Die enttäuschten „Sympathisanten“ des Papstes

Anlässlich des 80. Geburtstages wurde deutlich, dass Papst Franziskus manche „Sympathisanten“ enttäuscht hat, die ihn für ihre „Kirchenreformen“ instrumentalisieren wollten. Der Bericht „Alles nur schöner Schein?“ von Julius Müller-Meiningen in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (17.12.16) illustriert das. Papst Franziskus wird zunächst freundlich gezeichnet und als „weiter leutselig aber auch nachdenklich“ geschildert, dann mit „ich habe das Gefühl, mein Pontifikat wird kurz sein“ zitiert. Danach werden die Reaktionen auf „solche Spekulationen“ beschrieben: „Da sind diejenigen, die aus Sorge um das Abdriften ihrer Kirche in die Beliebigkeit einen Rücktritt kaum erwarten können … sie sind die Minderheit. Andere wiederum sorgen sich, dass das zarte Pflänzchen der Erneuerung stirbt, sobald der Argentinier nicht mehr im Amt ist“ … „Bergoglio hat zweifellos einen neuen Stil in der Kirche geprägt“. Als Beleg wird angeführt: „Die Zeiten der Förmlichkeiten und des blinden Gehorsams“ seien passé, weiter, der „offene Stil, mit dem inzwischen bis auf höchster Ebene diskutiert werde“. „Franziskus habe neue Freiheiten geschaffen“. Wenige Zeilen vorher spricht der gleiche Artikel von einem „manchmal sehr autoritären und oft auch populistischen Franziskus“.
Dann kommt der Angriff auf den „harten Kern von Kardinälen und Bischöfen, die alles tun, um Vorstöße Bergoglios zu delegitimieren“. Dafür werden die vier Kardinäle mit ihren „Dubia“ (Zweifeln) zu „Amoris Letitiae“ genannt, die ihre „fünf Zweifeln am päpstlichen Lehramt sogar öffentlich gegen Franziskus“ geäußert hätten. Redlicherweise hätte Müller-Meiningen sagen müssen, dass die vier Kardinäle ihre Anfragen und Bitten um Klärung erst öffentlich gemacht haben, als sie nach acht Wochen noch keine Empfangsbestätigung hatten, weiter, dass Stil und Ton des Schreibens respektvoll und sachlich gehalten sind, schließlich, dass Anfragen dieser Art im Kirchenrecht ausdrücklich vorgesehen sind. Das Thema „Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion… wirkt meilenweit entfernt von den Bedürfnissen der Menschen,“ so der Kritiker Müller Meiningen. Es sei „aber von entscheidender Bedeutung für die Kirche, weil hier die grundsätzliche Frage entschieden wird, ob das Gewissen des Einzelnen Vorrang vor absoluten Normen haben kann“.
Das ist Desinformation! Es geht in dieser Frage um den Vorrang des Wortes Jesu, nicht um irgendwelche kirchlichen Normen. Nach katholischer Lehre ist das „gebildete“, d.h. informierte Gewissen letzte Entscheidungsinstanz, das sich hier für oder gegen das Wort Jesu entscheidet. Insofern hat Erzbischof Schönborn Recht, auch, wenn es bei Müller-Meiningen anders gemeint ist, Franziskus möge „unbeirrt den Weg des Evangeliums weitergehen“. Das Evangelium sagt, Ehescheidung und Wiederverheiratung ist Ehebruch.
Nach und nach kommt Müller-Meiningen mit seiner Kritik auf Papst Franziskus zu sprechen: Papst Franziskus verliert „auch bei fortschrittlichen Katholiken an Zustimmung“. Als Beleg dafür führt er den Psychologen und Theologen Wunibald Müller an. Dieser habe „zu Beginn des Pontifikats große Hoffnungen in Franziskus gesetzt“. Inzwischen sei er skeptisch geworden: „Für Franziskus hat die Götterdämmerung begonnen, wenn er nicht an das Eingemachte geht und nicht in der Lage oder bereit ist, die notwendige Reformation der Kirche in Gang zu setzen.“ Müller meint damit die Rolle von Frauen in der Kirche, den Zölibat und die Sexualität. Es wird deutlich, dass Papst Franziskus die Erwartungen des Wunibald Müller, des Müller-Meiningen und ihrer Anhänger an eine „andere Kirche“ nicht erfüllt. Deswegen verblassen die früheren Sympathien. Müller-Meiningen bringt hinsichtlich der enttäuschten Hoffnungen auch die Homosexuellen, denen der Zugang zum Priesteramt weiterhin verwehrt bleibt wie Papst Franziskus erklärt hat. Korrekterweise hätte hier gesagt werden müssen, dass Papst Franziskus nicht von solchen gesprochen hat, die sich als homosexuell empfinden, sondern von denen, die ihre Homosexualität ausleben.
Die Enttäuschung jener, die Papst Franziskus für ihre Ziele einspannen wollten, wird überdeutlich, wenn es heißt: „Dass Franziskus sich in seiner historischen Enzyklika ‚Laudato si‘ für radikalen Umweltschutz einsetzt, beinahe täglich die Ungleichheiten auf der Welt anprangert, Gewaltfreiheit predigt und auf den Klerus schimpft, lässt immer mehr Zuhörer gleichgültig“. Wunibald Müller fordert „der Papst muss jetzt liefern“.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Die enttäuschten „Sympathisanten“ des Papstes

  1. Mathias Wagener sagt:

    Sie haben das alles richtig dargestellt. Für uns Gläubige stellt sich die Frage, warum wir uns an diesen Kirchengegnern eigentlich abarbeiten. Die Kommunion sehen diese Mitmenschen doch als Oblate, die es hinunterzuschglucken gilt. Warum so fragen sich die Ungläubigen, sollte nicht jeder die Oblate schlucken dürfen ? Dann kann man dagegen fragen, warum überhaupt noch ? Warum sollen Priester denn heiraten dürfen, wenn der Trauschein eh nichts gilt ? Wem soll der Papst etwas liefern ? Denen, die eh nicht glauben ?

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