„Habe ich heute schon an meine Kinder gedacht?“

In vielen Dokumenten sind Menschenrechte verankert. Eine Gruppe von Menschen ist dort häufig ausgenommen: Kinder vor der Geburt. Außer mit Verweis auf ein Dokument von 1959 in der Präambel der Kinderrechtskonvention zum Beispiel gelten die Artikel selbst alle ab der Geburt.
Auch das Lebensrecht alter und kranker Menschen ist bedroht. In Deutschland wurde der assistierte Suizid, nicht gewerblich und nicht auf Dauer angelegt, zulässig. Einmal im Jahr, zum Beispiel bei einer Erbtante, geht aber in Ordnung. Mit diesem Gesetz kann ich meiner pubertierenden Tochter, die sich aus Liebeskummer aus dem Fenster stürzen will, den störenden Blumentopf zur Seite räumen, statt sie von ihrem Vorhaben abzubringen.
Experten prophezeien, dass die Hemmschwelle für Selbstmord sinken wird, weil die Sicherheit, dass es „klappt“, steigt – es gibt ja Hilfe. In Ländern, wo Euthanasie legal ist, steigen die Zahlen: Im Jahr 2010 wurden in den Niederlanden 3.800 Euthanasiefälle registriert, 2014 waren es 5.033, davon 25 % ohne Einwilligung der Getöteten. Dort gibt es inzwischen Sterben auf Rädern, Lebensendkliniken, Euthanasie für schwerstkranke Neugeborene und Jugendliche.
Zurück zum Anfang des Lebens: Abtreibung ist die größte Todesursache der Welt, mit über 40 Millionen toten Kindern in jedem Jahr. Dass es sich hier um ein Kind handelt, ist für uns selbstverständlich – kein Arzt sagt einer Frau: Herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen einen Zellhaufen. Andere, die sich zum Beispiel in UNO-Organisationen oder bei der EU sammeln, sehen das anders, sie fordern Abtreibung als Frauenrecht und bieten „Home Abortion“ mit der Abtreibungspille RU 486 an.
Was bedeutet Schwangerschaft heute? Dazu möchte ich Ihnen zwei ganz normale Beispiele der Notrufberatungsstelle vitaL – Es gibt Alternativen geben:
Eine Stewardess, weinerliche Stimme, kann sich nicht vorstellen, das Kind zu bekommen. Sie fühlt sich zu jung, möchte das Leben noch genießen. Sie will wissen, wie eine Abtreibung abläuft.
Frau in der 7. SSW. Sie ist umgezogen und seit kurzem mit ihrem Freund zusammen. Dieser freut sich auf das Baby. Er ist fertig mit dem Studium und hat eine Arbeitsstelle. Sie möchte ein neues Studium beginnen und „es passt gerade nicht“.
Jede Situation ist anders, viele Komponenten spielen eine Rolle, aber ein Faden durchzieht die meisten dieser Lebenssituationen: das Gefühl, alleingelassen zu sein, die Angst vor der Zukunft. Immer öfter beinhaltet die Lebensplanung keine Kinder. Schwangerschaft gilt dann als Problem und Ende des bisherigen Lebens.
Wie sieht es international aus?
Die Senkung der Müttersterblichkeit (MS) spielt hier eine große Rolle, ein Millenniumsziel. MS bezeichnet Todesfälle auf 100.000 Geburten (während Schwangerschaft und Geburt bis 42 Tage nach Ende der Schwangerschaft). Etwa 300.000 Mütter sterben jährlich unter diesen Umständen, darunter angeblich 13% wegen unsicherer Abtreibung. Manche Organisationen schlagen als Lösung den sicheren und legalen Zugang zu Abtreibung vor. Bei der Betrachtung verschiedener Länder stellt man jedoch fest, dass von der Tendenz her die MS eher dort niedriger ist, wo Abtreibung verboten ist (Irland, Malta; Mauritius; Chile; Philippinen). Hoch ist sie tendenziell eher in Ländern mit legaler Abtreibung, zum Beispiel Guayana, Südafrika (hier auch wegen Aids), Bangladesch. Obiger Lösungsvorschlag kann folglich in dieser Pauschalität nicht funktionieren und ist möglicherweise eher der Ideologie als der Vernunft geschuldet.
Auch die Diskriminierung von Mädchen wird bei der Abtreibung hingenommen: Beim „Social Sexing“ wünscht sich die Familie ein Geschlecht, in der Regel das männliche – Mädchen werden abgetrieben. Das findet sich in China, Südkorea, Indien, Armenien, Aserbeidschan und Georgien, auch Großbritannien hatte einen solchen Skandal. In China und Indien wurden bis 2012 85 Millionen Mädchen abgetrieben. China hat für seine Ein-Kind-Politik (mit Zwangsabtreibungen bis zur Geburt) 1983 von der UNFPA (United Nations Population Fund) eine Auszeichnung erhalten. Seit 1979 wurden in China 400 Millionen Geburten „verhindert“.
Massen-Abtreibungen haben einen neuen Markt geschaffen: Die Verwertung der abgetriebenen Kinder. Von Zellsuspensionen für Verjüngungskuren über Organnutzung bis hin zur Nutzung von Kinderzellen für die Prüfung von Medikamenten und Geschmacksstoffen ist eine Verwertungsindustrie entstanden.
In den USA wurde eine solche Geschäftsbeziehung aufgedeckt. Lebensrechtler vom Center for medical research ließen sich von Planned-Parenthood-Vertretern bei Rotwein und Salat schildern, wie man am besten abtreibt, um bestimmte Organe zu erhalten. Für Hillary Clinton veranstaltete Planned Parenthood übrigens eine Love-Party, auf der sie versicherte: „I will always defend Planned Parenthood. (…) I believe we need to protect access to safe and legal abortion.“ Volle Unterstützung also für die Organisation und die Beibehaltung der sicheren und legalen Abtreibung.
Die ideologiefreie Wahrheit der Abtreibung ist: Jedes Mal ein totes Kind, jedes Mal eine verletzte Frau, jedes Mal eine beschädigte Familie.
Was können wir persönlich tun?
Vermitteln Sie, dass Schwangerschaft etwas Positives ist! Auch wenn es Ihre 16-jährige Tochter oder der Sohn der Nachbarn ist, die Sie nicht leiden können. Bieten Sie Hilfe an.
Werden Sie Karteileiche in einem Lebensrechtsverband, gerne auch aktiv! Jedes Mitglied gibt mehr Gewicht. Unterstützen Sie vitaL, ALfA, Projekte und Organisationen mit Geld! Pecunia non olet.
Gehen Sie auf die Straße! Zum Beispiel am 16.09.2017 beim Marsch für das Leben in Berlin.
Was werden wir unseren Kindern also sagen, wenn wir einst im Lehnstuhl sitzen, leicht erschöpft?
Wir haben gekämpft und hatten Erfolg! Du bist gewollt, so wie du bist, ohne Einschränkungen und immer. Pro Familia? Ach, das war mal so ein merkwürdiger Verein. Aber der wurde im Jahr 2020 aufgelöst.

Alexandra Maria Linder M.A.

Die Autorin fasst im nachstehenden Text einige Gedanken ihres Vortrags, den sie auf dem Kongress „Freude am Glauben“ am 23. April 2016 in Aschaffenburg gehalten hat, zusammen. Ihr Thema „Habe ich heute von der Zukunft meiner Kinder geträumt?“ ist ein Zitat von Papst Franziskus. Alexandra Maria Linder ist Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ (ALfA). Frau Linder spricht auf dem Kongress am 7. Juli 2017 über das Thema „Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt – über die Lebensrechtsarbeit im 21. Jahrhundert“.

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*