Ist es erst jetzt wieder interessant, katholisch zu sein?

So meinte jedenfalls der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von Freiburg Dr.Robert Zollitsch: „Nun ist es wieder interessant, katholisch zu sein. Das haben wir Papst Franziskus zu verdanken.“
Nun, um es gleich vorweg zu sagen, für uns, das Forum Deutscher Katholiken, war es schon immer im gleichen Maße unter allen Päpsten unserer Zeit interessant, katholisch zu sein und dies ganz besonders unter dem „deutschen“ Pontifikat von Papst Benedikt XVI. Dieser Papst hat die Kirche in unvergesslicher und bewunderungswürdiger Klarheit zu den Quellen unseres Glaubens zurückgeführt und in seiner klaren Sprache uns die göttliche Person Jesu und sein Evangelium so nahe gebracht, dass für viele Menschen, die sich von der Theologie gerade hierzulande mit Grausen abgewandt hatten, eine persönliche Beziehung zu unserem Herrn und Erlöser neu erstand. War das nicht ineressant genug?
Darüber hinaus hat Papst Benedikt gerade die wichtigen und drängenden Probleme unserer Zeit in unmißverständlicher Deutlichkeit angesprochen und Lösungen, die wirklich tragfähig sind, ständig und geduldig aufgezeigt.
Dass dieses offensichtlich hierzulande für eine Reihe von Verantwortlichen in der Kirche nicht interessant war, liegt wohl daran, dass man in unserer deutschen Teilkirche meist weggehört hat, wenn Papst Benedikt auch für deutsche Verhältnisse deutlich wurde. So wurde von der ZDK-Dame Annette Schavan, die inzwischen nicht mit Glanz und Gloria abgetreten ist, die Freiburger Rede Papst Benedikts von der Entweltlichung auch sofort als „geistliches Wort“ abgetan. Und so ging es allen, die die Entweltlichung in der Kirche bitter nötig haben und unmittelbar betroffen waren und sind. Das war für viele nun wirklich nicht interessant sondern eher ein Ärgernis, das man geflissentlich zu überhören hat.
Aber nun kommt der Papst aus Lateinamerika und sagt mit überdeutliche Worten in all seiner Sanftmut aber fest entschlossen dasselbe wie Papst Benedikt, den er ständig zitiert, und geht darüber hinaus in volkstümlicher Sprache ins Detail. Er beginnt seine Evangelisation im eigenen Hause, nämlich im Vatikan, indem er täglich einer anderen Gruppe von Mitarbeitern in der heiligen Messe eine Predigt hält, die sich gewaschen hat. Und damit meint er alle Gruppen in der gesamten Weltkirche. Gestern waren die Medienmitarbeiter des Heiligen Stuhls dran. Vor ihnen legte der Heilige Vater Franziskus das Evangelium des Tages so aus, dass jeder auch für sein Leben und seine Arbeit in der Kirche die richtigen Schlüsse geliefert bekam. Jesus selbst, sagte Papst Franzikus, sei die einzige Tür zum Himmelreich aber auch zur Kirche. Wer anderswo einsteige, wolle nur den Profit für sich selbst, einer, der „aufsteigen will.“
„Auch in den christlichen Gemeinden gibt es Aufsteiger, nicht? Karrrieristen, die nur das Ihre suchen und bewußt oder unbebußt so tun als träten sie ein. Doch sie sind Diebe und Räuber. Warum? Weil sie Jesus die Herrlichkeit stehlen, ihre Herrlichkeit wollen, und das ist, was er den Pharisäern sagte: Ihr reicht euch die Herrlichkeit gegenseitig herum. Eine Religion, die ein wenig wie eine Geschäftemacherei ist, nicht?“ (siehe kath.net/news/41014)
Das ist nun wirklich interessant! Hier möchte man Erzbischof Zollitsch ganz zustimmen, aber sogleich ihn daran erinnern, dass das nur die Ausführung dessen ist, was Papst Benedikt geduldig in so vielen Jahren gepredigt und geschrieben hat und das man in Deutschland nicht hören und befolgen wollte
Das Wort von den Karrieristen als Diebe und Räuber in der Kirche, die Jesus die Herrlichkeit stehlen, um sie an sich zu reißen, wird hoffentlich allen Verantwortlichen und Mitwirkenden in der deutschen Teilkirche in den Ohren klingen und zur Umkehr anregen.
Gestern habe ich wieder einmal hier in Saarlouis den örtlichen Weltbildladen besucht und war wieder neu erschrocken, womit die Kirche in Deutschland einen Milliardenumsatz macht. Hoffentlich wird bei den Verantwortlichen der Kirche dafür das Wort des Papstes von der „Geschäftemacherei“ in der Kirche endlich verinnerlicht. Wenn das von allen Verantwortlichen in der Kirche nicht nur interessant sondern auch als umkehrwürdig empfunden wird, dann würde ich mit Erzbischof Zollitsch das nun wirklich als interessant empfinden und gleichzeitig Papst Benedikt noch einmal unseren Dank aussprechen, dass er das alles schon angemahnt hatte und ihn und den Herrn der Kirche gleichzeitig um Verzeihung bitten, dass so wenig auf ihn gehört wurde.
Dass sich Papst Franziskus bewusst in die Reihe seiner Vorgänger, insbesondere von Papst Benedikt XVI. stellt, sagt auch dankenswerterweise Erzbischof Zollitsch. Ob alle Amtsträger und Mitwirkenden in der deutschen Teilkirche die Worte von Papst Franziskus für interessant und umkehrungswürdig halten, bleibt abzuwarten und kann nur erhofft und erbetet werden.
Keine Geringeren als die Kardinäle Kasper und Koch haben darauf hingewiesen, dass es nicht so lange wie bei Papst Benedikt XVI. dauern wird, bis man über diesen Papst aus Argentinien herfallen wird. Auch Erzbischof Zollitsch ist dieses offensichtlich klar; denn eine so deutliche und perönlich treffende Auslegung des Evangeliums, wie Papst Franziskus sie nun täglich vornimmt, kann nicht ohne Widerspruch der in sich verkrümmten Welt, die bis weit in die Kirche hineinreicht, bleiben. Und dann wird sich nun zeigen, wie interessant es für katholische Amtsträger wirklich ist, unter diesem Papst katholisch zu sein, oder ob die Mehrheit dann wieder abtaucht in der Hoffnung, die „Welt“ würde sie in Frieden lassen. Das tut sie aber nicht; „denn wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ ( Wort Christi). Wir sind dann wirkliche Christen, wenn wir standhalten; denn das wäre für die Welt interessant, „die sich nach dem Offenbarwerden der Kinder Gottes sehnt“ (hl. Paulus an die Römer)

Michael Schneider-Flagmeyer

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4 Antworten auf Ist es erst jetzt wieder interessant, katholisch zu sein?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Es ist unglaublich, wie sich ein Erzbischof so gegen das Pontifikat des Vorgängerpapstes auflehnen kann. Ich kann Zollitsch dafür nur noch bedauern. Es ist beschämend, was sich deutsche Bischöfe herausnehmen. Sie sind kein Vorbild für die Gläubigen.

  2. Eduard Werner sagt:

    Für die Christen in den ersten Jahrhunderten war es unter Kaisern Nero und Diokletian und anderen durchaus interessant, katholisch zu sein. Auch für die 4000 katholischen Priester, die europaweit von Hitlers Schergen zu Tode gemartert wurden, war es interessant, katholisch zu sein. Ob das Erzbischof Zollitsch vergessen hat? Hoffentlich muss er es nicht widerwillig noch lernen.
    Bequemer ist es allerdings, mit verweltlichten bischöflichen Behörden in Freiburg, Bonn usw. sich den bequemen Schwächen dieser Welt anzupassen.

    • Eduard Werner sagt:

      Wer sich heute in Deutschland den verweltlichten Kirchenbehörden anpasst, der braucht die Medien so wenig zu fürchten wie seinerzeit die römischen Heiden die hungrigen Löwen fürchten mussten. Ob Christus diesen Leuten beim Jüngsten Gericht einmal sagen wird: „Wahrlich, ihr habt euren Lohn schon empfangen!“

  3. Ansgar Kneißl sagt:

    Aus Liebe schuf Gott Mann und Frau im Paradies mit einem freien Willen. Gott erlaubte der satanischen Schlange, den Menschen in Versuchung zu führen. Und der Mensch hielt nicht stand und versagte. Eine Strafe dafür war die Sintflut. Was macht uns so sicher, dass der Menschheit nicht wieder ein schwere Strafe droht?
    Unter den vielen Wegen, die nach Rom führen sind zahlreiche Irrwege. In vielen gottgeweihten Kirchen haben Märtyerer und Heilige durch ihr Lebenszeugnis an das Wort Jesu erinnert: „Das Haus meines Vaters soll ein Bethaus sein; ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“
    Nach der Versuchung im Paradies versteigen sich hochmütige Menschen, die wie Papst Franziskus sagt, ihren eigenen Profit suchen, zu der Anmassung „Wir sind Kirche“.
    Wir Katholiken tragen Mitverantwortung für das Weltgeschehen. Gemeinsam sollen wir um die Barmherzigkeit Gottes bitten und nicht das Unverständnis vieler herausfordern. Hier bei uns treffen sich einige Männer dafür regelmäßig zum Gebet.

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