Leidenschaft für Christus statt gut bezahltem Job. – Zur Kritik des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an der deutschen Kirche

In dem im September erschienenen Gesprächsband mit Peter Seewald: „Letzte Gespräche“ beklagt der emeritierte Papst Benedikt XVI. in Deutschland einen „etablierten und hochbezahlten Katholizismus, vielfach mit angestellten Katholiken, die dann der Kirche in einer Gewerkschaftsmentalität gegenübertreten“. Durch die Vielzahl bezahlter Mitarbeiter drohe ein „Überhang an ungeistlicher Bürokratie“ zu entstehen. Gleichzeitig kritisiert der emeritierte Papst auch die theologischen Fakultäten in Deutschland. Die Universitätstheologie brauche eine „neue Intensität des Glaubens“. Was der emeritierte Papst Benedikt im letzten anprangert, ist eine verbürgerlichte Haltung kirchlicher Mitarbeiter. Ich glaube nicht, dass der Papst alle über einen Kamm schert. Aber es gibt zweifelsohne diese Haltung, dass man als Mitarbeiter der Seelsorge, ja auch als Priester, nur seinen „Job“ macht. So sagte der Kölner emeritierte Weihbischof Klaus Dick in einem Interview mit dem Kölner „domradio“: „ …  wenn ich nur für fünf Minuten Papst wäre und einen Erlass herauszugeben hätte, dann würde ich den freien Tag für Priester unter Exkommunikation stellen. Und zwar so, wie der freie Tag heute weitestgehend gehandelt wird. Wir kannten diesen Begriff nicht. Wir waren nicht tugendhafter, aber wir waren realistischer. Wir sind nicht Priester geworden, um mal Freizeit zu haben (…) Ich weiß sehr wohl, auch aus eigener Erfahrung, dass Priester Erholung und Entspannung brauchen. (…)  Aber diese Art, dass der freie Tag heute oft wichtiger ist als der liturgische Hochfesttag, das ist für mich der Anstoß schlechthin.“ Weihbischof Dick hat es damit auf den Punkt gebracht. Der große Anspruch, den der heilige Paulus benannte, „allen alles“ zu werden, scheint bei – gut bezahlten – Seelsorgern immer weniger eine Rolle zu spielen. Dabei war aber gerade dieser Seeleneifer grundlegend für die Reform der Kirche – man denke nur an die Erneuerung des Katholizismus nach dem Trienter Konzil, als Bischöfe wie Franz von Sales und Karl Borromäus durch unaufhörliche Missionsarbeit die Menschen zu einem nachhaltigen Bekenntnis des Glaubens bewegen konnten. Diese großen Reformer haben nicht die Stunden gezählt, in denen sie seelsorglich tätig waren. Mir stellt sich allerdings auch die Frage, ob nicht auch die Kritik des emeritierten Papstes an der deutschen Universitätstheologie mit der Verbürgerlichung der kirchlichen Mitarbeiter im Zusammenhang steht. Es gilt sicherlich nicht für alle Universitätstheologen – aber auch in meinem Theologiestudium musste ich immer wieder von Verantwortlichen in der Ausbildung hören: „Vergessen Sie alles, was Sie früher geglaubt haben!“  Theologiestudium als Aufklärung, dass der in der Familie überlieferte Glaube – an die wirkliche Gottessohnschaft Jesu, seine Auferstehung, die Realpräsenz in der Eucharistie  – doch im letzten Anhängen an einen Mythos ist und bei einem „aufgeklärten“ Theologen keinen Platz hat. Jesus Christus ist dann im Grunde ein vorbildlicher Mensch, der eine besondere Nähe zu Gott gelebt hat – aber nicht der „Gottgleiche“, der in seiner Liebe nicht daran festhielt, gottgleich zu sein, jedoch am Ende wieder zurückgekehrt ist zum Vater und vor dem nun alle das Knie beugen sollen, wie es im Hymnus des Philipperbriefs heißt. Der Theologe Hans Urs von Balthasar forderte, die Theologie soll eine „kniende“ sein. – Kniend wegen der Ehrfurcht und Größe Gottes, und ein Knien, das ins Staunen mündet. Diese Haltung brauchen Theologie und Seelsorge heute viel mehr – sodass jene, die in der Verkündigung sind, es eben nicht wegen des Verdienstes tun, sondern weil sie in Christus einen Schatz gefunden haben, der mehr wert ist als jedes Geld, was nicht bedeutet, dass ihnen der notwendige Lebensunterhalt verwehrt werden soll. Aber es soll auch darauf hingewiesen werden, dass es viele Christen gibt, die ohne Entgelt ganz wichtige Dienste im Sinn der Neuevangelisierung leisten – zum Beispiel Eltern, die nicht nur ihre Kinder religiös erziehen, sondern auch gleich noch den Freundeskreis zum Glauben ermutigen – etwa durch die Einladung zum gemeinsamen Besuch der heiligen Messe. Oder Christen, die andere einladen, mit ihnen ins Gespräch kommen und ihnen die Schönheit des Glaubens darlegen. Solche Mitarbeitenden im Weinberg des Herrn  sind unerlässlich, um fruchtbaren Boden für das Christentum zu bereiten – und ich glaube auch, dass hier die Basis liegt, um dem Mangel an geistlichen Berufungen wirksam zu begegnen.

Raymund Fobes

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Novemberheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

 

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2 Antworten auf Leidenschaft für Christus statt gut bezahltem Job. – Zur Kritik des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an der deutschen Kirche

  1. Herbert Klupp sagt:

    So sehr ich die obigen Einschätzungen teile, so sehr ich leide an der Verweltlichung meiner katholischen Kirche, so wenig bin ich bereit, über unseren Priestern den Stab zu brechen. Sie sind, ebenso wie viele lau gewordene Katholiken, Opfer eines geistigen Mainstreams, der das Geistliche weggedrückt hat. Er ist sogar im Begriff, es zu vernichten. Er ist so mächtig, weil er – gut bezahlt und unanfechtbar – in den Redaktionen der bildmächtigen ARD- und ZDF-Kanäle sitzt, und von dort her unser ganzes Land geistig manipuliert auf vielerlei Weise, aber immer gegen Gottes Geist ausgerichtet. Mein „Zorn“ richtet sich eher gegen die „Großen“ in unserer Kirche. Die müßten intelligent genug sein, diesen Verführer und Verdreher zu erkennen, sollten Erkenntnis von oben haben, um die Geister zu unterscheiden, und Rückgrat und Mut genug, um sich dem krankmachenden, antichristlichen Medienstrom zu widersetzen ( auch wenn dann eine „Behandlung“ a la Mixa, Dyba, Krenn usw ins Haus stehen kann ) Mit Kardinal Meisner haben wir schon noch einige wenige von diesem Schlag. Aber die große Mehrheit der Bischöfe ist ganz anders ?

  2. Robert Hupperich sagt:

    Ja, man hat den Eindruck, dass die heutigen Priester dies zum Teil nicht aus Berufung sondern von berufswegen sind. Wenn ich zur Beichte gehe, hab ich manchmal den Eindruck das der Beichtvater denkt, na da ist noch so ein zurückgebliebener Katholik der die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat. Priester sollten Vorbilder sein und im Prinzip immer im Dienst. Aber ich glaube das bei vielen von ihnen die Begriffe Dienst, Dienen, Demut, Ehrfurcht durch die Begriffe Hochmut, Chef (der Pfarrei) sein und Freizeitgestalltung ersetzt wurden.

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