Es bleibt spannend!

Heute feiert Papst em. Benedikt XVI. seinen 86. Geburtstag in aller Stille zusammen mit seinem Bruder in Castel Gandolfo, wo jetzt sicher der volle Frühling eingekehrt ist. Mit Papst Franziskus und der gesamten Kirche gratulieren wir ihm mit vollem und dankbarem Herzen und erbitten Gottes reichen Segen für ihn. Er wird uns immer präsent bleiben und einst als großer Lehrer der Kirche in die Geschichte eingehen. Das kann und darf man heute schon so sagen. Sein Nachfolger selbst spricht von ihm als Lehrer der Kirche.
Besonders freuen wir uns, dass jetzt unter seinem Nachfolger seine Saat aufgeht und dass er das noch erleben darf. Immer wieder beruft sich Papst Franziskus auf seinen Vorgänger im Amt und zitiert aus seinen Ansprachen und Schriften. Dieses wurde heute besonders deutlich, als Papst Franziskus über die noch immer mangelhafte Rezeption des II. Vaticanums sprach.
Inzwischen schiessen die Vermutungen und Spekulationen über eine bevorstehende Kurienreform ins Kraut. Wird das Staatssekretariat entmachtet? Werden die Präfekten der wichtigen Kongregationen wieder aufgewertet gegenüber dem Staatssekretariat? Neue Namen tauchen auf sowie Wünsche und Forderungen. Sogar der gerade ernannte Sekretär des neue Kardinal-Beratergremiums beteiligt sich daran. Befürchtungen werden geäussert, während der Heilige Vater weiterhin die Gläubigen aufruft, dem Heiligen Geist zu vertrauen, der die Bewegung der Kirche ist und dessen lebendig machender Hauch die Kirche vorwärts führt.
Wir wollen uns nicht an den Spekulationen beteiligen sondern an das halten, was schon feststeht. Und fest steht, dass der Heilige Vater ein Gremium von acht Kardinälen aus allen fünf Erdteilen ernannt hat, dessen Mitglieder namentlich genannt wurden. Dieses Gremium hat ausschliesslich beratende Funktion und keine Befugnis, Beschlüsse zu fassen, wie der Vatikansprecher P. Lombardi sogleich betonte. Die Meldung einiger Medien, dass der Papst seine Entscheidungsbefugnus beschränke und damit von seiner „Macht“ liesse, wie das die Telekom-Startseite unter ihren Nachrichten zunächst vermeldete, war also ein Wunschdenken, wie es viele hierzulande sich erträumen. Von Jorge Mario Bergoglio wissen wir nun schon lange, dass er die Entscheidungen mit starkem Willen selbst trifft. Wir hatten hier einen Blick auf eines der wichtigsten Dikasterien der Kirche und seinen in vielen Teilen der Weltkirche sowie in der Kurie ausserordentlich erfahrenen Präfekten geworfen. Die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, kurz Missionskongregation (Propaganda Fide) genannt mit ihrem Präfekten Kardinal Filoni ist eine der einflußreichsten Kongregationen der Kirche, aber hierzulande wenig bekannt. Das wird sich aber sicher ändern; denn inzwischen ist der größte Teil Europas und auch Deutschland zum Missionsland geworden. Wir sehen einen besonderen Sinn darin, dass gerade aus Deutschland der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, zum Mitglied dieser Kardinal-Kommission ernannt wurde, den sehr viele schon als neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz sehen und damit als Nachfolger von Erzbischof Zollitsch im nächsten Jahr. Deutschland, dass im Herzen Europa das (noch) bevölkerungsreichste Land ist mit der größten Wirtschaftskraft, ist aber auch spirituell eines der ärmsten Länder der Kirche geworden, das überinstitutionalisiert und überbürokratisiert im eigenen Saft schmort und seine Situation in der Weltkirche offensichtlich nicht richtig einschätzt. Das machte die jüngst erhobene Forderung des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart nach einem größeren Einfluß der deutschen Teilkirche in Rom deutlich.
Nun, dieser „Einfluß“ ist jetzt mit der Berufung von Kardinal Marx in die neue Kardinalskommission da, wobei wir sicher sein können, dass umgekehrt der Einfluß des Papstes und der Weltkirche auf die deutsche Teilkirche sicher stärker werden könnte und unserer Kirche hier helfen könnte, endlich über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und die Entweltlichung, die Papst Benedikt in Freiburg angemahnt hat und Papst Franzikus weiterhin betont, doch endlich begonnen werden könnte. Kardinal Marx ist sicher klug genug, aus dem ständigen Kontakt mit den Kardinälen aus den anderen Erdteilen sowie aus den Gesprächen mit dem lateinamerikanischen Papst die nötigen Anregungen mit nach Deutschland zu bringen. Wir dürfen seine Berufung zumindest als eine große Chance für unsere deutsche Teilkirche betrachten. Erinnern wir uns daran, dass Bischof Hanke nach der Wahl Bergoglios zum Papst, sofort davon gesprochen hatte, dass die deutsche Teilkirche nun nicht mehr im Mittelpunkt stehen würde, sondern sich nun in die Kette der Weltkirche als ein Glied einordnen müsse.
Seien wir optimistisch im Vertrauen auf den Heiligen Geist, dass der „Bergoglio-Effekt“ auch bleibend Deutschland erreichen wird, denn der Widerstand gegen den Heiligen Geist, von dem der Papst heute sprach, scheint doch hier bei uns besonders groß zu sein, wo man in weiten Teilen der Kirche einen „Geist des Konzils“ als Gespenst bevorzugt.

Michael Schneider-Flagmeyer

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