Berühren uns Zeugnis und Martyrium des heiligen Stephanus noch?

Die Geburt Christi schlägt das Tor auf, das über Tod und Auferstehung zum ewigen Leben bei Gott führt. Weihnachten ist keine Idylle. Die Kirche hat schon zwei Tage danach den ersten Märtyrer Stephanus auf den Kalender gesetzt. Mit Bedacht! Stephanus war Diakon und Chef der Jerusalemer-Caritas. Er machte deutlich, dass es der Kirche um mehr als soziale Gerechtigkeit geht. Als Stephanus den Juden die Leviten verlas und ausrief: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes sitzen“, (Apg 7,56) äußerte er unmissverständlich, wo die Hoffnung der Menschen zu finden ist. Das war sein Todesurteil.
Die Steinigung des Stephanus ist uns bekannt. Berührt sie uns noch? Sein Zeugnis hat durchaus mit der Realität von heute zu tun, wenn wir an die Christen denken, die den IS-Islamisten oder den Schindern in Nordkoreanischen Gulags oder in anderen Kerkern ihres Glaubens wegen ausgeliefert sind. Was gibt diesen Christen in solchen Extremsituationen die Glaubenskraft und das Durchhaltevermögen, die menschliches Maß und Vermögen übersteigen. Es ist das Vertrauen auf das Wort Christi „Ich bin immer bei euch“ (Mt 28,20). Das ist der Glaube, der dem Sterben seinen ultimativen, niederdrückenden Schrecken nimmt.
Papst Franziskus hat am 16. Oktober sieben Glaubenszeugen heiliggesprochen. Einer davon ist der fünfzehnjährige José Sanchez del Rio aus Mexiko. Er war Standartenträger der Christeros-Bewegung im mexikanischen Bürgerkrieg. Dieser brach aus, als die Regierung im Februar 1925 die antiklerikalen Bestimmungen umsetzte und eine romunabhängige Staatskirche gründete. Der Zölibat und viele Ordensgemeinschaften wurden verboten. Kirchliches Eigentum wurde beschlagnahmt, religiöse Schulen geschlossen, Priester wurden ins Exil geschickt oder ermordet. In diesem von 1926 bis 1929 dauernden Bürgerkrieg, in dem die Regierung die Armee einsetzte, wurden rund 250.000 Menschen getötet. José Sanchez hatte sich den Aufständischen angeschlossen. Ihr Schlachtruf war „Evviva Christo Rey – es lebe Christus der König!“ Die Anführer der Christeros wollten José zuerst wegen seiner Jugend nicht aufnehmen. Seine Eltern rieten ihm aus gleichem Grund von diesem Schritt ab. José entgegnete: „Es war noch nie so leicht wie jetzt, in das Paradies zu kommen.“ Ein vorschnell, in der geschützten Komfortzone des Elternhauses hingesagtes Wort, oder die Sehnsucht nach einem Leben bei Gott, die uns in Westeuropa unverständlich geworden ist?
Am 5. Februar 1928 wurde José gefangen genommen und brutal gefoltert. Dazwischen wurde er immer wieder aufgefordert, Christus abzuschwören. Als er standhielt, wurden ihm die Fußsohlen aufgeschlitzt. Er wurde zum Friedhof hinausgetrieben, wo er von seinem Taufpaten (!) Raphael Picaro Sanchez, der die Fronten gewechselt hatte, erschossen wurde. Das erinnert an das Wort Christi „sogar von Verwandten und Freunden werdet ihr ausgeliefert werden“ (Lk 21,16). José Sanchez del Rio und mit ihm Tausende von Glaubenszeugen haben uns eine Zuversicht vorgelebt, die Trost, Freude und Siegesgewissheit ausstrahlt. Es ist der Glaube, der den Kerker der Todesfurcht, die Menschen ohne Hoffnung ein Leben lang begleitet, aufsprengt und der mit der Geburt Christi seinen Anfang genommen hat.

Mit den besten Wünschen für
einen gesegneten Advent und
ein frohes Weihnachtsfest

Hubert Gindert und das Team des Forums Deutscher Katholiken

Bild: Wikipedia (Stephanus)

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