Kein Wort für die Treugebliebenen?

Wie wird sich das päpstliche nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ auf das Eheverständnis der Katholiken auswirken? Die Interpretationen, die geschiedene Wiederverheiratete zum Sakramenten Empfang zulassen wollen, füllen mittlerweile ganze Bände. Von denen, die nicht wieder heiraten, weil sie sich an das sakramentale Eheversprechen gebunden fühlen, spricht kaum jemand.
Bei denen, die in kirchlichen und säkularen Medien die Zulassung zu den Sakramenten fordern, geschieht dies häufig mit einem anklagenden Unterton über die unbarmherzige Kirche. Zu kurz kommt dabei die Frage nach der Wahrheit und Gerechtigkeit für beide Partner.
Geschiedene Wiederverheiratete sind bei der heutigen hohen Scheidungsquote zu einem Massenphänomen geworden. Die Kirche ist herausgefordert und zu einem Wort der klaren Orientierung gezwungen, wenn sie nicht ihren Rang und ihre Hirtenaufgabe verlieren will. Wenn die Kirche ihrem Auftrag treu bleiben will, muss dieser Hinweis im Einklang stehen mit dem Wort Christi und der ständigen Lehre der Kirche.
Die säkulare Welt sieht das ganz anders. Eine Ehe auf Lebenszeit, wird dort, wo das Modell einer Lebensabschnittspartnerschaft favorisiert wird und Bindungen auf Dauer generell als Zumutung empfunden werden, als vorgestrig angesehen. Geschiedene, die keine „Zweitehe“ eingehen weil sie sich an das Eheversprechen gebunden sehen, sind für säkulare Menschen heute eine Randerscheinung der Gesellschaft, die sich dem Verständnis entzieht. Sie stehen quer zum Mainstream. Sie sind kein Medienthema. Kann das aber auch für Kirche gelten?
Die Kirche spricht in der aktuellen Diskussion nicht mehr mit einer Zunge. Verunsicherung und gegensätzliche Meinung herrscht auch unter Bischöfen und Kardinälen. Sie überträgt sich zwangsläufig auch auf die Ebene der Pfarrer. Die Folge ist eine „faktische Spaltung“ (Guido Horst) der Kirche in dieser Frage. Mittlerweile melden sich auch Konvertiten aus dem anglikanischen Bereich zu Wort. Denn für ihre Konversion zur katholischen Kirche war auch die katholische Ehelehre ein Motiv gewesen.
Wie sehen sich Katholiken, die geschieden wurden, aber bewusst nicht mehr geheiratet haben, in dieser verworrenen Situation? Für die Kirche müssten gerade sie ein Anliegen sein, weil sie in besonderem Maße Zuspruch, Ermutigung und Anerkennung brauchen. Wie empfinden jene, die „geschieden, aber treu geblieben“ sind ihre Situation? Rainer Beckmann drückt das so aus (Tagespost, 14.1.17, S. 15)
„Vor sieben Jahren hat sich meine Frau einem anderen Mann zugewandt und ist ausgezogen. Knapp drei Jahre später hat sie ihren neuen Partner standesamtlich geheiratet. Für mich war das – nach fast 25 Jahren Ehe – die größte Katastrophe meines Lebens… Wer mit einem neuen Partner wie in einer Ehe zusammenlebt, bricht jeden Tag aufs Neue sein Treueversprechen gegenüber seinem sakramentalen Ehepartner. Das gilt auch für den am Scheitern der Ehe tatsächlich oder vermeintlich ‚unschuldigen‘ Ehepartner. Auch er ist gebunden, weil er es vor Gott – besiegelt im Sakrament der Ehe – versprochen hat… Für Christen kann es kein definitives und korrigierbares Scheitern geben.“
Ermutigen die deutschen Bischöfe Geschiedene, die an ihrer Ehe festhalten wollen, durchzuhalten? Beckmann erinnert daran, was die deutschen Bischöfe für die Familiensynode angeregt haben, nämlich „zivilgeschiedene und wiederverheiratete Gläubige dann zum Sakrament der Buße und zur Kommunion zuzulassen, wenn das gemeinsame Leben in der kanonisch gültigen Ehe definitiv gescheitert ist, die Verbindlichkeiten aus dieser Ehe geklärt sind, die Schuld am Zerbrechen der ehelichen Lebensgemeinschaft bereut wurde und der aufrechte Wille besteht, die zweite zivile Ehe aus dem Glauben zu leben und die Kinder im Glauben zu erziehen“ („Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“, 16.4.2015, S. 14).
Beckmann begründet seine Haltung mit dem Satz „Christsein bedeutet für mich nicht primär das Fürwahrhalten einer Lehre sondern tatsächlich gelebte Nachfolge“.

Hubert Gindert

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8 Antworten auf Kein Wort für die Treugebliebenen?

  1. Ulrich S. als Antwort auf den an ihn gerichteten Kommentar von G. Küpper-Sondermann sagt:

    Dr. Beckmann ist keine Chiffre sondern eine reale Person, über dessen Seelenlage Sie absolut nichts wissen können und ihn hier als Chiffre abhandeln zu wollen, deren Personsein nicht interessiert, spricht eben für die kalte (in diesem Falle beleidigende) „Theologie“, die Sie hier so wortreich betreiben und die Menschen so abstößt. Diese Theologie hat auch aus Gott eine Chiffre, ein theologisches Konstrukt unter dem Einfluss von Karl Jaspers gemacht. Hören Sie bitte auf Herrn Beckmann analysieren zu wollen. Anna Freud hat einmal gesagt, dass man jeden analysieren könne, vorausgesetzt er kommt. Auch aus Sachschriften kann man einen Menschen nicht analysieren, wenn man Anna Freud ernst nimmt. Herr Beckmann kommt nicht zu Ihnen in die Psychoanalyse und deshalb ist Ihr Reden von der Psychohygiene auch nur Wortgeklingel.
    Auf Ihren „theologischen“ Wortschwall will ich gar nicht eingehen. Er führt an der Lehre der Kirche und besonders an dem Beispiel der Heiligen vorbei. Die Kirche bietet dem Menschen nicht das Zweitbeste sondern das Beste an. Konkret: einen geistlichen Weg, der dem Menschen den Segen des Opfers wieder in Erinnerung ruft, den „Theologen“ wie Sie den Menschen ausgeredet haben und den Sie leider auch nicht mehr verstehen. Aber das Kreuz gehört nun einmal zum Leben eines jeden Menschen. Und es bewusst auf sich nehmen und es dem Herrn nachtragen, bringt Segen. Davon spricht hier Ihre wortgewaltige Einlassung, die die Einfachheit der Lehre Christi intellektualistisch zudeckt, nicht.
    Damit möchte ich von mir aus diese m. E. unfruchtbare Diskussion beenden.

  2. G. Küpper-Sondermann sagt:

    @KH
    Das zweiseitiges Versprechen hat so lange einen Wert, wie sich beide Parteien daran halten. Das lässt sich sogar nach dem klassischen (und etwas einseitig verrechtlichen) vertragsrechtlichen Ehemodell mühelos aufzeigen. Einseitig aufrechterhalten kann man einen Vertrag nicht, jedenfalls nicht real, und zwingen kann man auch keinen.

    Ein leeres Versprechen, das nur noch theoretisch existiert, aber keine heilsame Realität mehr schafft, hat vor Gott natürlich keinerlei Wert. Ein Sakrament („Heilszeichen“), das keine heilsame Wirklichkeit schafft, hat vor Gott auch keinen Wert. Wenn ein Versprechen zu Bruch gegangen ist, kann man es auch nicht einfach flicken oder gesundbeten. Man muss mit der neuen Lage irgendwie umgehen. Ein heilsamer Umgang schließt dann eben auch Loslassen und Vergeben ein, sonst geht es nicht.
    Das Dogma, wonach Ehebruch das Eheband zwar nicht aufhebt, aber eben doch dem antiken Ehebegriff folgend eine ganz neue Lage schafft (die in der katholischen Dogmatik etwas anders interpretiert wird als in der Orthodoxie und wieder anders im Protestantismus), wird diesen Situationen relativ gut gerecht, wenn man es kennt und in seinen Nuancen zu bewerten weiß. Dass eine neue Realität ein Eheband nach tridentinischer Sicht sogar regelrecht auflösen kann, macht Robert Bellarmin etwa am Beispiel des Ordenseintritts Verheirateter klar (ein interessanter Aspekt, wenn einen dogmatischen Themen reizen).

    Nimmt man das Bundesmodell Johannes Pauls II zur Hilfe, lässt es sich sakramententheologisch ebenfalls zeigen:

    Der Bund Gottes mit den Menschen ist wie eine hingehaltene Hand, die ausgestreckt bleibt. Einschlagen muss man aber selbst, Gott zwingt nicht dazu. Gott ist fähig, die Hand ewig ausgestreckt zu lassen und jederzeit einen Neuanfang zu ermöglichen. Der Mensch kann das natürlich nicht immer (das ist ein Punkt, den der Papst, aber auch Luther in ihren jeweiligen und sehr ähnlichen Ehetheologien übersahen).
    Man darf die Analogie zwischen dem Bund Gottes und dem Bund der Ehe eben nicht zu weit treiben. Die gelingende Ehe ist ein *Zeichen* (Sakrament) für den Gottesbund, sie ist aber nicht dieser übernatürliche Bund selbst. Der Mensch ist nicht Gott und kann anders als Gott eben auch versagen, die Geduld verlieren und die Hand definitiv ausschlagen. Die gescheiterte Ehe ist deswegen auch kein Zeichen für den Gottesbund mehr, sondern eine andere Realität, mit der man vernünftig umgehen muss.

    • KH sagt:

      @G. Küpper-Sondermann

      Ein Versprechen ist und bleibt ein Versprechen und kann nicht aufgelöst werden wenn einer sich nicht daran hält. Wenn ich verspreche „in guten und in schlechten Zeiten“ so bin ich daran gebunden auch wenn die Zeiten schlechter werden oder sind oder ich sollte nur versprechen „dies gilt nur solange ich mich damit wohlfühle“.

      Wenn Sie schreiben „die Hand ewig ausgestreckt zu lassen und jederzeit einen Neuanfang zu ermöglichen“ vergessen Sie , daß Jesus Christus auch sagt:
      „Kehret um und sündigt nicht mehr !“

      Sie mögen sich die Lage schönreden, aber die Wahrheit ist dies nicht. Und Sie sollten wissen, daß die Nachfolge Jesu ein Kreuzweg ist.

  3. G. Küpper-Sondermann sagt:

    Dr. Rainer Beckmann täte gut daran, seiner Frau nach sieben Jahren endlich einmal zu vergeben und eine gescheiterte Ehe eine gescheiterte Ehe sein zu lassen. Man sieht ja an seinem Beispiel sehr gut, zu welchen kranken psychologischen Verrenkungen so ein krampfhaftes Festhalten an der Vergangenheit führt. Er hält seine Frau für eine Dauersünderin, nur weil sie mit ihrem neuen Mann verkehrt, und traut sich selbst nicht in eine neue Beziehung, weil er in Gedanken stets an seiner gescheiterten Ehe klebt. Schlimmer kann man es nicht machen. Und ein besseres Beispiel, um die Widersinnigkeit der alten Ehedisziplin zu illustrieren, lässt sich gar nicht finden.

    Beckmann scheitert daran, dass er nur schwarz und weiß sieht aber nicht vergeben kann (weder sich selbst noch seiner Frau nicht). Die Brüche und Graustufen in seinem eigenen Schicksal machen ihn fertig. Dass er das Ganze dann auch noch religiös überhöht und an Gott oder Jesus festmacht, verschlimmert seine Lage noch. Hier wird Religion zur psychologischen Falle.
    Was Jesus in seinem Scheidungsverbot fordert, ist, Hartherzigkeit vermeiden. Was Beckmann durch seine falsch verstandene „Treue“ zu einer Fantasieehe, die gar nicht mehr existiert, tut, ist genau das Gegenteil: Er verhärmt und verbittert zusehends und tröstet sich mit engstirnigen religiösen Phrasen, die seinen Zustand noch verschlimmern.

    Um Jesus nachfolgen zu können, muss man frei sein, muss loslassen und vergeben können, auch in dem Bewusstsein, seine eigene Vergangenheit nicht einfach auswischen zu können. Dann klappt es evtl. auch mit der Versöhnung.

    Ein Mann wie Beckmann kann ja ruhig keusch und allein bleiben, wenn er möchte, aber er soll sich gedanklich von seiner Ex-Frau lösen, seinen eigenen Anteil am Scheitern der Ehe bedenken und bereuen und dann ein friedliches und versöhntes Leben leben und seiner Frau den neuen Partner gönnen. Neid auf die Ex-Frau, die jetzt womöglich auch noch zur Kommunion gehen darf, ist ein schlechter Ratgeber und wird ihn nur noch mehr verbittern.

    Man sieht an dem Beispiel auch sehr schön, dass die so genannte Eheannullierung auch oft keine echte Lösung sein kann in solchen Fällen. Vielleicht würden sich ja Gründe finden lassen, aber die Realität einer so langen Ehe lässt sich auch durch „Annullierung“ nicht einfach wegdefinieren. Beckmann muss sich damit auseinandersetzen, mit seiner Vergangenheit versöhnen, Fehler und Schuld bereuen und auf der Basis des Alten, Vergangenen neu anfangen. Wenn es dann auch bei ihm auf eine neue Partnerschaft hinausläuft, die alte Wunden vergessen macht, kann er sich dann auch darauf einlassen, wenn er möchte. Hauptsache er findet Frieden mit sich und seiner Vergangenheit.

    Die traditionellen kirchlichen Doktrinen in diesem Bereich helfen dabei meist nicht wirklich. Beckmann sollte die Chance wahrnehmen, die ihm der Papst mit Amoris laetitia bietet. Versöhnung mit der Vergangenheit und Neuanfang in Frieden statt verkrampfter Klammerei und nachtragendem Groll. Das will der Papst und die katholische Kirche.

    • Ulrich S. sagt:

      Ihr Kommentar ist ein bemerkenswertes Dokument für die hedonistische Oberflächlichkeit unserer Zeit, selbstgerecht daherschwadronierend über Dinge von denen Sie nichts wissen. Wie können Sie es wagen darüber zu urteilen, ob Beckmann seiner Frau vergeben hat oder nicht? Was wissen Sie von seinen Gefühlen und Gedanken? Ich kenne ihn nur als ein tief geistlicher Mensch. Aber so etwas ist Ihnen offensichtlich völlig fremd. Und der Gipfel dieser Oberflächlichkeit ist, sich damit noch dreist auf den Papst und sein Schreiben „Amoris Laetitia“ zu berufen.

    • KH sagt:

      Die Frage ist doch nicht „wie kann ich loslassen und vergeben“, sondern
      „welchen Wert hat ein Versprechen vor Gott (bis der Tod uns scheidet)“.
      Kann ich dieses Versprechen bei Bedarf einfach ablegen?
      Jesus Christus hat nie gesagt, daß sein Weg ein leichter sei, sondern ein Kreuzweg.

      • G. Küpper-Sondermann sagt:

        Sorry, hab meine Antwort an die falsche Stelle gepostet (oben der Beitrag, der mit „@KH“ beginnt), danke.

    • G. Küpper-Sondermann sagt:

      @Ulrich

      Beckmann hat seine Geschichte selbst öffentlich gemacht und in diversen Leserbriefen kommentiert und mit der Diskussion um „Amoris laetitia“ in Zusammenhang gebracht. Dann darf man selbstverständlich auch öffentlich darüber reden, wie er damit rüberkommt und was er mitdenkenden Zeitgenossen damit vermittelt. Ob das eine tatsächliche Beschreibung seiner Lage ist oder bloß eine fiktive Beispielgeschichte, tut überhaupt nichts zur Sache. Natürlich kenne ich den Mann überhaupt nicht und beziehe mich ausschließlich auf die von ihm publizierten Beschreibungen und Positionierungen. Das ist eine rein akademische Falldiskussion, die Beckmann nun einmal selbst mit seinem eigenen Namen verbunden hat, was sein gutes Recht ist.

      „Dr. Beckmann“ ist hier demnach nur eine Chiffre für den Protagonisten der Geschichte, inwieweit diese Figur fiktiv oder authentisch mit der tatsächlichen Person übereinstimmt, kann keiner wissen und ist auch uninteressant.

      Diese Beispielgeschichte wird hier im klassischen Tagespost-Duktus zu instrumentalisieren versucht, um die u.a. in der AL-Diskussion angedachten Reformen der katholischen Sakramentendisziplin (über die aber schon seit langer Zeit nachgedacht wird und die ja auch praktiziert werden) in Frage zu stellen. Dass dieses Beispiel ganz im Gegenteil die Reformbedürftigkeit der klassischen Disziplin speziell unter psychohygienischen Gesichtspunkten geradezu musterhaft vor Augen führt, zeigt mein Kommentar dazu.

      Wenn Ulrich S. diese psychohygienische (und im eigentlichen Sinn geistliche) Untersuchung des Problems als „hedonistisch“ auffasst, zeugt das eigentlich nur von einer lächerlich platten und überdies offen kulturpessimistischen Sichtweise von Religion.
      Natürlich wird eine bloße Betrachtung des dogmatischen Lehrgebäudes der geistlichen Tiefendimension des religiösen und ehelichen Lebens überhaupt nicht gerecht. Wie wichtig für ein gelingendes geistliches Leben der Frieden und mit sich selbst und mit anderen ist, insbesondere auch der Frieden mit der eigenen Vergangenheit, lässt sich ja praktisch bei allen geistlichen Autoren von der Frühzeit bis heute nachlesen. Ohne Versöhnung mit den Brüchen und Sünden sowohl im eigenen Leben wie auch im Leben des Partners bleibt auch die Gottesbeziehung verwundet und unfruchtbar. Ersatzreligionen und leere dogmatische Phrasen übertünchen das nur. Gerade das Beispiel „Beckmann“ zeigt ja sehr schön, wie religiöse Dogmen und deren rigide Auslegung zu Vermeidungsstrategien werden, weil man die Auseinandersetzung mit der Realität scheut.

      Es geht wie immer in der Religion darum, sich der Realität zu stellen und ihr nicht auszuweichen. Realitätsverleugnung (das wäre das Modell „Eheannullierung“) führt da ebenso in die Irre wie Realitätsverweigerung (das ist das von Beckmann vorgestellte Modell des „Klammerns“ an eine Vergangenheit, die so gar nicht mehr da ist).
      Die gescheiterte Ehe existiert, daran führt kein noch so ausgeklügeltes dogmatisches Konstrukt vorbei, sie ist Teil der eigenen Geschichte und muss aufgearbeitet und akzeptiert werden. Wegschieben nützt nichts. Darauf weist das katholische Dogma der Unauflöslichkeit des Ehebandes nachdrücklich hin. Gleichzeitig lässt sich auch nicht einfach die Realität verleugnen, dass diese Beziehung in dieser Form („Ehe“) keine Zukunft mehr hat. Das mag auch eine Folge von Sünden und Verfehlungen sein, die sich aber leider nicht rückgängig machen, sondern nur vergeben lassen. Das Festklammern und die eingebildete Hoffnung, eine schöne Vergangenheit lasse sich wieder zurückbeten, ist ja der klassische Weg in den Realitätsverlust.

      Religion als Realitätsverlust zu kultivieren, ist (und war immer) die größte Gefahr des geistlichen Lebens, was ja gerade in der heutigen Zeit ganz furchtbar zutage tritt. Deshalb gehen die nun angedachten Reformen der katholischen Sakramentendisziplin genau in die richtige Richtung: ein religiöses Lehrgebäude mit der Beziehungsrealität zu versöhnen. Das betrifft sowohl die menschlichen Beziehungen als auch der geistlichen Bezug zu Gott.

      Für eine nicht krankhaft entfremdete Beziehung zum realen Partner, zur realen Geschichte und zum realen Gott ist Psychohygiene unerlässlich, das wollte ich verständlich machen 😉

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