Einseitige Berichterstattung – Kommentar zur Wahl des neuen US-Präsidenten

Die Präsidentenwahl in den USA betrifft den gesamten Globus: Die USA sind die letzte verbliebene Weltmacht. Sie ist der wichtigste NATO Bündnispartner. Als wirtschaftliche Großmacht entscheidet sie bei allen, die in die arbeitsteilige Weltwirtschaft eingebunden sind, über die wirtschaftliche Entwicklung und die Arbeitsplätze in diesen Ländern.
Der US-Präsident wird von den Bürgern der USA gewählt – und nicht von denen der Bundesrepublik Deutschland. Deswegen wäre Zurückhaltung über den Ablauf des Wahlkampfes und das Ergebnis der Wahl angebracht gewesen. Das war aber nicht so! Der US-Präsident ist kein Messias. Die Deutschen haben Barak Obama für einen solchen gehalten und ihn entsprechend gefeiert. Zwei Legislaturperioden haben diesen „Erlöser“ auf Normalmaß schrumpfen lassen. Festzuhalten ist: Obama hat keines der großen außenpolitischen Probleme, die er übernommen hat, gelöst. Es sind nur neue (Russland-Ukraine, Syrien etc.) hinzugekommen.
Die Kritiker von Trump, die so moralisch gegen ihn argumentierten, haben sich selber an keinen Moralkodex gehalten: „Hassprediger“, „Vollidiot“, „Clown“ sind nur einige der Bezeichnungen der deutschen Moralapostel in den Medien.
Die Reaktionen der Medien auf die gegenseitigen verbalen Attacken der beiden Konkurrenten im Wahlkampf um das Präsidentenamt waren penetrant einseitig. Zur Glaubwürdigkeit der Berichterstattung hat das nicht beigetragen. Die Vorhersagen für das Endergebnis lagen komplett daneben. „Verlierer sind die Demoskopen, Journalisten, europäischen Politiker und deutschen Kleriker – 92%ige Gewinnchancen für Clinton. Selten war der Datenjournalismus dämlicher“ (Peter Hahne). Erstaunlich ist die Uniformität der Berichterstattung. Man könnte auch von einer Selbstgleichschaltung sprechen. Sie hat jene über die Vorgänge in der Silvesternacht in Köln in den Schatten gestellt, als die Medien mehrere Tage brauchten, bis sie sich im Klaren waren, was und wie politisch korrekt sie das Geschehen darstellen sollten.
Wenn Liebe blind macht, so gilt das auch für den Hass. Dabei geht es nicht nur um das bekannte Links-Rechts-Schema. Der Journalist Kelle hat kürzlich (Kathnet, 22.11.16) auf eine breit angelegte Studie der Universität Mainz zu den Journalisten in Deutschland und deren politischen Überzeugungen hingewiesen: „Demnach fühlen sich nur 9% der Befragten den Positionen von CDU/CSU verbunden. 6% gaben an, der FDP nahe zu stehen. Zwei Drittel sagen von sich selbst, sie stünden ‚politisch links, wählten SPD, Linke oder Bündnis 90/Grüne.“ Tatsächlich ging es bei dieser Wahl um mehr. Die Reaktionen auf das Endresultat der US-Präsidentenwahl zeigte, dass für die Medienleute ihr bisheriges Weltbild ins Wanken kam. Gemeint ist jene liberale Welterklärung, die im „Namen der Vernunft“ den Menschen zu Gott über Leben und Tod macht, der über Leichen geht und das Geld anbetet. Die Wählerwanderung in der Endphase des Wahlkampfs von Evangelikalen und auch von Katholiken, trotz vieler Bedenken, zu Trump hin, hat u.a. auch mit dem Wissen zu tun, dass die Menschen erfuhren, dass Hilary Clinton für Abtreibung bis zum letzten Tag der Schwangerschaft (Late-Term-Abortion) eintritt und dass sie mit Planned Parenthood liiert ist, das mit Körperteilen abgetriebener Babys lukrative Geschäfte macht.
Die „rattenhafte Wut“ (Heinrich Böll) mit der Medienleute und Politiker ihr Machtmonopol verteidigen, das wegen der sozialen Medien zu Ende geht, macht die erlebten Reaktionen verständlich, aber nicht besser.

Hubert Gindert

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