Die Grenzen des Lebens übersteigen – Eine Betrachtung zum November

Wenn am 1. November viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen aufsuchen, werden auch solche, die nicht gläubig sind, mit einer Wahrheit konfrontiert, die niemand leugnen kann: Das unausweichliche Ende der irdischen Existenz. Die Geburt Christi, seinen Tod und seine Auferstehung leugnen heute viele. Aber selbst wer dem „Kern aller Versuchung“ erliegt, so Benedikt XVI. – das ist „das Beiseiteschieben Gottes, der neben allem vordringlich Erscheinenden unseres Lebens als zweitrangig, wenn nicht überflüssig und störend empfunden wird“ – kann den Tod nicht infrage stellen.
Für gläubige Christen kommen am Allerheiligentag das Licht von Christi Geburt und der österliche Auferstehungsjubel zu ihrem vollen Glanz. Auf den säkularen Menschen „der die Welt aus Eigenem, ohne Gott, in Ordnung bringen, auf das Eigene bauen, nur die politischen und materiellen Realitäten anerkennen“ will (Benedikt XVI.), bricht mit dem Tod die Katastrophe herein, weil die Imperien, die aus Reichtum, politischer und gesellschaftlicher Macht bestehen, für alle auf Sarggröße schrumpfen.
Der Mensch will leben, lange und gesund. Und scheinbar ist das Leben um uns voller Vitalität. Die Gesundheitsindustrie boomt. Fitness-Zentren schießen aus dem Boden. Nahrungsmittelhersteller preisen den Gesundheitswert ihrer Produkte an. Bio-Artikel sind die Renner. Dennoch, Krankheit und Alter erinnern mit ihrer Gebrechlichkeit an das unausweichliche Ende.
Mutter Teresa hat sich den Schattenseiten des Lebens, der Realität von Elend und Leid gestellt. In Indien, dort wo die Not kaum beachtet wird, war sie präsent. Es war aber nicht nur die materielle Not, die sie gelindert hat. Sie gab den Hilflosen auch die menschliche Würde zurück und ließ sie, häufig zum ersten Mal in ihrem Leben, Liebe erfahren. Wir können fragen, ob in den europäischen Wohlstandsgesellschaften Kinder, die ohne Frühstück zur Schule kommen, beides erfahren: Menschliche Würde und Liebe. Wir können weiter fragen, wie viele alte Menschen in Seniorenheimen oder Kranke in den Kliniken zur obligatorischen Versorgung und Pflege auch emotionale Zuwendung und menschliche Wertschätzung bekommen. Anders ausgedrückt, ob etwas vom Geist der Mutter Teresa in den Gängen und Krankenzimmern spürbar ist oder ob die Rentabilität des Hauses oberste Priorität hat.
Als Christen leben wir in einer Welt des 21. Jahrhunderts, so wie sie ist. Wir brauchen aus ihr nicht auszuwandern. Wir können immer auf die Barmherzigkeit Gottes, auf die wir in diesem Jahr besonders hingewiesen werden, hoffen. Menschen um uns herum, die von vielen Problemen dieser Welt, von Krankheit und Not bedrückt sind, sollten uns anmerken und spüren, dass wir eine begründete Hoffnung haben. Christen richten den Blick über die Gräber hinaus auf das Leben der Heiligen bei Gott.

Hubert Gindert

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