Die Kathedrale von Karaganda. – Was ein weltweites Netz von Helfern möglich macht

Kasachstan liegt in Zentralasien und grenzt im Westen an das Kaspische Meer, im Norden an Russland und im Osten an China. Bis zum Jahr 1990 gehörte der Staat zur Sowjetunion, seitdem ist das Land unabhängig. Die meisten Bewohner gehören dem Islam an, doch rund 26 Prozent der Bevölkerung sind Christen, zumeist orthodoxe, doch gibt es auch eine – allerdings sehr glaubensstarke – Minderheit von rund 200 000 Katholiken (im Jahr 2012). Das Christentum fasste wohl schon im Zweiten Jahrhundert durch römische Kriegsgefangene Fuß. Eine große Zahl an Katholiken kamen auch während der Zeit des Stalinismus nach Kasachstan, hatte Stalin doch in den 1930er-Jahren viele von ihnen hierhin aus dem Europäischen Teil der Sowjetunion umgesiedelt.
Nach der „Perestrojka“ in Russland konnte Papst Johannes Paul II. 1991 einen Apostolischen Administrator für Kasachstan ernennen, der darüber hinaus auch für Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und Turkmenistan zuständig war. Im Jahr 1999 wurde aus der Apostolischen Administratur das Bistum Karaganda als erste Diözese im Land gegründet, sie umfasste Zentral- und Ostkasachstan. Darüber hinaus entstanden drei weitere Apostolische Administraturen. Die Administratur Astana wurde 2003 zum Erzbistum erhoben.
In Karaganda entstand in der Zeit zwischen 2004 und 2012 die wohl beeindruckendste katholische Kathedrale in Kasachstan. Sie gibt einerseits Zeugnis für die Frömmigkeit des Volkes, verweist aber auch auf die brutale Unterdrückung der Menschen in der Sowjetunion, war doch gerade in Karaganda eines der schlimmsten Konzentrationslager des kommunistischen Regimes. So versteht sich die Kathedrale auch als eine Gebetsstätte der Sühne für diese Verbrechen.
Die Baugeschichte dieser Bischofs­kirche ist ein beredtes Beispiel dafür, wie viel mit einem wirklichen Eifer im Dienst für den Herrn erreicht werden kann. Es war ein langer Weg, bis am 9. September 2012 Kardinal Angelo Sodano als Legat des damaligen Papstes Benedikt XVI. in einem feierlichen Gottesdienst die Kathedrale einweihte.
Die Kathedrale ist der Gottesmutter von Fatima als Mutter aller Nationen geweiht, sie soll ein Ort sein, an dem sich die vielen Völker um den Herrn sammeln – und genau das wurde auch schon beim Bau der Kirche deutlich. Die frühere Bischofskirche von Karaganda aus dem Jahr 1980 war kaum als solche erkennbar. Sie befand sich am Rand der Stadt, jetzt aber wurde ein prachtvolles Gotteshaus errichtet, das sich am Kölner Dom orientiert und vom Baustil her neogotisch ist. Der damalige Generalvikar von Karaganda und jetzige Weihbischof der kasachischen Diözese Astana Athanasius Schneider, ein Bischof, der sich sehr um den Bau verdient machte, hatte das Grundstück für die Kirche erworben – am 13. Mai 2003, dem Fatima-Gedenktag. Mag das nicht ein Zeichen dafür sein, dass der Bau der Basilika dadurch unter dem besonderen Segen seiner Patronin stand, der Gottesmutter?
Der Rohbau wurde ab 2004 maßgeblich von Muslimen aus Daghestan, einer russischen Republik im Kaukasus, ausgeführt. Später waren Handwerker und Künstler aus Deutschland, Österreich und Südtirol  am Werk, die nicht vor der großen Entfernung von 5000 Kilometern zurückschreckten, um – ohne großes Aufsehen zu erregen – die Basilika zu erbauen. Spenden für die Kirche gingen aus der ganzen Welt ein. All das ist ein schönes Zeichen dafür, dass Menschen aller Nationen und auch Religionen sich um die Gottesmutter und natürlich auch um Gott selbst scharen.
Die Kirche wurde so zu einem Bauwerk, das wirklich aus der Liebe der Menschen zu Gott entstanden ist; ganz liebevoll wurde alles bis ins Detail gestaltet. Erzbischof Jan Pawel Lenga, der bei der Errichtung der Kathedrale maßgeblich mitgewirkt hatte und bis zum Jahr 2011 Bischof von Karaganda war, lobte in einem Brief vom 8. September 2004, also zu Baubeginn, das Vorhaben des Kirchenbaus sehr und erinnerte daran, dass sich in Russland auch während des kommunistischen Regimes die Menschen „die Formen der echten Volksfrömmigkeit bewahrt“ haben. Sie sollen durch den Bau der Kathedrale weiterhin „gefördert werden.“ Als wahre Gebetsstätte ist die Kathedrale von Karganda so ein Gotteshaus, in dem Christen durch den gelebten Glauben Kraft fürs Leben bekommen und auch so manche Menschen anderer Bekenntnisse – gerade auch aus dem Islam, der ja in Kasachstan die dominierende Religion ist – das Christentum für sich entdecken.
Die Heizung und Erhaltung der Kathedrale wird vor allem durch Spenden finanziert. Über dieses Konto können Sie helfen:
Kontoinhaber: Andrè Charton, 5, chemin Cadet  Rousselle, 88000 Epina, Frankreich, Bank; CIC Epinal
IBAN: FR76 3008 7336 5100 0692 7190 169, BIC: CMCIFRPP
Verwendungazweck: Kathedrale Kasachstan

Raymund Fobes

Foto: (c) privat

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