Wenn man die Person Jesu und sein Wort relativiert – Gedanken zum Schutzengelfest.

Zum Schutzengelfest musste ich mir die Predigt eines Priesters anhören, in der dieser zum wiederholten Mal darlegte, dass die Dogmen zeitgebunden sind und nicht alle gleich wichtig.
Ja, dass auch Jesu Rede von den Engeln aus ihrer altorientalischen Zeit heraus verstanden werden müsste trotz der Aussagen des Katechismus der Katholischen Kirche KKK. Heute hätten wir ein anderes Verständnis.
So etwas ist nicht nur hier bei uns von einem Pensionär zu hören, sondern von vielen Kanzeln in Deutschland und anderswo.
Nehmen wir einmal diese Argumentation auf. Wenn ich Jesu Wort als zeitgebunden erkläre, dann mache ich aus Jesus dem Christus, der das fleischgewordene WORT selbst ist, einen Mann seiner Zeit, der nur aus dieser zu verstehen ist, also einen Menschen. Ich würde ihn seiner Gottheit damit entkleiden und das „zeitgebundene“ Dogma von der Gottheit und Menschheit (unvermischt und ungeteilt) in Jesus beiseiteschieben. Damit wäre Jesus ein Mensch wie du und ich gewesen und sein Wort müsste der heutigen Zeit angepasst werden. Und das ist ja auch landauf-landab zu hören.
Inkonsequenterweise hört man das aber von Theologen und Priestern, die andererseits vom „Geist des Konzils“ reden, ohne zu bedenken, dass der Geist des Konzils sich ausschließlich in seinen Dokumenten äußert.
Und dort finden wir die DOGMATISCHE Konstitution über die göttliche Offenbarung ( die Heilige Schrift) „Dei Verbum“, die die ganze Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testamentes als Wort Gottes sieht und damit den Heiligen Geist als den eigentlichen Autor der Heiligen Schrift.
Vor vielen Jahren hörte ich in meinem Urlaub am Bodensee in Hegne über dem Schrein der seligen Sr. Ulrika die Predigt eines noch jungen Pfarrers aus einer großen geistlichen Familie, der sicher kein „Traditionalist“ oder ein „Modernist“ sondern einfach ein tief gläubiger Priester ist, über die Sünde wider den Heiligen Geist, die nicht vergeben wird. Er legte dar, dass diese Sünde die Bestreitung der göttlichen Vollmacht Jesu sei. Ich erstarrte. Nach der Messe ging ich in die Sakristei und fragte den Pfarrer, ob das sein Ernst sei. Er bejahte meine Frage. Ich fragte ihn, ob er sich darüber im Klaren sei, dass damit der größte Teil unserer Theologen und ein großer Teil seiner Mitbrüder verloren ginge?
Auch dieses beantwortete er mit einem schlichten Ja.
Wenn wir die Worte Jesu relativieren und sie nur seiner Zeit zuordnen wollen und damit Jesus zu einem Menschen seiner Zeit gemacht haben, dann haben wir Ihm, der das Wort Gottes an uns selber ist, seine göttlichen Vollmacht bestritten und auch Seine Rede von den Engeln praktisch in den Mythen- und Legendenbereich verwiesen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Priester und Theologen sich dessen gar nicht bewusst sind und damit nicht bewusst und willentlich gegen den Heiligen Geist sündigen, sondern dass ihre Sünde – wie bei vielen von uns – in dem Hochmut besteht, selbst Herr über die Auslegung der göttlichen Dinge, die nur dem Lehramt zusteht, unabhängig von diesem zu sein.
Unser Pensionär, der sicher kein ungläubiger und unfrommer Priester ist, erklärte die Engel als die Kraft Gottes, was ja sicher richtig ist, aber sie dann auch ein wenig oberflächlich vermenschlichte.
Zum Schluss sagte er, er wüsste nicht, ob es Engel gäbe oder nicht. Aber es sei den Gläubigen erlaubt, an sie zu glauben gemäß der Schrift und sie anzurufen.
Wir wollen nicht so handeln. Sondern wir wollen dem Wort Gottes ohne Einschränkung glauben und vertrauen und immer wieder mit den Worten der Tenorarie aus J.S. Bachs Kantate zum Michaelistag beten:

„Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir!
Führet mich auf beiden Seiten,
dass mein Fuß nicht möge gleiten.
Aber lehrt mich auch allhier
Euer großes Heilig singen
Und dem Höchsten Dank zu bringen.“ Amen

Michael Schneider-Flagmeyer
Bild: Schutzengel Pietro da Cortona 1656 (c) Wikipedia

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