Mitten in der Stadt den Menschen begegnen. Zukunftsträchtige Wege der Evangelisation heute.

Mitten im Zentrum der bayerischen Stadt Ingolstadt befindet sich die gotische Pfarrkirche St. Moritz, in einer Fußgängerzone, umgeben von vielen Geschäften. Es ist also tagsüber immer viel Betrieb auf den Straßen, und auch abends sind etliche Passanten unterwegs. Nicht von ungefähr wurde die St.-Moritz-Kirche auch schon mehrfach ausgesucht, um dort das „Nightfever“ zu veranstalten, wo Jugendliche die Passanten einladen, Christus im Gotteshaus zu begegnen. In Ingolstadt trafen sie in der Kirche in der Fußgängerzone überraschend viele, die gern dieser Einladung folgten.
Jetzt zum Ende des Barmherzigkeitsjahres hat sich Udo Pabst von der Cityseelsorge ein neues Projekt an der Moritzkirche überlegt, um Menschen wieder neu zum Glauben hinzuführen. Es geht darum, die Barmherzigkeit Gottes wieder neu zu entdecken und dadurch auch einen neuen Zugang zum Bußsakrament zu erhalten. Unterstützt wird Pabst, der hauptberuflich als Religionslehrer tätig ist, dabei von zwei Priestern aus Ingolstadt, die auch zu den „Missionaren der Barmherzigkeit“ gehören, die Papst Franziskus ernannt hat. Unter ihnen ist Dr. Lorenz Gadient, Seelsorger am Klinikum Ingolstadt.
Gemeinsam mit Udo Pabst steht immer einer der beiden Priester am Donnerstagabend vor der Kirche. Auf dem Platz befindet sich, umgeben von einigen Kerzen und einer Laterne, ein Schild, auf dem zu lesen ist: „Herzlich willkommen! Hier in der Kirche können Sie zur Ruhe kommen oder mit uns ins Gespräch kommen. Haben Sie ein Gebetsanliegen oder einen Segenswunsch?“
Und im Rahmen seiner neuen Aufgabe hat der Klinikseelsorger da auch schon interessante Erfahrungen gemacht – als etwa jemand zu ihm gekommen ist, der glaubte, seine Sünde sei so schlimm, dass sie gar nicht vergeben werden kann und deshalb auch nie zur Beichte ging. Jetzt aber wurde ihm, so Gadient, die Erfahrung geschenkt, dass alles vergeben ist.
Udo Pabst ging es bei der Entwicklung des Projektes darum, dass die Menschen mitten in der Stadt einen Ort der Barmherzigkeit entdecken. Auch er hält sich draußen gemeinsam mit dem Priester auf, der an diesem Abend für Gespräche zur Verfügung steht. Wer dann mehr erfahren will, kann die beiden gern ansprechen. „Oder auch wir gehen auf die Menschen zu, die Interesse an dem Plakat haben, und laden sie persönlich ein“, sagen Pabst und Gadient Das Ziel ist: „Die Kirche soll zu den Menschen gehen und nicht warten, bis sie kommen.“
Das Ingolstädter Projekt ist nur eines von vielen anderen ähnlichen, die es in der Kirche gibt, um Menschen durch die Präsenz von Seelsorgern wieder neu für Christus zu gewinnen. Im Erzbistum Köln ist sogar ein Bischof in diesem Sinn ganz aktiv geworden. Weibischof Ansgar Puff, der seine geistliche Heimat im Neokatechumenat hat, bietet auf den Stufen der Kölner Domtreppe jeden Montag zwischen 17.30 Uhr und 18.15 Uhr (zur Zeit Pause bis 27. 3. 2017) eine „Outdoor-Sprechstunde“ an, die auch in die Beichte münden kann.
Und auch Pfarrer Andreas Süß, der Mitbegründer des „Nightfevers“, hat in seiner Pfarrgemeinde Bensberg bei Köln eine Aktion gestartet, um den Menschen Christus und seine Kirche nahezubringen. An jedem Donnerstag kann man dem Pfarrer oder einem anderen aktiven Mitglied seiner Pfarrei um die Mittagszeit auf dem dortigen Marktplatz begegnen. Dazu werden extra ein Sofa und ein Stehtisch auf den Platz gekarrt. Manche kommen nur, um ein Selfie mit dem Pfarrer zu machen, aber es entwickelt sich auch so manches tiefe geistliche Gespräch.
Zurück nach Ingolstadt: Hier ist das Projekt zwar zum Abschluss des Barmherzigkeitsjahres erst einmal an ein Ende gekommen, aber aufgrund guter Erfahrungen – so Pfarrer Lorenz Gadient und Udo Pabst – ist eine Weiterführung nicht ausgeschlossen. Denn beide sind der Auffassung, dass dieser Weg der Evangelisation ganz wichtig für die Kirche ist.
Auch wenn es durch solche Projekte sicher nicht zu einem schnellen Wandel kommt, höhlt der stete Tropfen doch den Stein. Und Jesus selbst hat das Wachsen des Gottesreiches ja auch nie mit prasselndem sich raschen ausbreitendem Feuer verglichen, sondern er hat es mit dem Entstehen des Senfbaums aus dem kleinen Senfkorn verglichen.

Raymund Fobes

Foto (c): Raymund Fobes

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