Katholiken in Diktaturen

Unser Mitarbeiter Dr. Eduard Werner, der Autor der letzten Seite im Fels, stellt in seinem neuen Buch „Helden und Heilige in Diktaturen“ den heldenhaften Widerstand der Katholiken unter dem Hitler-Regime und unter dem Kommunismus dar. Die frühzeitigen Warnungen der Päpste und der Bischöfe vor dem Nationalsozialismus und vor dem Kommunismus sind auch unter Historikern weithin unbekannt. Ebenfalls wenig bekannt sind auch die erschütternden Glaubenszeugnisse der Märtyrer in den Gefängnissen und KZs des 20. Jahrhunderts. Die hier dargestellten Märtyrer sind im Deutschen Martyrologium „Zeugen für Christus“ dokumentiert, das Professor Dr. Helmut Moll herausgegeben hat. Die Lebensläufe der Bekenner wurden aus verstreuten Berichten gesammelt. Den vielen Bekennern, welche die Verfolgung überlebt haben, kann der Ehrentitel Märtyrer nicht zugesprochen werden. Sie haben jedoch den gleichen Mut und die gleiche Todesbereitschaft wie die ermordeten Glaubenszeugen aufgebracht. Auch sie werden in diesem Buch als Vorbilder gewürdigt. Dieser erstaunliche Einsatz der Priester und Laien für den katholischen Glauben, für Wahrheit und Mitmenschlichkeit geschah stets in Übereinstimmung mit der Hierarchie, in Übereinstimmung mit dem Papst und mit den Bischöfen.
Der Autor zeigt im ersten Teil des Buches, dass die Vorwürfe, die gegen die Kirche erhoben werden, entweder auf Unkenntnis oder auf bösem Willen beruhen. Die Kirche hatte bekanntlich keine Armee. Daher konnte sie auch keine Kanonen gegen Hitler ins Feld führen. Sie hatte aber geistige Waffen. Und die hat sie auch eingesetzt. Früher als andere hat die Kirche festgestellt, dass die beiden extremen Ideologien mit der katholischen Kirche nicht vereinbar sind und dass daher Katholiken die NSDAP nicht wählen dürfen. Kardinal Faulhaber hat bereits am 1. November 1923 den „blinden Hass der Nationalsozialisten gegen Juden und Katholiken“ öffentlich missbilligt, worauf ihn diese als Judenkardinal beschimpften. Am 25. März 1928 verurteilte Papst Pius XI. den Antisemitismus aufs schärfste. 1932 warnten die katholischen Bischöfe Deutschlands davor, die Nationalsozialisten zu wählen. Die Landkarten mit den Wahlergebnissen von 1932 und 1933 belegen, dass die NSDAP in katholischen Gebieten die wenigsten Stimmen bekam. Die Adventspredigten von Kardinal Faulhaber 1933 bezeugen schon sehr früh die Wachsamkeit der Kirche gegenüber der braunen Ideologie. Am 7. Februar 1934 ließ Papst Pius XI. Alfred Rosenbergs Buch „Mythus des 20. Jahrhunderts“ , die ideologische Grundlage des Antisemitismus, auf den „Index“ der für Katholiken verbotenen Bücher setzen. 1934 und 1935 stellten das bischöfliche Ordinariat Münster und das erzbischöfliche Ordinariat Köln in ihren Amtsblättern wiederum die Unvereinbarkeit der NS-Ideologie mit der katholischen Kirche fest. Das Joseph Teusch-Werk der Erzdiözese Köln verbreitete in zwanzig Millionen Flugschriften die Unvereinbarkeit der NS-Ideologie mit der katholischen Kirche. Das Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ von 1937 und viele bischöfliche Predigten dokumentieren den geistigen Kampf zwischen dem mächtigen Staat und der fast wehrlosen Kirche. Für dieses Bekenntnis zu Wahrheit und Mitmenschlichkeit hatten Katholiken als Kriegsdienstverweigerer, als Judenhelfer und als Helfer von Kriegsgefangenen in den KZs und in den Gefängnissen einen hohen Blutzoll zu entrichten. Ihr Glaubensmut und ihre Einsatzbereitschaft verpflichten uns zur Dankbarkeit und Wachsamkeit gegenüber neuen Gefahren.

Gerhard Stumpf

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