Pater Markötter: „Jeder Mensch ist uns Bruder.“

Es ist immer wieder erstaunlich, wie entschieden die Vertreter der Kirche in der NS-Zeit für die Menschenrechte eingetreten sind und wie unverfroren-dreist heute dagegen der Kirche eine Kumpanei mit dem NS-System unterstellt wird. Wie viele andere Priester wurde auch der Franziskanerpater Elpidius Josef Markötter wegen einer Predigt bis zum Tode verfolgt.
Josef Markötter stammte aus Südlohn im Münsterland, wo er am 8. Oktober 1911 als Sohn eines Postbeamten geboren wurde. Der fromme und lerneifrige Junge kam in ein Gymnasium der Franziskaner, wo er 1932 das Abitur bestand und dann in den Orden eintrat. Dabei erhielt er den Klosternamen Elpidius. Nach der Priesterweihe kann er an das Missionskolleg der Franziskaner. Als nach Kriegsbeginn am 1. September 1939 das Missions-Kolleg schließen musste, wurde der junge Pater in der Pfarr-Seelsorge eingesetzt. Das Schicksal der polnischen Kriegsgefangenen und der Zwangsarbeiter erregte das Mitleid von Pater Markötter. Deshalb appellierte er in aller Öffentlichkeit an das Gewissen und erklärte in der Predigt, dass jeder Mensch, der nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, unser Bruder ist. Dann wurde er konkret. „Bruder ist uns der Italiener, der Japaner, Bruder ist auch der Engländer, der Pole und auch der Jude.“ Das war für die Aufpasser ein Satz zu viel. Nach wenigen Tagen wurde Pater Markötter wegen Verstoßes gegen das „Heimtückegesetz“ verhaftet. Der Richter lehnte einen von der Gestapo beantragten Haftbefehl ab und ließ den Pater frei. Hätte er ihn doch in ein normales Gefängnis eingewiesen, wo durchaus Überlebenschancen bestanden. Aber die Gestapo verhaftete den Priester sofort nach seiner Freilassung durch den Richter und brachte ihn in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Verschüchtert durch die Rohheit der SS-Bewacher traf er in der Priesterbaracke im KZ-Sachsenhausen ein: Die Brille zerbrochen, das Gesicht blutig geschlagen, die Nase blutend. Trotz der Briefzensur wagte er seinen Angehörigen zu schreiben: „Zeugnis für Christus geben war der Apostel Lebensinhalt und ist auch der unsrige.“ Am 26.09.1941 wurde Markötter mit einigen anderen Priestern in das KZ Dachau überstellt. Dort waren schon 2756 Priester wegen ihrer Pflichterfüllung gefangen. Auch in Dachau war die Behandlung der Häftlinge schlecht, das Essen ungenügend und die Kleidung nicht wintergerecht. Pater Markötter ertrug alles in Geduld und opferte sein Leid auf. An Ostern 1942 schrieb er an seine Angehörigen: „Ich bin Gott dankbar, dass ich sein Priester sein darf.“ Am Fest Peter und Paul, am 29. Juni, sollte er seinen Mitbrüdern die Predigt halten. Schon vom Tode gezeichnet stellte er auf dem Papier das letztlich segensreiche Martyrium der beiden Apostel dar. Er konnte diese Predigt nicht mehr halten. Einen Tag vorher starb er, so dass sein Text den Mitbrüdern am Festtag vorgelesen werden musste.
Pater Markötter hat sein Wirken ganz in Übereinstimmung mit der Kirche ausgeübt. Er kannte die Verurteilungen des Antisemitismus durch Papst Pius XI. vom 25. März 1928 und vom 7. Februar 1934. Warum wollen Historiker und Journalisten diese Fakten nicht zur Kenntnis nehmen? Diese Unwahrhaftigkeit macht die Heldentaten der Priester in den KZs nicht kleiner. Sie behalten ihren Glanz über alle Zeiten hinweg.

Eduard Werner

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