Die heilige Messe – Vorbilder und Vermächtnis des Herrn

Mit diesem Artikel werden wir eine kleine Serie starten, die sich mit der heiligen Messe und ihren Riten beschäftigen wird.Zunächst wollen wir auf die bib­lischen Grundlagen des heiligen Messopfers eingehen. Dafür ist es notwendig, eine kurze Definition der heiligen Messe vorauszuschicken: Die heilige Messe ist die unblutige sakramentale Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Jesu Christi, das dieser als der ewige Sohn aus gehorsamer Liebe dem Vater ein für allemal dargebracht hat, um uns sündige Menschen wieder mit Gott zu versöhnen.Wir finden schon im Alten Testament Vorbilder für das heilige Messopfer. Abel brachte dem Herrn ein Opfer von seiner Schafherde dar und der „Herr schaute mit Wohlgefallen auf Abel und sein Opfer“ (Gen 4,4). Abel hat im Gegensatz zu Kain eine reine Gesinnung, was bei jedem Opfer die Grundlage ist. Es ist wichtig, dass wir die absolute Oberhoheit Gottes in Liebe anerkennen und uns Ihm ganz schenken, indem wir Ihm unseren Eigenwillen abgeben. Ihm verdanken wir alles, ohne Ihn sind wir nichts. Gott ist das reine Wohlwollen und die reine Liebe. Melchisedek, der Priester des Höchsten Gottes (Gen 14,18; Ps 110,4) bringt Brot und Wein als Opfergabe (Hebr 5-7). Der Zusammenhang zur heiligen Messe ist offensichtlich: Die Opfergaben Brot und Wein werden verwandelt in Jesu Leib und Blut. Abraham ist bereit, Gott seinen einzigen Sohn Isaak als Opfer darzubringen, was Gott verhindert (Gen 22). Gott selbst wird diese Liebestat in seinem einzigen Sohn Jesus Christus vollbringen (Joh 3,16), um uns von unseren Sünden zu erlösen. Vor dem Paschafest schlachten die Juden in Erinnerung an die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens die Paschalämmer. Das Paschalamm muss fehlerlos sein. Es gibt sein Leben für die Befreiung des Volkes und wird so zum Vorbild für Jesus Christus, der zur Stunde der Schlachtung der Paschalämmer gekreuzigt wird und sein Leben zur Erlösung der Menschen hingibt.  Im Buch Levitikus erteilt Gott, der Herr, dem Mose Vorschriften für die darzubringenden Opfer, das alttestamentliche Priestertum und den Gottesdienst (Lev 1-8). Der Prophet Maleachi (Malachias) prophezeit im Auftrag Gottes ein nie endendes, reines Opfer (Mal 1,10f; 11,1), das im Kreuzes- und Messopfer Christi seine Erfüllung findet. Nur Er ist als der ewige Sohn in der Lage, sich dem Vater im Heiligen Geist vollkommen hinzugeben, denn Gott ist die Liebe (1 Joh 4,8.16). Das Kreuzesopfer findet seine ewige Fortsetzung im Himmel und ist grundgelegt in der ewigen dreifaltigen göttlichen Liebe. Die Offenbarung des Johannes schreibt vom geschlachteten Lamm (Offb 5), was sich auf Jesus Christus, das Lamm Gottes, und sein Opfer am Kreuz bezieht. Jesus selbst kündigt immer wieder sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung (vgl. etwa Lk 9,23-27; Mt 20,17-19) als Opfer für die Vielen zur Vergebung der Sünden an (Mk 10,45). Darauf werden wir noch genauer eingehen. Ein Vorbild im Neuen Testament für die heilige Messe finden wir in der wunderbaren Brotvermehrung (Mt 14,21-31; 15,32-39). Niemand, der zu Jesus mit ehrlichem Herzen und Reue über seine Sünden hinzutritt, wird abgewiesen. In seiner Eucharistischen Rede (Joh 6,48ff) bezeichnet Jesus sich als das Brot des Lebens, dessen Genuss ewiges Leben bringt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,54). Diese Worte Jesu fordern heraus und verlangen absoluten Glauben. Jesus erfüllt sein Versprechen beim Letzten Abendmahl, am Kreuz und in der heiligen Messe.

In den bisher beigebrachten Schriftzeugnissen steht das Opfer als ein Gott mit reiner Liebesgesinnung dargebrachtes Geschenk im Mittelpunkt. Von menschlicher Seite ist dabei zu beachten, dass wir dieses Geschenk aus den Gaben zurückgeben, die wir von seiner Güte schon zuvor empfangen haben, wobei uns unser Hochmut und Stolz oft stört. Kleine Kinder haben es da einfacher. Sie machen voller Freude ihren Eltern kleine Geschenke, die sie aus den Dingen auswählen, die sie von ihren Eltern bekommen haben. Im Messopfer bringt der Priester, die Kirche und die Gläubigen Jesus Christus dem Vater im Heiligen Geist als lebendiges Liebesopfer dar. Im Unterschied zum Kreuzesopfer, auf das sich jedes Messopfer bezieht, ist diese Hingabe unblutig. Christus ist Opfergabe, Opferpriester – vertreten durch seinen geweihten Priester – und Opferaltar (vgl. Hebr 7-9). Deshalb werden unsere Altäre feierlich geweiht und immer wieder mit Weihrauch in den heiligen Messen geehrt. Es gibt in der heiligen Messe viele Ähnlichkeiten in den Zeremonien mit dem jüdischen Tempelkult. Durch das Zerreißen des das Allerheiligste abschirmenden Tempelvorhangs beim Tod Jesu (Mt 27,51) ging der jüdische Tempelgottesdienst in das Kreuzes- und Messopfer Jesu Christi über. Im Stundengebet (Brevier), das auf die heilige Messe hingeordnet ist, beten wir die alttestamentlichen Psalmen wie die Apostel im Tempel zu Jerusalem, bevor dieser durch die Römer zerstört wurde. Stellen in der heiligen Schrift bei Paulus (Röm 1,25), die sich gegen den Kult äußern, beziehen sich auf den heidnischen Götzendienst.

Jetzt werden wir noch genauer auf das freiwillige Opfer Jesu Christi am Kreuz eingehen, das in der heiligen Messe gegenwärtig gesetzt wird. „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen“ (Joh 10,17f). Jesus ist also kein willenloses Opfer der Hohenpriester und der Römer. Noch im Ölgarten stürzen die Häscher zu Boden, als Jesus ihnen sagte „Ich bin es“ (Joh 18,6). „Ich bin es“ ist die Übersetzung des Gottesnamen Jahwe, den Jesus als wahrer Gott, der eins mit dem Vater ist (Joh 10,30), zu Recht gebraucht. Jesus stirbt freiwillig aus Liebe als Sühnopfer für unsere Sünden (Röm 5,8; 1 Kor 15,3). Gott hat dadurch die Welt in seinem Sohn Jesus Christus aus reiner Liebe mit sich versöhnt (2 Kor 5,19): Christus nimmt alle Sündenstrafen der Menschen durch seinen Tod am Kreuz als Stellvertreter des Menschengeschlechtes auf sich. Hier offenbart sich die unendliche Liebe und Barmherzigkeit des dreifaltigen Gottes.

Das Kreuzesopfer Jesu Christi wird in der heiligen Wandlung gegenwärtig: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (Lk 22,19). „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lk 22,20). Weitere biblische Überlieferungen der Wandlungsworte finden wir bei Mt 26,26-28; Mk 14,22-24; 1 Kor 11,23-25. Sie stimmen bei kleinen unbedeutenden Abweichungen inhaltlich auch mit den in den verschiedenen Riten gebrauchten Wandlungsworten überein. In der Ewigkeit Gottes verbinden sich die Menschwerdung seines ewigen göttlichen Sohnes Jesus Christus mit dessen Hingabe beim Letzten Abendmahl, bei seinem Opfer am Kreuz und in der heiligen Messe. Dieses Opfer setzt sich als die ewige Hingabe des Sohnes an den Vater im Heiligen Geist fort und gründet in der ewigen dreifaltigen Liebe Gottes, wie wir oben schon gesehen haben. In diese ewige Liebe werden wir sündige Menschen durch den dreifaltigen Gott in der Taufe als seine Kinder aufgenommen. Dadurch werden wir in die Lage versetzt, fruchtbar an der heiligen Messe, der Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Jesu Christi, teilzunehmen. Nach einer guten heiligen Beichte dürfen wir sogar Jesus Christus in seinem Leib und Blut in der gewandelten Hostie in seiner Gottheit und Menschheit in unser Herz als Unterpfand des ewigen Lebens empfangen. Wenn wir den unendlichen Gott haben, haben wir alles! Dafür wollen wir Ihm danken: „Ich danke Dir, Herr Jesus Christ, dass Du für mich gestorben bist. Ach, lass Dein Blut und Deine Pein an mir doch nicht verloren sein. Amen.“

P. Andreas Hirsch FSSP

Bild: public-domain

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