benediktinerabtei „Sankt Matthias“ erbte er von seinen Eltern (sein Bruder übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb samt Weingut), sorgte jedoch vor seinem Eintritt in den Jesuitenorden dafür, dass die Benediktiner ihre Abtei wieder bekamen. Dies entsprach seinem Sinn für Gerechtigkeit. 1910 trat er in Innsbruck in die „Gesellschaft Jesu“ ein und fand nach Abschluss aller Studien seine seelsorgerliche und lehrberufliche Erfüllung im Dienst als Professor vor allem in „Sankt Georgen“. Als Nestor der Katholischen Soziallehre, trug er maßgeblich zur päpstlichen Enzyklika „Quadragesimo anno“ (1931) und damit der Aktualisierung der Sozialprinzipien bei. Daneben galt er zeit seines Lebens als „ein viel gefragter Berater von prominenten Politikern, Gewerkschaftern und Unternehmern“, aber auch als treuer geistlicher Begleiter von Ordensfrauen und Kindern. In seiner Soziallehre hatte er immer das Gemeinwohl der ganzen Gesellschaft im Auge, so wenn er sagte: „Diejenigen, die Beiträge zahlen, empfangen ja nicht ihre Beiträge zurück, wenn sie alt geworden sind. Durch die Beiträge haben sie nicht die Rente erdient, sondern durch sie haben sie erstattet, was die Generation zuvor ihnen gegeben hat. Damit sind sie quitt. Die Rente, die sie selbst beziehen wollen, die erdienen sie sich durch die Aufzucht des Nachwuchses. Wer dazu nichts beiträgt, ist in einem ungeheuren Manko“ (Oswald von Nell-Breuning, 1980 auf dem Seniorenkongress der CDU).
Nur wenig bekannt ist, dass gegen ihn am Ende der NS-Zeit wegen angeblicher „Devisenvergehen“ strafrechtlich ermittelt wurde. Ihm wurden die bürgerlichen Ehren-Rechte aberkannt (was in Trier u.a. dazu führte, dass sein Abiturzeugnis im Archiv des FWG – wo auch Karl Marx und Joseph Höffner ihren Schulabschluss erlangten – unauffindbar ist). Er galt ab 1943 wohl als eine Art „Leibgeisel“, die „anstelle“ von Papst Pius XII. in Haft genommen werden sollte (Eugenio Pacelli verweilte als Nuntius von Berlin anlässlich eines Besuches der Stadt Trier auch bei Familie von Nell). Im Münchener Hauptprozess wurde Pater von Nell-Breuning zu einer Geldstrafe über 500.000,00 RM sowie zu mehrjähriger Haft verurteilt; die Familie überwies den Betrag an die Gerichtskasse, um eine Revision in Berlin auszuschließen, Die Haft musste er (noch) nicht antreten, weil er zweimal vom Arzt für haftunfähig erklärt wurde. Der Jesuit erlebte das Kriegsende körperlich unbeschadet, war aber geistig-seelisch doch erheblich mitgenommen. Vor der Währungsreform erstatteten die Jesuiten der Trierer Familie die „Schuldsumme“.

Einblick in Geist und Leben des Sozialethikers gibt eine „Anekdotensammlung“ von Johannes Arnold, Trier, 2. Auflage ¬ISBN 9783790216226 und das Buch von E. Grein „Oswald von Nell-Breuning Reformer und Jesuit“, St. Ottilien – ISBN 97833830674702; Die Weingüter von Nell in Trier-Olewig und von Nell-Breuning in Kasel im Ruwertal bewahren das Gedenken an ihren Verwandten

P. Michael Böhles CSSp

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