Wo ist unser Kind? Seelsorge nach Fehl- und Totgeburt.

„Wo ist unser zu früh verstorbenes Kind? Kann es in den Himmel kommen, obwohl es nicht getauft ist? – Es ist doch unser Kind! Es ist ein Mensch!“
Diese Fragen bewegen seit jeher betroffene Eltern.
Nachdem die Theologenkommission die Hypothese des „Limbus puerorum“ verworfen hat und Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika „Evangelium vitae“ feststellt, dass diese Kinder im Angesicht Gottes leben, eröffnen sich für die Seelsorge neue Wege, um einerseits den betroffenen Eltern Trost zu spenden, andererseits sich die Gnaden bewusst zu machen, die durch die Fürbitte dieser bei Gott lebenden Personen für die Familien und die ganze Gemeinde zur Verfügung stehen – wenn diese Kinder darum gebeten werden.
Betroffene Mütter leiden,
sie leiden stillSie reden nicht über ihren Schmerz und ihr Leid. Sie haben einen Schock erlitten und sind über das Schicksal entsetzt. In ihrer Trauer fühlen sie sich einsam und allein gelassen. Sie fürchten Vorwürfe, Neugier und allzu kluge Sprüche. Trost scheint nicht möglich. Vielleicht nagen sogar Selbstzweifel und Schuldgefühle. Mit welchen unaussprechlichen Empfindungen haben sie zu kämpfen, wenn sie glückliche Mütter sehen, die einen Kinderwagen schieben? Können da nicht Neid und Eifersucht auftreten und ein Hadern mit Gott?
Seelsorge nach Fehl- und
Totgeburt beginnt in der Klinik
Die Mutter und ihr Kind werden gesegnet. Ein Name für das Kind wird gesucht. Der zuständige Ortspfarrer hört die Mutter, die Eltern an, er versucht alle Probleme und Sorgen zu verstehen. Wenn die Mutter berichtet, dass sie sich selbst schuldig fühlt, bietet der Priester die Möglichkeit der Beichte und Lossprechung. Nun hat das Kind vergeben, der himmlische Vater hat vergeben. Bleibt noch, dass die Mutter, die Eltern die Gnade Gottes annehmen und ihr Kind ganz in die Hände Gottes legen. Dazu kommen Fragen: Wie kann meine Familie in das ganze Geschehen eingebunden werden? Wie bleiben wir mit unserem verstorbenen Kind über den Tod hinaus verbunden? Ein Grab? Ein Andenken?
Oder nach einer
Abtreibung?
Eine Mutter wird dieses Geschehen nie vergessen. Mit wem kann sie darüber sprechen, wenn ihr Gewissen nicht zur Ruhe kommt? Können die eine Hilfe sein, die der Mutter zur Abtreibung geraten haben oder sie dazu gedrängt haben?

ALfA (Aktion Lebensrecht für Alle) zitiert eine amerikanische Studie www.afterabortion.info/survey2.htm und listet die häufigsten Symptome auf, unter denen Frauen nach einer Abtreibung leiden:
 92,6 % starke Schuldgefühle
 88,0 % Depression
 82,3 % Verlust des
Selbstwertgefühls
 75,5 % Verlust des
Selbstvertrauens
 63,1 % Flashbacks (blitzartige
Erinnerungen an die
Abtreibung im Wachzustand)
 55,8 % Selbstmordgedanken
 50,8 % hysterische
Weinkrämpfe
 46,6 % Alpträume
 40,6 % Konsum von Drogen
 38,6 % Eßstörungen
 36,5 % Alkoholmissbrauch
 5,1 % der 260 Befragten
fühlten einen inneren Frieden

Die Not der Mütter ist sehr groß. Doch wo Menschen trotz aller wissenschaftlichen Gelehrsamkeit keine Wege aus der Not wissen, reicht Jesus seine Hand.
Johannes Paul II. (Evang. vitae 99) schreibt dazu: „Die Wunde in Eurem Herzen ist noch nicht vernarbt. Was geschehen ist, war und bleibt in der Tat zutiefst unrecht. Lasst Euch jedoch nicht von Mutlosigkeit ergreifen und gebt die Hoffnung nicht auf. Sucht vielmehr das Geschehene zu verstehen und interpretiert es in seiner Wahrheit. Falls Ihr es noch nicht getan habt, öffnet Euch voll Demut und Vertrauen der Reue: der Vater allen Erbarmens wartet auf Euch, um Euch im Sakrament der Versöhnung seine Vergebung und seinen Frieden anzubieten. Ihr werdet merken, dass nichts verloren ist, und werdet auch Euer Kind um Vergebung bitten können, das jetzt im Herrn lebt.“
Jeden ersten Samstag im Monat (Herz-Marien-Sühne-Samstag) zelebriert Bischof em. Dr. Walter Mixa in St. Thomas vor der Madonna im Strahlenkranz die hl. Messe in den Anliegen aller Mütter, die den Tod eines Kindes beklagen.

Hansjörg Kreuzer

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