Papst Franziskus ist eine Chance

Nach dem großen Benedikt XVI. hat die Kirche mit Papst Franziskus einen neuen Steuermann bekommen, der mutig und kraftvoll agiert. Aber manche Ortskirchen zögern noch, in die Begleitboote einzusteigen. Es liegt eine eigenartige Flaute über dem Land.
Der neue Papst bringt Eigenschaften mit, die ihm das Herz der Menschen guten Willens öffnen: Er geht unkonventionell und mit Herzlichkeit auf sie zu, verkörpert glaubwürdig die Option der Kirche für die Armen. Er liebt wie Franziskus die Schöpfung. Es geht Hoffnung von ihm aus.
Seine Wahl hat die Gegner der Kirche etwas aus dem Tritt gebracht. Das wird nicht so bleiben. Denn das Stück, das auf der Weltbühne gespielt wird, ist das zwischen Gott und dem Widersacher und es ist nicht anzunehmen, dass sich dieser durch die Wahl des Papstes Franziskus bekehrt hat.
Papst Franziskus hat seiner Kirche die Befreiung von allem Ballast, die ihrer Hauptaufgabe Verkündigung des Evangeliums im Wege stehen, also Entweltlichung, verordnet. Die Kirche soll im apostolischen Eifer auf die Menschen zugehen und nicht egozentrisch um sich kreisen. Die andere Zielvorgabe von Papst Franziskus ist die Option für die Armen. Was heißt das und was bedeutet sie für die Ortskirche für Deutschland? Armut bedeutet Mangel, ein Defizit an Lebensnotwendigem. Sie kann ein Mangel an materiellen und an geistlichen Gütern sein. Natürlich gibt es auch bei uns materielle Armut, um die sich der Sozialstaat, karitative Einrichtungen und Gott sei Dank auch Selbsthilfeeinrichtungen kümmern. Aber unvergleichlich größer ist die geistliche Not: Der Mangel an Gespür für den Lebensschutz gegenüber Ungeborenen, Behinderten und auf Hilfe angewiesenen Alten. Weit verbreitet ist die geistliche Not derer, die ohne Lebenssinn existieren, weil sie Gott nicht mehr kennen. Als Kinder haben sie ihn bei ihren Eltern nicht kennen gelernt. In der Schule haben sie etwas über Religionen, aber nicht Gott erfahren. Danach sind sie aus der Kirche, wie aus ihrem Elternhaus, ausgezogen. Jetzt sind sie allenfalls noch kirchliche Randexistenzen. Ist diese gesellschaftlich-religiöse Armut das große Thema der Bischofskonferenzen, der Laienorganisationen, der katholischen Verbände und der Pfarreien?
Wenn die Ortskirche die geistlich-religiöse Armut, für die sie zuständig ist, nicht aufgreift, werden die alten angestaubten Themen, vom Zölibat bis zum Frauenpriestertum etc. etc. bald wieder in den Vordergrund treten, weil die Verfechter ja nicht dorthin gehen, wo sie das alles hätten was sie wollen. Denn sie wissen genau, dass sie dann zugleich die Fleischtöpfe verlieren und in der Bedeutungslosigkeit enden würden. Natürlich braucht die Kirche im Sinne des „Ecclesia semper reformanda“, d.h. der Kirche, die sich immer erneuern muss Reformen. Aber diese müssen geistlicher Natur sein, so wie Franz von Assisi sich zuerst selber bekehrt hat und durch sein Beispiel die Kirche von innen reformiert hat. Mit der Wahl von Papst Franziskus hat auch die Ortskirche erneut eine Chance bekommen. Wenn sie sich dazu aufrafft, kann der Glaube auch im alten Kontinent wieder aufblühen. Ist das nicht der Fall, wandert das Kraftzentrum der Weltkirche weiter in Richtung der Südhalbkugel der Erde ab. Das wäre aber keine schicksalhaft vorgegebene oder von Gott gewollte Entwicklung. Denn Umkehr ist auch heute möglich.

Hubert Gindert
geschrieben für kath.net
dort veröffentlicht am 19.4.13 um 9:00 Uhr

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2 Antworten auf Papst Franziskus ist eine Chance

  1. Ansgar Kneißl sagt:

    Auch im Oberland verteidigen mutige Einzelkämpfer die katholische Kirche. In jeder öffentlichen Diskussion liegt die Gewichtung einer Aussage automatisch bei der Mehrheit. Also müssen wir uns sammeln, so wie es in Italien schon in sehr viel größerem Umfang praktiziert wird. Nur gemeinsam gelingt es uns den Papst zu stützen und das Fundament der Kirche zu stärken. Wir stehen mit dem Papst treu zum unverfälschten Glauben. Die Wenigen, die einem Irrtum bei der Frage „Wer ist Kirche?“ unterliegen kann ein Blick in den Katechismus der katholischen Kirche (KKK) aufklären.
    Vergleichbar mit der Liebe Gottes zu uns Menschen lieben wir unseren Glauben.

  2. Mathias Wagener sagt:

    Mit Recht wird hier ein umfassender Armutsbegriff angesprochen. Viele sind leider schon gar nicht mehr in der Lage, hier etwas anderes als die materielle Armut zu sehen.
    Dass die Zölibatsgegner und Befürworter einer merkwürdigen Frauenordination noch nicht in das protestantische „Paradies“ aufgebrochen sind, verstehe ich auch nicht.
    Es wäre für alle doch das Beste.

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