Das Salz ist schal geworden – Die Kirche und ihre Funktionäre

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“ So lautet Jesu Aussage in der Bergpredigt (Matth.5,13), die ein Auftrag ist an seine Jünger.
So ab und zu ist es einmal  uns allen und  jedem einzelnen Christen für sich selbst dringend nötig, eine Bilanz zu ziehen und zu fragen: Bin ich, sind wir noch das Salz der Erde? Auch die Menschen die ausserhalb der Kirche stehen, stellen direkt und indirekt diese Frage an uns. Und sie schauen natürlich zuerst auf die Repräsentanten der Kirche, auf die Amtsträger und die, die die Kirche in der Öffentlichkeit darstellen oder von sich behaupten, sie würden die Gläubigen repräsentieren.
Dabei ist es leicht verständlich, dass die Öffentlichkeit besonders auf den schaut, der das Sekretariat der Amtsträger, der Bischöfe leitet und auch in der Öffentlichkeit für die Deutsche Bischofskonferenz spricht. Er ist darüber hinaus der Koordinator aller ihrer Aktivitäten als Bischofskonferenz. Dieser Sekretär ist nun schon seit Jahren Pater Dr. Hans Langendörfer ( Jahrgang 1951) aus der Gesellschaft Jesu, dem größten Männerorden der Kirche mit einer gloreichen Geschichte des Eintretens für die Sache Jesu. Über seine Funktion als Sekretär hinaus ist er mit noch manchen anderen verantwortungsvollen Aufgaben beauftragt. Er genießt das volle Vertrauen der Mehrheit der Bischöfe, weil er als tüchtig, effizient und in Wirtschaft und Politik erfahren gilt und auch ganz zweifellos erstaunliche organisatorische Fähigkeiten besitzt. Er ist der erste der Funktionäre der deutschen Teilkirche. Auf P.Hans Langendöfer SJ schaut die Öffentlichkeit. An ihn halten sich die Medien in Fragen der Kirche; denn er ist auch verantwortlich für die Medienarbeit der DBK. So berichtete KNA, die katholische Nachrichtenagentur, über eine Veranstaltung in WDR5 zu der Langendörfer mit der SPD-Politikerin, umstrittenen Ex-Bänkerin und von Jugend auf bekennenden Humanistin sprich Atheistin Ingrid Matthäus-Meyer und einem muslimischen Schriftsteller in den kleinen Sendesaal des WDR mit Publikum geladen wurde zu einer Diskussion über Staat und Kirche. Die Diskussion wurde geleitet von einem für den mehr als kirchenkritischen WDR ungwöhnlich moderaten Moderator. In seiner Anmoderation schon stellte er fest, dass es heute für einen Vertreter der katholischen Kirche sehr schwierig und mit Stress beladen sei, in der Öffentlichkeit für seine Kirche einzustehen. Er erwähnte natürlich nicht, dass dieses auch ein Werk der Medien und besonders seines Hauses ist, sondern deutete kurz auf die „bekannten Mißstände“ hin. Er bezeichnete P.Langendörfer SJ als den Dirigenten „des vielstimmigen , manchmal auch ein bißchen schrägen Chors der DBK“ und beschrieb damit im Grunde sehr salopp aber richtig die Bedeutung und Funktion P.Langendörfers für die Kirche. Aber er war wirklich sehr fair und gab Pater Langendörfer auch im Verlauf der Diskussion jede Möglichkeit, hier den Standpunkt der Kirche und vor allem die Bedeutung der Religion und des christlich-katholischen Glaubens für unsere Zeit darzustellen. Und was da nun von seiten des „Dirigenten“ der DBK kam, war erschreckend dünn. Was die Bedeutung der Religion anbelangte, hatte der Muslim mehr zu bieten. Ohne Religion, so Langendörfer wäre „es richtig schade“ und sprach von der Lebensqualität durch den GLauben. Das ist ja nun wirklich für einen Jesuitenpater mehr als dürftig, der hier nicht in der Lage war, in treffenden Sätzen die Bedeutung des christlichen Glaubens für die Welt und seinen Inhalt darzustellen. Sich vielleicht dessen doch bewußt, schob er dann den Begriff „Lebensorientierung“ nach, der schon etwas angemessener war aber immer noch zu dünn für das Erlösungswerk Jesu Christi.
Wer ist P. Hans Langendörfer SJ? Wer er als Mensch ist, was Ihn bewegt und was er in seinem Herzen glaubt, wissen wir nicht. Und darüber steht uns auch kein Urteil, ja nicht einmal eine Bemerkung zu. Wir setzen voraus, dass er ein engagierter Mann der Gesellschaft Jesu ist, der das Beste will und sein Bestes gibt. Wir können uns nur über sein öffentlich erkennbares Reden und Handeln äussern. Seine Beziehung zur Poltitik wurde sicher durch seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundeskanzleramt von 1987-1989 entscheidend mitgeprägt. Danach leitete er das „Foyer der Jesuiten“ in Bonn, das heute in Berlin ansässig ist. Unter dem Schwerpunkt „Politisch handeln“ werden dort unter anderem folgenden Themen bearbeitet: Jesus und die Politik; Christentum und Politik, Institutionen haben Gewicht, von Demokratie und Sommerlagern, die Versuchung unpolitisch zu sein, kandidieren, Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft, COMECE (Commission des Episcopats de la Communauté Européenne). Alles wichtige Themen, für die die Jesuiten von je her geeignet waren und die sie bis zu den Ereignissen um 1968 für die Kirche hervorragend im Sinne der Kirche erledigten. Leider hat sich auch hier in Deutschland die Gesellschaft Jesu nicht als der verlängerte Arm des päpstlichen Lehramtes, das sie nach dem Willen ihres großen heiligen Gründers sein sollte, entwickelt sondern eher  zu seinem Gegenteil. Man denke nur an die unsäglichen Aussagen des Paters Friedhelm Hengsbach SJ und anderer in jüngster Zeit. In Paray-le-Monial, wo der heilige Claude de la Columbiére, der geistliche Führer der heiligen Margarete Marie Alacoque, ein Jesuitenkolleg gegründet hatte, aus dem im Laufe der Zeit weit über 1000 Priesterberufungen hervorgingen, wurde in der Nachkonzilzeit die Herz-Jesu-Verehrung, die einst die beiden Jesuiten Jean Croiset und Josef-Francois Gallifet von dort aus in die Welt getragen hatten, aufgegeben. Aus diesem Kolleg gingen dann keine Priesterberufungen mehr hervor und das Kolleg wurde geschlossen.
Der Riß, der durch die Kirche geht, geht durch alle ihre Ordensgemeinschaften mit großer Tradition und äussert sich bei den Jesuiten als der größten Gemeinschaft mit einem besonderen Bezug zum päpstlichen Lehramt am dramatischsten.
Aber das Wichtigste für die Kirche heute ist doch die Wiedergewinnung des Glaubens und die Evangelisation, die nach dem Willen Pauls VI. in der Kirche selbst beginnen muß. Und hier hat der deutsche Spitzenfunktionär P.Langendörfer nicht nur ein große Chance verpaßt sondern es kam in der Diskussion bei WDR5 noch schlimmmer.
Der Moderator sprach die heftigen Demonstrationen der Franzosen gegen die Homoehe und das Adoptionsrecht der Homosexuellen in Frankreich an und nannte die Zahl von einer Million Demonstraten, die sonst von den Medien heruntergespielt wird, und fragte P. Langendörfer nach seiner Einschätzung. Völlig richtig wies Langendörfer darauf hin, dass es in Deuschland keine vergleichbare Protestkultur gibt und dass die Mobilisierung von einer Million Menschen zu solche Zwecken in Deutschland nicht möglich sei. Leider, fügen wir hinzu.
Aber dann kam das Wesen der deutschen Kirchenfunktionäre überdeutlich zum Ausdruck: “ Ich glaube, wir würden das auch nicht wollen.“ Nein, die Funktionäre und leider auch viele Amtsträger wollen Ruhe an der Front des „Kampfes“ um Werte allgemein, besonders aber um christliche Werte. Nur nicht dem Mainstram widersprechen, wo doch schon genug gegen die Kirche angekämpft wird. Das stört unsere Kreise und unseren Geschäfte. Pater Langendörfer bezog denn auch gleich die evangelsiche Kirche mit ein in dem Satz: „Und das finden die katholische und die protestantische Kirche so in Ordnung“. (siehe auch kath.net/news/41075) Da sind sich die Funktionäre beider Kirchen offensichtlich einig. Das Salz, das Jesus Christus seiner Kirche verordnet hat, stört nicht nur in dem sebstgemachten- und gewürtzten Einheitsbrei, sondern es ist auch nicht mehr vorhanden, weil es schal geworden ist. Das P. Langendörfer damit auch der franzöischen Bischofskonferenz und ihrem Vorsitzenden, die die Demonstrationen befürworteten und begleiteten, in den Rücken fiel, das ist ihm entweder entgangen oder war ihm gleichgültig. Das Sekretariat der DBK ist unter P. Langendörfer zu einem bürokratischen Molloch mit 300 Mitarbeitern entartet, der die Bischöfe – weil diese Leute ja nun beschäftigt werden müssen – mit Vorlagen bombadiert und sie damit von ihren oberhirtlichen Aufgaben ablenkt.
Das Salz der Funktionärskirche ist schal geworden!
Man könnte fast verzweifeln angesichts dieser Situation in unserer Kirche, wenn nicht der Heilige Geist, dem wir so sehnsuchtsvoll im Pfingstfest jetzt entgegensehen, immer eingreifen würde und seine Kirche nie im Stich läßt. So hat Er jetzt einen Mann auf den Stuhl Petri berufen, der ausgerechnet aus der Gesellschaft Jesu kommt. P. Jorge Mario Bergoglio-Papst Franziskus ist ein Jesuit vom alten und besten Schlag aus der großen Tradition der Gesellschaft Jesu, der eng verbunden mit seinem Vorgänger ist und dessen Lehre nun mit überdeutlichen Worten für die Kirche in konkrete Praxis umsetzen will. Er geißelt mit nicht zu überhörenden Worten die Mutlosigkeit, die Feigheit, das bürokratische Denken und Handeln und damit auch das Funtkionärstum in der Kirche und mahnt wie sein Vorgänger die Treue zur Kirche an, wie sie das Lehramt vorgibt. Die übergroße Mehrheit der Kardinäle sah wie schon Papst Benedikt, dass die Zeit für einen Papst aus einer der missionarischen, im Kampf für das reine Evangelium und die Traditon bewährten und so sehr erfolgreichen Kirchen außerhalb Europas da ist, um die Kirche in ihrem missionarischen Dienst der Evangelisation zu erneuern und zu stärken.
Dieser Papst wählte nicht einen Namen seiner zahlreichen Vorgänger oder eines Heiligen der Gesellschaft Jesu sondern den Namen des Poverello aus Assisi. Darüber hinaus zitiert er den großen Dominikaner Thomas von Aquin, der in der nachkonziliaren Theologie in die Versenkung verbannt wurde. K.G.Chesterton, einer der Weisen des 20. Jahrhunderts, hat im Vorwort seines Buches über den heiligen Kirchenlehrer Thomas von Aquin nicht Franziskus neben seinen Bruder im Geist Dominikus gestellt, wie es die Legende tut, sondern Franziskus neben den großen Aquinaten mit der Begründung, dass in beider Werk das Wesen der Kirche sich ergänzend fast vollkommen sichtbar wurde. Er nennt das Werk des heilgen Franziskus und das in der nächsten Generation enstandene Werk des Aquinaten die eigentliche Reformation und nicht die sogenannte Reformation Luthers.
Von Papst Franziskus erhoffen wir uns, dass er das helle und heilbringende Feuer des Heiligen Geistes der Gründergeneration in allen Orden unserer Kirche und darüber hinaus in allen Gläubigen wieder neu, bestärkt durch unser treues Gebet, zum Leuchten bringt wie die Legio Mariae täglich betet: “ Und was Deine Gnade gewirkt hat, als die frohe Botschaft ihren Anfang nahm, das wirke sie jetzt in den Herzen aller Gläubigen, darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.“
Wir sind uns bewußt, dass beim Voranschreiten der Kirche auf ihrem Pilgerweg, so mancher Ballast, unter dem auch manches uns Liebgewordene sich befinden mag, abgeworfen wird und werden muß. Aber wir haben nach allem, was der Papst bis jetzt sagt und tut die Hoffnung , ja Gewissheit, dass das Gold in der Kirche nicht verloren geht sondern neu erstrahlen wird. Papst Franziskus ist sich wie alle seine Vorgänger nicht nur bewußt, sondern hat sein Leben lang darauf hingewiesen, dass der Heilge Geist seine Kirche nicht in die Irre geführt hat sondern auf den Weg, der Jesus Christus selbst ist, und er hat allen besserwisserischen Auslegern der Wahrheit wie auch seine Vorgänger die richtigen Antworten gegeben schon von seiner ersten Ansprache in der Capella Sixtina an.
Weil Gott alles möglich ist, dürfen wir auch hoffen, dass Er das schal gewordenen Salz wieder neu würzt, damit es wahrhaft salzt; denn das schalgeworden Salz wird sonst weggeworfen und von den Menschen zertreten.
Der große Auftrag, den Papst Benedikt XVI. ausgerechnet auf deutschem Heimatboden der Kirche gegeben hat, nämlich die Entweltlichung, die auch die Befreiung von unfruchtbarem Funktionärstum, toter Bürokratie, Geschäftemacherei (Papst Franziskus), nicht mehr katholischen Institutionen und Gremien beinhaltet, gegeben hat, ist bei Papst Franziskus in besten Händen. Dafür sprechen alle seine Ansprachen, die er bis jetzt vor den einzelnen Gruppen von Mitarbeitern des Vatikans gehalten hat. Wir wollen hoffen, dass dieses auch in Bonn gehört worden ist.
Lassen wir zum Schluß noch einmal Chesterton in seiner Einleitung zu seinem Buch über den großen Aquinaten zu Wort kommen:
„Wenn die Welt zu weltlich wird, kann die Kirche sie zurechtweisen, aber wenn die Kirche zu weltlich wird, so hat die Welt kein Salz, um sie in ihrer Verweltlichung  zu durchwürzen.“

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Das Salz ist schal geworden – Die Kirche und ihre Funktionäre

  1. Eduard Werner sagt:

    Das riesige Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und das so genannte ZdK schweigen zwar zur gender-Politik, aber gegen Papst Benedikt emeritus und gegen die katholische Sexualmoral sticheln sie gern. Und das auf Kosten unserer Kirchensteuern. Sie wollen offenbar eine andere Kirche. Sie könnten sich gern einer Konfession anschließen, in der ihre Vorstellungen schon verwirklicht sind und die katholische Kirche denen überlassen, die sie dankbar als ihre Heimat empfinden. Das wäre vornehme Rücksichtnahme. Aber leider fällt mir zu diesen Gremien nur ein Satz aus dem zweiten Kapitel des ersten Johannesbriefes ein: „Sie kamen zwar aus unserer Mitte, aber sie haben nie zu uns gehört.“

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