Reformer und Wegbereiter in der Kirche – Joseph Görres (1776 – 1848)

Josepf Görres, Publizist, der der katholischen Kirche eine Stimme gab. Am Vorabend der französischen Revolution wurde Joseph Görres am 2. Januar 1776 als ältestes von acht Geschwistern in Koblenz geboren. Mehr als 40 Jahre seines Lebens verbrachte Joseph Görres in Koblenz. Daher rührte seine Bodenständigkeit und seine Vertrautheit mit der Kultur und Lebensart am Rhein. Görres erlebte in seiner Kindheit ein einfaches und elterlich wohlgeordnetes Familienleben. Mit zehn Jahren wurde er an dem von Jesuiten geführten Gymnasium in Koblenz angemeldet. Dort lernte Görres besonders das aufklärerische Fortschrittsdenken des 18. Jahrhunderts kennen. Schulisch unterfordert betrieb er eigene Studien in Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften. 1793 verließ Görres das Gymnasium, um in Bonn Medizin zu studieren, was wegen der Wirren der Zeit jedoch nicht möglich war. So blieb er zu Hause (bis 1799) und bildete sich selbst weiter in Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften. 1794 besetzten die Franzosen Koblenz. In dieser Zeit schwärmte Görres für die ldeale der Französischen Revolution –– Freiheit und Gleichheit. Er fühlte sich berufen, als philosophischer Politiker der Menschheit den Weg zu einer sittlichen Bestimmung zu zeigen. Nach dem Einmarsch der Franzosen ins Rheinland (1794) nutzte Görres die damit gegebene Möglichkeit, seine Ideen öffentlich zu äußern. Er wurde Publizist. Seine Schriften offenbaren Revolutionsbegeisterung: die überkommenen Herrschaftsstrukturen von Staat und Kirche werden abgelehnt. Frankreich wird als Heimat der Menschheit betrachtet, von wo aus sich Freiheit und Republikanismus zum Wohl der Menschheit verbreiten werden. Er setzte sich für den Anschluss der linksrheinischen Gebiete an Frankreich ein.
Seine Begeisterung für die französische Revolution änderte sich allerdings sehr rasch, als Revolutionstruppen das Rheinland besetzt hatten und er wegen Protestes mit 20 Tagen Haft bestraft wurde.1799 lernte er die Vorgänge in Paris mit der Machtergreifung Napoleons mit wachen Sinnen kennen. Er warnte nun die Bürger publizistisch vor den Folgen einer Revolution. Die Zukunft liegt nicht in der Umsetzung revolutionärer Ideen, sondern in den Wurzeln der Kultur der Menschen. Er vertieft seine Studien in Richtung eines Universalwissens und lehrt als Professor in Heidelberg Philosophie, Physiologie und Anthropologie.
Nach der Völkerschlacht von Leipzig gründet er den Rheinischen Merkur, das Presseorgan für die geistige, religiöse und politische Freiheit.
Als nach dem Wiener Kongress die politische Restauration erfolgte, attackierte Görres den absolutistischen Geist und bürokratische Schikanen. Als Folge wurde der Rheinische Merkur verboten, Görres ging ins Exil. Dort fand Görres, der sich aufgrund des ursprünglich revolutionären Geistes von der katholischen Kirche entfernt hatte, durch seine Studien, die genaue Betrachtung der geschichtlichen Ereignisse und die Unterscheidung der Geister mit der ganzen Familie wieder zur Kirche (1824) zurück. Jetzt plädierte er für einen Ausgleich zwischen Staat und Kirche. Presseorgan wurde (1826) „Der Katholik“. Seine Grundüberzeugung war, dass ein lebensfähiger Staat mit Zukunft nur auf der Grundlage der Religion in Verbindung mit der Kirche gelinge.
Seine nachhaltigste Schrift wurde „Athanasius“, mit der er fair und deutlich die preußische Regierung angriff, die den Kölner Erzbischof auf der Festung Minden internierte. Für den Erzbischof war die von der preußischen Regierung aufgezwungene Mischehenregelung unannehmbar.
König Ludwig I. von Bayern berief Görres schließlich an die Universität in München, wo Görres eine ganze Generation von Studenten geistig, geistlich und politisch prägte. König Ludwig I. erhob ihn in den Adelsstand. Am 29. Januar1848 starb Joseph Görres und fand sein Grab in München.
Ohne Lernbereitschaft, Wertbewusstsein, Überzeugungskraft und Mut hat keine Gesellschaft Überlebenschancen.„Das Volk, welches seine Vergangenheit von sich wirft, entblößt seine feinsten Lebensnerven allen Stürmen der wetterwendischen Zukunft“ (J. Görres im Rhein. Merkur, 11. Sept. 1814)

Gerhard Stumpf

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