Was fehlt der „Woche für das Leben“?

Morgen am Samstag den 13.4.2013 beginnt die „Woche für das Leben“. Seit 1994 veranstalten die katholische und die evangelische Kirche gemeinsam die „Woche für das Leben“, die ursprünglich eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz DBK zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ZDK war. Zum Abschluss des laufenden Dreijahreszyklus „Engagiert für das Leben“ lautet das Jahresthema 2013 „Zusammenhalt gestalten“.
Es ist von gesellschaftlichen Voraussetzungen und Institutionen die Rede, die notwendig sind, „damit ein lebensfreundliches Miteinander vor Ort gelingt“. Weiter ist in der Programmgestaltung die Frage gestellt, wie Vereine und Verbände organisiert sein müssen, um sich gut mit anderen Partnern im Gemeinwesen zu vernetzen. Es geht um das Miteinander in Familie und Freundeskreis, unter Kollegen und in der Nachbarschaft. Es geht um die sozialen Probleme in unserer Gesellschaft, die bis in unsere Familien hineinreichen.
(Nachzulesen auf www.woche-fuer-das-leben.de/2013/jahresthema-2013)
Anschaulich werden die Schwierigkeiten unserer Gesellschaft geschildert und nach Wegen aus der Krise der Gesellschaft aus der Sicht des Evangeliums gesucht. Soweit, sogut. Gewisse Strukturen sind sicher notwendig, aber sie gehen nicht die wahren Probleme unserer überalterten und zum großen Teil vereinsamten Gesellschaft an. So wichtig es auch ist, sich um die Verbesserung unseres Zusammenlebens zu bemühen, eine der wesentlichen Fragen nach dem Grund unseres gesellschaftlichen Desasters bleibt ausgeklammert. Die Frage nach dem Grund der demographische Katastrophe. Warum sind wir ein sterbendes Volk?
Hier die fünf Punkte, die das Thema der Woche umreissen.
1. Wir treten der Diskriminierung von Menschen entgegen und setzen uns für ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ein.
2. Wir treten für die Rechte von Migrantinnen und Migranten ein.
3. Wir setzen uns für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ein.
4. Wir fördern den Zusammenhalt und das Zusammenleben der Generationen.
5. Wir treten für die Lebensrechte und Lebenschancen behinderter, chronischkranker und pflegebedürftiger Menschen ein.
6. Wir tragen dazu bei, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten und zu schaffen.

Fehlt hier nicht etwas im Themenkatalog dieser „Woche für das Leben“? Hätte es nicht unter Punkt 5 heissen müssen: Wir treten für den absoluten Schutz des Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod in Würde ein? Und hätte dieser Punkt nicht an die erste Stelle gehört, wenn die Kirchen gemeinsam eine Woche für das Leben gestalten?
Müßte von dieser Woche nicht ein mächtiger Impuls gegen die Massentötung im Mutterleib ausgehen; ein flammender Protest dagegen, dass wir unsere Zukunft in Jahrzehnten millionenfach abgetrieben haben, sowie die Erkenntnis, dass die demographische Katastrophe, in der wir uns befinden, der „Fluch der bösen Tat“ ist und die Strafe in sich trägt? Müßte den Menschen in dieser Woche nicht einmal schonunglos die Folgen dieses mörderischen Abtreibens klargemacht werden unter dem Gesichtspunkt des göttlichen Gebotes? Müßte in der „Woche des Lebens“ nicht auch über die „Kultur des Todes“ (sel. Johannes Paul II.) gesprochen werden, über die größten Gefahren für das Leben?
Vor gut 20 Jahren hielt im Herz-Jesu-Stift in Karlsruhe auf Einladung der Oberin Sr.M.Bernardis Weschenfelder Prof.Dr.med. Wanda Poltawska, die 40 über Jahre lang eine der engsten Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II. war und auch lange in Polen seine Ärztin war, regelmäßig Vorträge. Bei ihrem letzten Vortrag, sprach Prof. Poltawska davon, dass der selige Papst in seiner großen Menschenliebe sich niemals drohend geäussert hätte. Nur einmal, als die Engländer 10.000 „überflüssige“ Embryonen „entsorgt“ hatten, habe er mit Tränen in den Augen gesagt, dass Gott die Menschen dafür strafen werde.
Gegen die erneute Abwesenheit des Lebensschutzes im Programm auf der „Woche des Lebens“ haben sich der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht Martin Lohmann, der gleichzeitig Chefredakteur des kaholischen Fernsehsenders K-TV ist, sowie der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz und Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrechts-Gruppen, Hartmut Steeb, mit entschiedenen Worten gewandt. Lohmann sagte, der ursprüngliche Gedanke, dass das Leben vom Beginn bis zu seinem natürlichen Ende unantastbar sei, scheine offenbar immer mehr in Vergessenheit zu geraten. „Jedenfalls steht er nicht mehr ganz unübersehbar im Mittelpunkt.“ (http://kath.net/news/40871)
Hartmut Steeb sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, er halte es für den „größten Menschenrechtsskandal“, dass jährlich in Deutschland mehr als 100.000 Menschen daran gehindert werden, das Licht der Welt zu erblicken. Steeb kann nicht verstehen, dass die Kirchen bei so viel Unbarmherzigkeit diese Menschenrechtsverletzungen erster Ordnung nicht wenigstens einmal im Jahr zum Thema machen. Dem können wir uns nur anschliessen!
Wir wünschen uns ein entschiedeneres und auch energischeres Auftreten der gesamten Deutschen Bischofskonferenz in Sachen Lebensrecht nach dem mutigen Vorbild der us-amerikanischen Bischofskonferenz, wobei wir nicht verkennen, dass einzelne Bischöfe in Deutschland sich doch entschieden äussern. Hier ist vor allem dankbar Bischof Algermissen aus Fulda zu nennen.
Von der „Woche des Lebens“ erwarten wir deutliche und mutige Worte für das Leben von der Zeugung bis zum Tod und damit eine Erfüllung des christlichen Auftrages.

Michael Schneider-Flagmeyer

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2 Antworten auf Was fehlt der „Woche für das Leben“?

  1. Andreas sagt:

    Als damals die Initiative zu dieser Woche ergriffen wurde, kam mir bereits der Verdacht, daß das Thema Lebensschutz entsprechend „kanalisiert“ und damit zunehmend gestutzt und mehr oder minder abgewürgt werden sollte. Das scheint zwischenzeitlich auch erreicht.

    Was mir nicht mehr ganz präsent ist: Wurde diese Woche nicht auch geschaffen, um damit anderen, kirchlich-institutionell weniger rückgebundenen (und darob noch weniger gelittenen) Initiativen das Wasser etwas abzugraben? Weiß da jemand noch was dazu?

    • Mathias Wagener sagt:

      Das stimmt leider, wenn man die einzelnen Punkte betrachtet. Der schwerwiegendste Eingriff, die Tötung im Mutterleib, findet thematisch nicht statt. Das ist doch typisch für die ganze „Entwicklung“.

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