Nicht gut vorbereitet? Warum uns der Besuch der Bischöfe auf dem Tempelberg noch lange beschäftigen wird.

Es ist viel geschrieben und gesprochen worden über den Besuch der ökumenischen Delegation unter Leitung von Kardinal Marx und EKD-Bischof Bedford-Strohm in Jerusalem und dem Besuch auf dem Tempelberg. Es waren erstaunlicherweise gerade Stimmen aus dem Lager der säkularen Medien, die sonst so viel Verständnis für den Islam und seine Gläubigen und die islamfreundliche Politik der sogenannten Alt-Parteien zeigen, die besonders harte Worte fanden für den Kotau der Bischöfe vor den Muslimen, in dem sie an der Stätte, wo Christus nach der Geburt von seinen Eltern dem Herrn im Tempel dargebracht wurde, wo die Propheten Simeon und Hanna über ihn weissagten, wo Christus lehrte und wo er den Tempel mit einer Geißel von den „Händlern“ reinigte, vor den Muslimen, die den Tempelberg und die beiden großen Moscheen auf ihm bewachen und verwalten, ihre Brustkreuze ablegten. Die Empörung über diesen Schritt der freiwilligen Unterwerfung war im In- und Ausland ungewöhnlich groß. Lange musste man warten, bis die so hart Kritisierten in der Öffentlichkeit reagierten.
Bedford-Strohm bereute gewissermaßen, dass man überhaupt diesen Besuch gemacht habe. „Rückblickend wäre es besser gewesen, den Besuch an diesem Ort zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form nicht zu machen“, sagte Bedford-Strohm. Siehe hierzu:
http://www.n-tv.de/panorama/EKD-Chef-bereut-Besuch-auf-dem-Tempelberg-article19334321.html
Dann redete er sich wie folgt heraus. „In der damaligen Sondersituation am Sukkotfest auf dem Tempelberg und an der Klagemauer hatten wir angesichts einer plötzlich sehr angespannten Situation leider nur die Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen“. Mit dem Tragen des Kreuzes hätte man riskiert, als christliche Bischöfe konfliktverschärfend zu wirken. „Oder wir konnten eben der gut meinenden Bitte unserer Gastgeber nachkommen, ohne Kreuz an die Stätte der jeweiligen Religion zu gehen.“ Beides seien in der unvorhergesehenen Lage schlechte Optionen gewesen, sagte der EKD-Ratschef. Er verwies darauf, dass es ein Jahr zuvor am Tempelberg religiöse Auseinandersetzungen mit Todesopfern gegeben habe. (So laut N-TV) Er bedaure, dass nach den medialen Berichten der Eindruck habe entstehen können, dass die Teilnehmer der Delegation vor den anderen Religionen ihren Glauben verstecken.
Ähnlich äußerte sich Kardinal Marx im Bayerischen Rundfunk. Auf dem Tempelberg und in Jerusalem herrschen nicht erst seit diesen Tagen sondern seit der Gründung das Staates Israel Auseiandersetzungen mit Todesopfern. Dieses heute als Begründung für das Ablegen der Brustkreuze dort ist nichts weiter als Spiegelfechterei und Ausrede. Nur im Gegensatz zu Bedford-Strohm drehte der Kardinal den Spieß um und ging zum Gegenangriff über. Den Vorwurf, man habe sich unterworfen und das Christentum verraten, empfinde er als beleidigend. Nach ihm ginge es darum, nicht zu provozieren. Ist es nicht erstaunlich, dass deutsche Bischöfe das Tragen des Kreuzes auf dem von Muslimen beherrschten Tempelberg als Provokation empfinden? Dafür hatten die Apostel und unzählige der ihnen Nachfolgenden ihr Leben dahingegeben und ihr Blut vergossen. Gerade der Kardinals-Purpur soll seine Träger daran erinnern. Hat er doch die Farbe des arteriellen Blutes.
Wie Adam nach dem Genuss des Apfels vor dem Herrn gleich zwei Schuldige hatte, nämlich Gott und die Frau, die der Herr ihm zugesellt hatte, so hatte auch Kardinal Marx gleich zwei schuldige Gruppen, nämlich die, die das Ganze schlecht vorbereitet hatten und die Millionen von Menschen, die die hehren Absichten der Bischöfe nicht verstanden.
http://kath.net/news/57790
In der „Tagespost“ vom 13.12. lesen wir auf S.4, dass der Kardinal zugestand: „Viele von uns wissen vom Islam wenig.“ Das ist richtig, bedauerlich und unentschuldbar. Schließlich nehmen sie Partei für etwas, von dem sie „wenig wissen“. Außerdem könne man davon ausgehen, so Kardinal Marx, dass besonders im Orient weder Muslime noch Juden eine Vorstellung vom Christentum und der Bedeutung des Kreuzes hätten.
Da fallen einem doch fast die Augen aus dem Kopf, wenn man so etwas liest und kann es kaum glauben. Selbst wenn das so wäre ( was ja nicht stimmt und besonders für das Judentum eine Beleidigung ist), dann wäre es doch die Aufgabe der Bischöfe gewesen, gerade dort besonders für das Kreuz Christi Zeugnis abzulegen. Auch seien die hochwürdigsten Herren daran erinnert, dass die Päpste – zuletzt Papst Franziskus – weder in einer Moschee noch auf dem Tempelberg ihr Brustkreuz abgenommen haben.
Es kommt aber zu all dieser Kritik noch ein besonderer Aspekt hinzu, der sehr wenig oder gar nicht gewürdigt worden ist. Die Unesco hat jüngst dem Tempelberg wiederholt eine ausschließlich islamische Geschichte zugeschrieben und damit ein ungeheuerliche Geschichtsklitterung vorgenommen. Der Islam ist noch keine 1500 Jahre alt, während der Tempelberg und Jerusalem eine viertausend Jahre alte jüdisch-christliche Geschichte hat. Angesichts dieses unglaublichen Vorgangs durch die Kulturbehörde der Vereinten Nationen ist das Verhalten der Bischöfe auf dem Tempelberg und an der Klagemauer besonders schwerwiegend und man muss einfach hier Erkenntnis, Bekenntnis und Entschuldigung ohne Wenn und Aber der betroffenen Bischöfe erwarten. Deshalb ist das Thema noch lange nicht erledigt und ein großer schwarzer Fleck bleibt auf dem Purpur eines Kardinals.

Michael Schneider-Flagmeyer

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3 Antworten auf Nicht gut vorbereitet? Warum uns der Besuch der Bischöfe auf dem Tempelberg noch lange beschäftigen wird.

  1. Mathias Wagener sagt:

    Offenbar steht ein Marx über dem Kreuz, das er beliebig hin-oder abhängt ganz nach Belieben und der Untertänigkeit gegenüber Anderen. Den Rücktritt hielt ich auch für erforderlich, aber in der Überheblichkeit ist es nicht zu erwarten.

  2. Eduard Werner sagt:

    Bei den „Entschuldigungen“ scheint die Notlüge, auch die Israelis hätten die Ablegung des Kreuzes verlangt, gar keine Rolle mehr zu spielen. Michael Wolffsohn kommentierte diese Unwahrheit so: „Die sollen uns nochmal etwas erzählen“. Hier ist die Glaubwürdigkeit verloren.

  3. KH sagt:

    Der Kardinal sollte uns nicht für dumm verkaufen und zurücktreten. Das wäre angemessen.

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