Ökumenischer Religionsunterricht?

Der Religionsunterricht hat die Aufgabe, die Kinder mit dem Glauben der Kirche vertraut zu machen. Damit ist das Wissen, aber auch die Liebe zur eigenen Kirche gemeint. Von der Wissensvermittlung ist der Religionsunterricht abgerückt, als der Katechismus entsorgt wurde. Die emotionale Seite setzt Religionslehrer voraus, die den Glauben praktizieren und auch persönlich davon Zeugnis ablegen. Deswegen bräuchte kein Religionslehrer Fehler und menschliche Schwächen von Christen, die in der Kirchengeschichte ihren Niederschlag gefunden haben, unter den Teppich zu kehren. Schließlich weist die Kirchengeschichte auch glänzende Seiten auf mit ihrem Heer von Glaubenszeugen sowie ihren caritativen und kulturellen Leistungen.
Der Reli-Unterricht kann nicht ausgleichen, wenn die sogenannte Primärsozialisation im Elternhaus ausfällt. Es wird aber zur Ausrede, wenn im Religionsunterricht nicht das getan wird, was die Aufgabe ist, nämlich den Schülern das Grundwissen des Glaubens zu vermitteln. Fakt ist, dass die Absolventen nach 8-9 Jahren Religionsunterricht den Glauben der Kirche nicht kennen und auch nicht als attraktiv empfinden. Nach Kommunion und Firmung sieht man die Jugendlichen, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr in der Kirche – und das seit mindestens zwei Generation.
Die Verantwortlichen der Diözesen wissen das alles. Es wurde ihnen in zahlreichen Stellungnahmen zur Kenntnis gegeben. Das eigentliche Problem ist die fehlende Bereitschaft, Fehlentwicklungen zu korrigieren und eine Kursänderung vorzunehmen. Was wir in Politik und Gesellschaft vorfinden, nämlich die Konfliktscheue, findet sich ebenso ausgeprägt in der Kirche. Wer auf Mängel hinweist, wird als Unruhestifter abgestraft, mindestens aber nicht beachtet.
„Die Deutsche Bischofskonferenz sieht in der Ökumene die Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts“, schreibt das Westfalen-Blatt vom 17./18.12.2016: „Für die Zukunft ist die Kooperation beider Fächer von großer Bedeutung“, sagt Erzbischof Hans-Josef Becker. Becker ist der Vorsitzende der bischöflichen Kommission für Erziehung und Schule. „Die Kooperation von katholischem und evangelischem Religionsunterricht dürfe aber nicht mit einem überkonfessionellen Religionsunterricht verwechselt werden … Ziel ist es vielmehr, dass die Schüler zu einem besseren Verständnis konfessioneller Gemeinsamkeiten und Unterschiede gelangen“, so Becker.
Wäre es nicht vorrangig, dass die Schüler zuerst einmal den Glauben ihrer Kirche kennenlernen, bevor sie die konfessionellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennenlernen? Ein Beobachter dieser Bestrebungen sagt: „Die Selbstzerstörung schreitet fort. Die Bischöfe verraten eine den Gläubigen durch den freiheitlichen Verfassungsstaat gesicherte Errungenschaft: Den konfessionellen Religionsunterricht“.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Ökumenischer Religionsunterricht?

  1. Zu dieser Thematik sei das Buch von Georg May „Die Ökumenismusfalle“ empfohlen (Sarto, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-932691-39-3).

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