Christoph Probst: „Hitler muss fallen, damit Deutschland lebe“

Die Münchner Widerstandgruppe „Weiße Rose“ wird in der Publizistik weithin auf die Geschwister Scholl reduziert. Das katholische Umfeld dieser Gruppe, das die Studenten inspirierte, wird dagegen kaum erwähnt. Da sind vor allem der Verleger Carl Muth, dessen Freund Theodor Haecker und Professor Kurt Huber. Auch die katholischen Mitglieder dieser Gruppe selbst wie Professor Kurt Huber, die Studenten Willi Graf und Christoph Probst sowie der orthodoxe Alexander Schmorell erscheinen in den meisten Darstellungen nur als Randfiguren, obwohl sie zum Kern der „Weißen Rose“ gehörten. Die meisten Mitglieder der Weißen Rose mussten bei ihren Fronteinsätzen selbst sehen, wie Juden, Russen und Polen massenweise vernichtet wurden. Sie gewannen die Überzeugung, dass Hitler und der Nationalsozialismus einen diabolischen Charakter hatten, der in direktem Gegensatz zu ihren christlichen Überzeugungen stand. Als Medizinstudenten bekamen sie Urlaub von der Front, so dass sie in München und Innsbruck ihr Studium fortsetzen konnten. Dort verfassten sie Flugblätter, die den verbrecherischen Kern des ganzen Nazi-Systems für die Zivilbevölkerung aufzeigen sollten. Auch Christoph Probst war Mitglied dieses Freundeskreises. Er war 1919 in Murnau geboren. Da sich seine Eltern sehr früh trennten, wuchs Christoph abwechselnd bei Mutter und Vater auf. Die beiden Kinder Christoph und seine Schwester Angelika wurden zwar nicht getauft, sie wurden aber religiös erzogen. Religiös beeinflusst wurde Christoph auch von seinem Schulfreund Alexander Schmorell. In einem Brief an seine Mutter schrieb Christoph: „Mein Leben war ein einziger Weg zu Gott.“ 1939 begann er als Soldat in München das Studium der Medizin. 1940 heiratete er Herta Dohrn, deren Vater vor Kriegsende ebenfalls erschossen wurde. 1942 wurde er zum Studium nach Innsbruck beurlaubt. Dort hat er das siebte Flugblatt der „Weißen Rose“ verfasst und an seinen Freund Hans Scholl weitergeleitet. Dieser trug den folgenreichen Text bei sich, als er am 18. Februar 1943 verhaftet wurde. Die Polizei ermittelte durch Schriftvergleich schnell, dass Christoph Probst der Verfasser dieses Textes war. Es begann: „Hitler muss fallen, damit Deutschland lebe ….“ Christoph Probst ahnte zunächst nichts von den Vorgängen in München. Am 19. Februar 1943 ging Probst in die Schreibstube seiner Kompanie, um seinen Sold abzuholen und um Urlaub zu beantragen. Er wollte seine Frau besuchen, die gerade das dritte Kind im Tegernseer Krankenhaus geboren hatte. In der Schreibstube wurde er sofort verhaftet und nach München gebracht, wo er am 22, Februar 1943 zusammen mit Hans und Sophie Scholl zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet wurde. Eine Stunde vor der Hinrichtung empfing er die schon lang ersehnte Taufe. Wir fragen uns heute: „Warum haben die Mitglieder der „Weißen Rose“ diese Gefährdung auf sich genommen?“ Sicher, weil sie das himmelschreiende Unrecht nicht mehr ertragen konnten. Und warum hat das System so schnell und so hart reagiert? Sicher, weil die massenweise Vernichtung von Menschen nicht bekannt werden durfte. Die ganz Wenigen, die etwas wussten, erzitterten und schwiegen. Die Deutschen hatten damals nur von KZs wie Dachau, Buchenwald oder Sachsenhausen gehört. Auschwitz aber durfte nicht bekannt werden. Der Versuch es aufzudecken brachte den Tod. Christoph Probst hat dieses Opfer bewusst auf sich genommen.

Eduard Werner

Bild: Georg Schweiger in Martyrologium „Zeugen für Christus“ I  S. 507-509

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